Jena - Über 1500 Komparsen aus 20 Ländern haben heute die Schlacht von Jena und Auerstedt nachgestellt. Am 14. Oktober 1806 hatte der französische Kaiser Napoleon die preußisch-sächsischen Truppen in der entscheidenden Doppelschlacht vernichtend geschlagen. Mindestens 15.000 Besucher verfolgten bei neblig-trübem Wetter die Darstellung der Gefechte auf dem historischen Schlachtfeld zwischen Cospeda, Lützeroda und Closewitz.
Das Spektakel organisierten militärgeschichtliche Vereine aus 17 Ländern. Das Spektakel solle den Besuchern eine authentische Begegnung mit der Geschichte ermöglichen, erläuterte die Leiterin des Jenaer Kulturbüros, Margret Franz. Es handele sich um eine Gedenkveranstaltung, es solle nicht der Krieg gefeiert werden. Bei den Kämpfen vor 200 Jahren wurden 35.000 Menschen getötet oder verwundet. Die evangelische Kirche erinnert mit einem "Totenläuten" an die Zehntausende, die ihr Leben verloren.
Die Schlacht gilt neben der "Dreikaiserschlacht" von Austerlitz im damaligen Österreich 1805 als der wichtigste militärische Erfolg des französischen Kaisers Napoleon. In Jena und Auerstedt standen sich insgesamt 240.000 Soldaten der verfeindeten Mächte Preußen und Frankreich gegenüber.
Franzosen taktisch überlegen
Die Schlacht markiert den Tiefpunkt der preußischen Macht in Europa und war gleichzeitig einer der größten Triumphe für Napoleon. Dieser währte jedoch nicht lange: Nur sieben Jahre später unterlag Napoleon auf seinem Rückzug aus Russland 1813 in der Völkerschlacht von Leipzig den verbündeten europäischen Mächten.
Entscheidend in der Doppelschlacht war die überlegene Taktik der Franzosen. "Der wesentliche Unterschied lag in der Führung", erklärt der Jenaer Neuzeithistoriker Werner Greiling. Während die meisten preußischen Generäle die 60 überschritten hatten, waren Napoleon und die meisten seiner Marschälle erst Mitte 30. Sie seien oft entschlossener gewesen als ihre Gegner. "Außerdem waren Napoleons Soldaten von den Führungsqualitäten ihrer Befehlshaber überzeugt", so Greiling.
Vor 200 Jahren seien im Kampf auch zwei Gesellschaftsmodelle aufeinander getroffen, erklärt der Historiker: Das absolutistische Preußen kämpfte gegen das bürgerliche Frankreich. "Der glänzende strategische Sieg der Franzosen war zugleich eine Bankrotterklärung des preußischen Staates", sagt Greiling.
In Preußen wurden durch die Niederlage tiefgreifende Veränderungen in Gang gesetzt: Da Napoleon die alte Garde hinweggefegt hatte, war Platz für Reformen. Heinrich Freiherr vom Stein ordnete den Staat neu, Gerhard von Scharnhorst und Neidhardt von Gneisenau reformierten das Heer. Der spätere Aufstieg Preußens war ohne die prägende Niederlage kaum denkbar.
jaf/ddp/dpa
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