München - Die zuständige Regierung von Oberbayern hat heute einen Amtsleiter und einen verantwortlichen Lebenskontrolleur mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden. Gegen den Leiter des Staatlichen Veterinäramtes für München sowie den für Fleischhygiene-Kontrollen zuständigen Amtstierarzt seien disziplinarrechtliche Vorermittlungen eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung.
Im Münchener Vorort Johanneskirchen waren vor kurzem mehr als 40 Tonnen verdorbenes Fleisch gefunden worden. Die zuständige Behörde hatte im Februar dieses Jahres konkrete Hinweise der Stadt Mannheim darauf ignoriert, sie war lediglich im Dezember fehlenden Etikettauszeichnungen nachgegangen. Die Münchener Kontrolleure gaben sich damals mit einer Erklärung zufrieden, wonach die falsche Etikettierung von einem italienischen Zulieferer gestammt haben soll. Der Betrieb flog erst Ende August nach einem anonymen Hinweis an die Polizei auf.
Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) hatte heute in einer Sondersitzung des Agrarausschusses in Berlin die bayerischen Kontrolleure scharf kritisiert. Der bayerische Verbraucherminister Werner Schnappauf verteidigte seine Behörden. "Wir haben eine funktionierende Kontrolle in den Ländern, auch in Bayern", betonte der CSU-Politiker. Das Fehlverhalten eines Kontrolleurs müsse Konsequenzen haben, doch dürfe deshalb nicht das Kontrollsystem als ganzes in Frage gestellt werden.
Die Bezirksregierung wolle jetzt den Sachverhalt klären, so ein Sprecher. Der bisherige Leiter des Staatlichen Veterinäramtes sei nur übergangsweise von seinen Aufgaben entbunden worden. Der ebenfalls abgelöste Amtstierarzt werde mit anderen Aufgaben im Amt betraut.
Unterdessen fanden Ermittler nach einem anonymen Hinweis in einem Zerlege- und Verarbeitungsbetrieb im bayrischen Hof verdorbenes Fleisch, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bisher sei aber nicht bekannt, ob es auch in den Handel gelangt sei. Damit ist seit Ende August nach den Funden in Gröbenzell, München und Metten der vierte Gammelfleisch-Fall aufgedeckt worden.
sön/reuters/AP/dpa
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