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06.10.2006
 

Anschläge im Irak

Terrorvideos bei YouTube

Videos von explodierenden Fahrzeugen und Attacken auf US-Soldaten werden schon lange auf islamistischen Websites veröffentlicht. Immer häufiger sind die Gewaltvideos auch bei YouTube und Google zu sehen. Die Zensur des amerikanischen Militärs ist machtlos gegen die Web-Community.

Berlin - Explodierende Bomben am Straßenrand, von Scharfschützen getötete US-Soldaten - die alltägliche Gewalt im Irak ist in den Wohnzimmern amerikanischer Internet-Nutzer angekommen. Die "New York Times" zeigt auf ihrer Webseite Filme von Anschlägen auf US-Soldaten, die frei verfügbar auf Video-Community-Seiten wie YouTube oder Google Video anzusehen sind..

In dem Video eines Users, der sich "69souljah" nennt, wird ein Soldat von einem Geschoss getroffen, fällt hin und sucht Deckung. Andere Beiträge zeigen blutende Soldaten, explodierende Fahrzeuge und Verwundete, die aus der Gefahrenzone evakuiert werden.

Während die Bush-Regierung Bilder heimkehrender Särge zu unterbinden versucht und Aufnahmen von Kampfhandlungen einer scharfen Zensur unterwirft, entzieht sich die weltweite Internet-Gemeinde fast jeglicher Kontrolle. Jeder Amerikaner hat die Möglichkeit, Gewalt und Sterben im Irak hautnah am heimischen Rechner mitzuverfolgen - und mit ihm die ganze Welt.

Dutzende Videos wurden entfernt - und tauchen wieder auf

Zwar haben YouTube und Google laut "New York Times" in den vergangenen Wochen Dutzende Videos von der Seite entfernt, weil Zuschauer sich empört hatten und die Gewaltdarstellungen den Richtlinien der Unternehmen widersprechen, allerdings taucht das Material häufig unter anderem Namen oder in einer anderen Sprache wenig später wieder auf.

Zwar gibt es laut der Zeitung etliche Propaganda-Videos unter den Veröffentlichungen, unterlegt mit martialischer Musik, allerdings werden die Gewaltvideos bei weitem nicht nur von Islamisten im Internet verbreitet. Viele Internetnutzer, die das Material zufällig irgendwo entdeckten, würden für eine schnelle Verbreitung sorgen.

Attacken aus dem Hinterhalt, explodierende Minen

"Es ist schlimm, dass man das nicht stoppen kann", sagte der Vietnam-Veteran Russel T. Kerry der "New York Times", "aber das ist es, wofür diese Jungs da drüben kämpfen: Meinungsfreiheit."

"facezofdeath", ein YouTube-User aus Großbritannien, sagte, er habe Aufnahmen eines Angriffs aus dem Hinterhalt gepostet, weil er das Gefühl hatte, dies seien Informationen, "die die britischen Medien uns vorenthalten wollten". Es habe ihn zwar "physisch krank gemacht", die brutalen Szenen zu sehen, aber er lehne jede Art von Zensur ab.

Im Web kursieren darüber hinaus immer mehr Videoclips, die von amerikanischen Soldaten erstellt wurden. Eine Aufnahme zeigt ein Militärfahrzeug, dass auf eine Mine fährt und von der Explosion auf die Seite geschleudert wird.

Schleichende Banalisierung der Gewalt

"Al-Qaida nutzt das Internet und andere Medien, um den Eindruck zu erwecken, sie seien schlagkräftiger als in Wirklichkeit", zitiert die "New York Times" einen amerikanischer Militärsprecher.

Amerikanische Truppen hätten schon immer Schnappschüsse von der Front mit nach Hause gebracht, sagte Geoffrey D.W. Wawro vom Center for Study of Miltary History, "und das jetzt ist die Art und Weise, wie die neue Generation das tut". Der ungehinderte Zugang zu realen Gewaltszenen fördere die Banalisierung der Kampfhandlungen und ihrer Folgen, so Wawro, "aber niemand fühlt sich richtig wohl dabei zu sagen: Ihr dürft das nicht".

jto

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