Montevideo - Die Großmutter fand Eliana Ramos tot in ihrem Schlafzimmer. Die Eltern der 18-Jährigen waren im Urlaub, als das Mädchen starb. Für sie muss die Todesnachricht unerträglich sein: Vor wenigen Monaten war ihre Tochter Luisel gestorben - am 2. August brach die 22-Jährige wenige Minuten nach einer Modenschau in Montevideo tot zusammen.
Eliana habe die Schwester kurz davor noch umarmt, es war die erste Schau, bei der die Ramos-Mädchen zusammen liefen, berichtet "Times Online".
Luisel starb laut Autopsie an einem Herzinfarkt - infolge von Mangelernährung. Sie soll tagelang nichts gegessen haben. Ihr Vater sagte später laut "Times Online", sie habe sich - wenn überhaupt - nur noch von Salat und Cola Light ernährt.
Das Schicksal ihrer Schwester hielt Eliana, die von ihrer Familie und Freunden nur Elle genannt wurde, nicht davon ab, ihr nachzueifern. Sie wurde bei einer der Top-Agenturen Argentiniens unter Vertrag genommen. Branchenkenner prophezeiten der 18-Jährigen eine Modelkarriere in Europa und Amerika.
Ein Richter sagte dem Online-Nachrichtendienst "Observa", Eliana sei ebenfalls an einem Herzinfarkt gestorben. Auch ihre Kolleginnen weisen Spekulationen um einen Magersuchts-Tod zurück. Modelkollegin Erika Falken sagte, Eliana sei sogar zeitweise leicht übergewichtig gewesen.
Pancho Dotto, Elianas Manager und Chef der Modelagentur sagte: "Sie war sehr gesund, aß gut und trieb Sport. Sie war nie extrem dünn", zitiert ihn "Times Online". Es sei absurd, in ihrem Fall von einem Magersucht-Tod zu reden. Für ihn sei völlig klar, dass der Tod der Ramos-Schwestern eher mit einem Erbleiden innerhalb der Familie zu tun habe als mit irgendwelchen Essstörungen.
Gisèle Bündchen gibt Eltern die Schuld
Die Debatte um "Hunger-Models" erreichte ihren Höhepunkt mit dem Tod des brasilianischen Topmodels Ana Carolina Reston im November 2006. Sie starb im Alter von 21 Jahren an den Folgen von Magersucht. Ana Carolina wog bei einer Körpergröße von 1,74 Metern zuletzt nur noch 40 Kilogramm.
Star-Model Gisèle Bündchen gibt Eltern die Schuld, nicht der Modeindustrie. Sie habe nie ein Problem mit Magersucht gehabt, weil ihre Familie eine starke Basis sei, sagte sie kürzlich der Zeitung "O Globo". "Jeder weiß, dass es in der Mode normal ist, dünn zu sein. Und es gibt nun mal Menschen, die für diesen Beruf die richtigen Gene mit sich bringen", wurde Bündchen auf CNN zitiert. Sie selbst soll bei einer Körpergröße von 1,80 Meter 57 Kilogramm wiegen.
Erste Konsequenzen: Laufsteg-Verbot für Mager-Models
Modenschauen in Spanien und Italien haben inzwischen ultradünnen Frauen den Laufsteg verboten. In Madrid wurden bei der bedeutendsten jährlichen Modenschau am Sonntag fünf von 69 Models wegen Untergewichts abgewiesen.Die Organisatoren der Fashion Week in Großbritannien lehnten es am Montag ab, Verbote auszusprechen, erklärten aber, es würden keine Frauen der Size Zero eingesetzt. Diese Konfektionsgröße entspricht einer in Deutschland nur selten vorhandenen 32 - offiziell den Maßen einer Zwölfjährigen.
jjc
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