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20.09.2006
 

Schönheitswahn

Der Star - eine einzige Problemzone

Von Brenda Strohmaier

Nicole Richie findet ihre Arme zu dünn, Madonna denkt an eine Verjüngungskur, und Cameron Diaz klagt über hässliche Zehen - irgendetwas haben selbst die Schönsten der Schönen an sich auszusetzen. Im Kampf ums gute Aussehen ist ihnen jedes Mittel Recht - OPs und Hungern inklusive.

Hamburg - Diese Probleme müsste man haben! Da motzt Julia Stegner, immerhin Supermodel, über ihren schiefen Mund. Und eine Frau wie Gwyneth Paltrow beschwert sich über ein paar Fetthubbel an den Oberschenkeln. In den Ohren gewöhnlicher Menschen kann das wie Hohn klingen, schließlich ist Paltrow nicht nur mit überdurchschnittlich gutem Aussehen, sondern darüber hinaus mit einer Hollywoodkarriere, einem Popstar-Ehemann und zwei Kindern gesegnet.

Vielleicht ist es ja so, dass sich jede unfassbar gut aussehende Promi-Frau extra mindestens einen abstrusen Komplex ausdenkt. Hauptsache, sie wirkt beim Interview nicht allzu perfekt oder gar arrogant. Oder glaubt jemand wirklich, dass Cameron Diaz ihre großen Zehen hässlich findet, wie sie gerne sagt? Besonders konstruiert klingt das, was Latino-Star Jennifer Lopez angibt, wenn sie nach einem Makel gefragt wird: "Wenn ich zunehme, ist mein Haar eine Katastrophe". Kaum ein Star traut sich zu sagen: "Ich finde mich genau so perfekt wie ihr mich." Mariah Carey, immerhin, erzählt bei jeder Gelegenheit, sie möge ihre Kurven. Andererseits betreibt sie für ihr gutes Aussehen so viel Aufwand, dass man dahinter fast echte Komplexe vermuten könnte. So quält sie sich schon mal mit einer Fish-only-Diät, lässt sich vor ihren Shows in Kleider einnähen und hatte bei der jüngsten Tour gar einen "Tanning Assistant" dabei - eine Expertin für die perfekte Hautfarbe. Diese besprühte die Sängerin vor den Konzerten mit einem Bräunungsspray. Der Clou: Es enthielt Staub aus 24-karätigem Gold.

Komplexe hin oder her - gutes Aussehen ist für die Stars so wichtig fürs Geschäft wie der Führerschein für den Taxifahrer. Tägliche Fitnessübungen oder ein Friseurbesuch sind da wohl das Mindeste der Pflichterfüllung. Der Besuch bei der Kosmetikerin ist schon teurer. Bis zu 20.000 Euro kostet etwa eine Behandlung bei der New Yorker Hautärztin Patricia Wexler, die das "People"-Magazin" als "Promi-Geheimwaffe" bezeichnet. Die Doktorin war eine der ersten, die die High Society mit Botox versorgte, jenem Nervengift, das Falten glättet. Promis wie Bette Middler und Donna Karen sollen zu ihren Kunden zählen. "Fast alle in Hollywood nutzen Botox, aber keiner gibt es zu", zitiert die "Vogue" die Wunderdoktorin.

Selbst Madonna denkt über eine OP nach

Viele der diensteifrigen Promis lassen es nicht mit ein paar Spritzen auf sich beruhen - und legen sich unters Messer. Als Pionierin gilt die Sängerin Cher, die sich angeblich zwei Rippen herausnehmen und ein Po-Implantat verpassen ließ, dies aber gerne dementiert. "Busen, Nase, Zähne. Das habe ich mir machen lassen. Alles andere ist erlogen", erklärte sie vor ein paar Jahren der "Welt am Sonntag". Wie verbreitet die Schönheits-OP inzwischen in Starkreisen ist, verriet jüngst Madonna, die Ikone für selbstbewusste Weiblichkeit. "Wie alle anderen denke ich darüber nach", erzählte sie der "TV Movie". Andere Frauen verdanken dem Schönheitschirurgen gar ihre Karriere. Oder kann man sich vorstellen, dass Pamela Anderson ohne Silikon so berühmt wäre?

Allerdings bereut so mancher den Gang zum Arzt, wie etwa die bald 70-jährige Jane Fonda, die ihre Brustimplantate als "Jugendsünde" bezeichnet und moniert, dass heutzutage in Hollywood "alle gleich aussehen". Die Sängerin Jessica Simpson wiederum ließ sich ihre Lippen mit einem Eiweißpräparat aufspritzen und freut sich nun, dass sie langsam wieder natürliche Formen annehmen. Warum sie sich überhaupt operieren ließ? Sie hat sich dem Branchendienst "Femalefirst" zufolge unter Druck gefühlt, ihr jugendliches Aussehen zu bewahren. Simpson ist 26.

Neid muss sein

Da kann man ganz ernsthaft Mitleid mit den Stars bekommen. Schließlich liefern die Paparazzi sogar vom Strand Material für die Klatschpresse, die dann ausführlich Weight-Watching betreibt. Da steht dann etwa in der "Bild" unter einem Bikini-Foto von Prinzessin Stéphanie von Monaco: "niedliche Pummel-Plauze". Bei Nicole Richie dagegen fragt sich das Blatt: "Magersüchtig?" Es ist wirklich nicht leicht, dem Schönheitsideal zu entsprechen.

Da hungern sich Stars wie Nicole Richie, Victoria Beckham oder Kate Bosworth in Kindergrößen - und werden dafür heftig kritisiert. Von der "Bunten" bis hin zum "Guardian" sind dieser Tage Berichte über den Promi-Trend zur Magersucht zu lesen. "Der skelettierte Körper ist an der amerikanischen Westküste und insbesondere in Hollywood das Accessoire der Saison", hieß es in der "Süddeutschen Zeitung" zum Thema. "Bitte übertreibt es nicht", rief die "Frau im Spiegel" den dürren Frauen zu. In Madrid hatte man jüngst gar etliche Models von dem Modeschauen ausgeschlossen, weil sie nicht genügend Gewicht auf die Waage brachten.

Sicher haben etliche Leserinnen sich über diese Nachricht gefreut. Ein bisschen paradox ist die Sache mit dem Starrummel allerdings schon: Erst treibt das Volk die Idole in den Schönheitswahn, und dann ruft es laut: "Halt!" Doch normale Stars sind eine Unmöglichkeit an sich, ein bisschen Neid muss schon sein. Insofern kann man sich kaum vorstellen, dass Normalgewicht einst zum Idealgewicht wird, schon gar nicht in Hollywood. Da hilft es auch nichts, wenn manche Promis versichern, sie hätten ganz normale Figurprobleme - und fänden es super. So behauptet Milla Jovovich zum Thema Oberschenkeldellen: "Klar, hab ich die auch. Aber Sie werden lachen, ein paar Cellulite finde ich sexy."

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