Mainz - Reporter des ZDF-Magazins "Frontal 21" hätten mit chemischen Trockensubstanzen ungehindert die Kontrollen am Frankfurter Flughafen passiert, berichtete der Sender heute. Im Duty-Free-Bereich hätten sie weitere Substanzen besorgt und damit einen funktionsfähigen Sprengsatz hergestellt. Die Bombe sei auf einem Sprengplatz unter fachmännischer Aufsicht zur Explosion gebracht worden. Die Wucht der Explosion habe ausgereicht, um einen Mittelklassewagen schwer zu beschädigen.
"Mit den Dingen, die man durch die Sicherheitskontrollen gebracht hat, und mit den Dingen, die ich noch zusätzlich im Duty-Free-Shop erwerben kann, kann ich Sprengvorrichtungen bauen, mit denen ich ein Flugzeug aus der Luft holen kann", zitierte das Magazin den Kampfstoffexperten der Technischen Universität Cottbus, Wolfgang Spyra.
Spyra kritisierte die bisherige Praxis, nach der Passagiere auch feuergefährliche Substanzen wie hochprozentige Alkoholika oder Parfum einkaufen und mit an Bord nehmen könnten. "Nach der Sicherheitskontrolle bin ich in der Lage, mich noch gut auszustatten, um Unheil im Passagierraum anrichten zu können", sagte er. Er empfehle daher, Duty-Free-Einkäufe nach dem Flug erledigen zu lassen.
Bereits in der vergangen Woche hatte der SPIEGEL über Lücken bei den Sicherheitskontrollen an Flughäfen berichtet. Demnach waren Testschmuggler der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen in einem Quartal in der ersten Hälfte dieses Jahres in 45 von 123 Schmuggelversuchen erfolgreich - Messer und Pistolen gelangten so unbemerkt in Flugzeuge.
Seit einer Woche gelten neue Sicherheitsvorschriften für Handgepäck. In allen 25 Staaten der EU sowie der Schweiz, Norwegen und Island dürfen seither nur noch Flüssigkeiten mit einer maximalen Packungsgröße von jeweils 100 Millilitern mit in die Kabine genommen werden. Kleine Tuben müssen in eine durchsichtige, wiederverschließbare Plastiktüte verpackt und an den Kontrollbändern separat vorgelegt werden. Die Regeln sind eine Konsequenz der in London aufgedeckten Anschlagspläne auf Flugzeuge, bei denen flüssiger Sprengstoff eingesetzt werden sollte.
hen/dpa/Reuters
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