Von Fabian Grabowsky und Christopher Stolzenberg
Berlin - 700.000 Menschen auf einem Fleck und am Ende gab es nur Gewinner. Das Spiel war längst aus, Deutschland hat glasklar gewonnen, aber die Fans liegen sich noch immer in den Armen, singen noch immer ihre Lieder. Es ist sehr heiß am Nachmittag auf der Berliner Fanmeile. Aber dagegen kann man ja etwas tun - zum Beispiel die Trikots ausziehen.
Die Deutschen sind in der Überzahl, sie markieren ihr Revier mit Schwarz-Rot-Gold, Trikots und Deutschland-Rufen. Die gibt es entweder als gesungenes "Deutschlaaand, Deutschlaaand" oder als zackiges "Deutschland!", mit rhythmischer Klatsch-Unterstützung. Immer öfter singen die deutschen Fans inzwischen auch "Finale", was zwar "Füüünale" ausgesprochen wird, dafür aber immer ernster gemeint ist.
Dementsprechend einheitlich ist die Meinung über das Fußball-Spektakel. "Super", sagt Melanie aus Berlin. Sie hat bis jetzt jedes Deutschland-Spiel hier geguckt. "Es ist einfach gute Stimmung, macht Spaß und ist lustig."
Michael ist mit fünf Freunden extra aus dem Münsterland angereist. "Supertolle Stimmung", sagt er. Und am Abend will er "Kloses hundertprozentige Leistung" noch in der Berliner Kneipenszene feiern. Nur Steffi aus Berlin - zum ersten Mal auf der Fanmeile dabei - hat einen zarten Einwand: "ein bisschen voll", sagt sie. Vor allem vorne, vor der Bühne.
Marc aus Spandau freut sich: "Ich habe Türken gesehen, die für Deutschland waren. Toll!" Noch lieber als ein Spiel gegen Ecuador hätte er die deutsche Elf gegen Holland oder Brasilien gesehen. Da könnte "unsere Mannschaft zeigen, was sie wirklich kann".
Mit frischen Beinen sicher im Viertelfinale
Die Fans von Ecuador sind keineswegs enttäuscht - auch sie haben schließlich das Achtelfinale sicher erreicht, nur eben nicht als Gruppenerster. "Wir haben unsere Arbeit schon in den Spielen vorher erledigt", sagt Manuel Deurredo mit heiserer Stimme.
"Deutschland hat für seinen Stolz gespielt, Ecuador für den Respekt", sagt Byron Maldonado. Soweit sei das Team aus seinem Heimatland noch nie gekommen. Er verteidigt die Entscheidung des ecuadorianischen Trainers Luis Fernando Suárez, fünf gute Spieler im Vorhinein auszuwechseln. "So haben wir frische Beine und starke Körper, um vielleicht doch noch ins Viertelfinale zu kommen." Das nächste Spiel wird er wieder in seiner Heimat Quito erleben. "Das wird ein großes Fest werden!"
Beim Berliner Fest kam es zu keinerlei ernsthaften Zwischenfällen. "Wir haben heute rund 700.000 Besucher gezählt, die Stimmung ist ausgesprochen friedlich", sagte ein Sprecher des Veranstalters. Und ein Polizeisprecher bestätigte: "Alles ist ruhig verlaufen".
Mit Material von dpa und sid
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