Valencia - Natürlich dachten alle zunächst an einen Anschlag. Die Anschläge von Madrid auf vier Vorortzüge in Madrid, bei denen 191 Menschen getötet und fast 2000 verletzt worden waren, sind in Spanien noch jedem präsent, die Attentate auf drei U-Bahnen und einen Bus in London jähren sich in dieser Woche zum ersten Mal.
Doch schon bald stellte die Regionalverwaltung klar: Für einen Anschlag gibt es keinerlei Hinweise. Die Katastrophe, bei der mindestens 37 Menschen ums Leben kamen und mehr als 40 weitere verletzt wurden, war nach dem Stand der Ermittlungen eindeutig ein Unfall. Der sei vermutlich durch überhöhte Geschwindigkeit ausgelöst worden, sagte Luis Felipe Martínez von der Stadtverwaltung. Außerdem sei ein Rad eines U-Bahnwaggons gebrochen.
Anderen Vermutungen zufolge wurde das Unglück durch den Einsturz von Deckenteilen in der Tunnel-Röhre verursacht. In jedem Fall sei es ein Unfall gewesen. "Es war ein tragisches Unglück", sagte Valencias Bürgermeisterin Rita Barberá.
In Valencia, der mit 850.000 Einwohnern drittgrößten Stadt Spaniens, halten sich derzeit Tausende Pilger für das katholische Weltfamilientreffen auf. Am Wochenende wird Papst Benedikt XVI. zum Abschluss der Veranstaltung in der Stadt erwartet. Der Pontifex habe sich sofort über das "tragischen Unglück informiert" und mit Schmerzen und Mitgefühl die Ereeignisse mitverfolgt, sagte sein Sprecher Joaquin Navarro-Valls. Der Papst bete für die Opfer, ihre Angehörigen und alle Betroffenen.
Die Unglücks-U-Bahn der Linie 1 bestand aus vier Waggons. Zwei davon sprangen laut Feuerwehr zwischen den Stationen Jesús und Plaza de España aus den Gleisen.
Der erste Hilferuf war von einem Verletzten aus einem der Waggons gekommen. Er alarmierte per Handy die Polizei, bald darauf eilten Krankenwagen und Feuerwehr zum Unglücksort. Die Identifizierung der Toten werde schwierig, die Leichen seien verstümmelt
Zapatero erwägt Abbruch seiner Indienreise
Mehrere Verletzte befanden sich in Lebensgefahr, darunter eine schwangere Frau. Auch der Fahrer der U-Bahn befand sich unter den Verletzten. Die Kliniken der Stadt riefen die Bevölkerung zu Blutspenden auf, da die Reserven auszugehen drohten. Speziell ausgebildete Psychologen eilten an den Unglücksort, um Überlebende und ihre Familien zu betreuen.
Zahlreiche Rettungswagen und Polizeieinheiten waren im Einsatz. Die Helfer versuchten stundenlang, die in dem Wrack eingeschlossenen Opfer aus dem engen U-Bahn-Schacht zu befreien. Laut Feuerwehr wurden sämtliche überlebenden Insassen des U-Bahnzuges in Sicherheit gebracht. Der Unfall ist eines der schwersten U-Bahn-Unglücke, die sich bisher weltweit ereigneten.
Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sagte bei einem Besuch in Indien, die Regierung "teilt den Schmerz der Opfer und hofft, dass sie über ihre Trauer hinwegkommen". Er spreche den Opfern im Namen der Regierung und aller Spanier sein Beileid aus. Zapatero behielt sich vor, seine Indien-Reise abzubrechen.
Das katholische Kirchenoberhaupt wird zum Abschluss des Weltfamilientreffens am Wochenende in Valencia erwartet. Die spanische katholische Kirche rechnet mit mindestens 1,5 Millionen Gläubigen. Viele Pilger befinden sich schon in der Stadt. Die U-Bahn-Betriebe wollten aus Anlass des Großereignisses eine halbe Million Freifahrkarten an Pilger und Veranstalter ausgegeben.
dab/AFP
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