Berlin - Der Orkan riss den Stahlträger an der Außenseite des Hauptbahnhofs ab. Nach Angaben der Deutschen Bahn droht auch ein zweiter Träger herabzustürzen - verkeilte sich aber in der gläsernen Dachkonstruktion. Als Sicherheitsmaßnahme hat die Bundespolizei den erst Ende Mai eröffneten Hauptbahnhof kurz vor Mitternacht abgesperrt und geräumt.
Auf der zerstörten Treppe im Eingangsbereich des Bahnhofs befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks keine Menschen. Einige Fahrräder, die auf dem Platz abgestellt waren, wurden beschädigt. Etwa 200 Bahnreisende, die wegen des eingestellten Bahnverkehrs auf dem Washington-Platz warteten, wurden Zeugen des Unfalls.
Entsetzen löste der Absturz des Eisenstücks auch bei den Einsatzkräften aus: "Es ist mir völlig unklar, wie sich wenige Monate nach der Eröffnung des Bahnhofs bereits ein solches Bauteil aus der Fassade lösen kann", sagte Jens-Peter Wilke von der Berliner Feuerwehr.
Da die Situation von Sicherheitsexperten als äußerst gefährlich eingeschätzt wurde, konnten weder die Feuerwehr noch die Bahn voraussagen, wann wieder mit regionalem und Fernverkehr über den Hauptbahnhof zu rechnen ist.
Zunächst können Fern-, Regional- und S-Bahnzüge den Hauptbahnhof nicht auf den oberen Gleisen durchfahren, nur im Nord-Süd-Tunnel ist die Durchfahrt für Fernzüge möglich. Die Züge werden umgeleitet, der S-Bahn-Verkehr ist auf Busse verlagert. Wann der Bahnhof wieder geöffnet wird, ist noch unklar.
Wegen der auf Anordnung von Bahnchef Hartmut Mehdorn verkürzten Form des Glasdachs war es zwischen der Bahn und Architekt Meinhard von Gerkan zu einem offenen Konflikt gekommen. Im Streit um die Form eines Zwischendachs im Untergeschoss des Hauptbahnhofs hatte der Architekt gerichtlich Nachbesserungen durchgesetzt.
jul/dpa/ddp
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