Berlin - Schneefall und Straßenglätte haben seit gestern Abend den Straßenverkehr in mehreren Bundesländern behindert. In Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Brandenburg, dem Saarland, Hessen und Baden-Württemberg schneite es vor allem in den höheren Lagen. Besonders betroffen war Thüringen. Zu größeren Unfällen mit Personenschaden kam es jedoch nicht.
Im Bereich der Autobahn 4 zwischen den Anschlussstellen Waltershausen und Wutha-Farnroda standen die Fahrzeuge über mehrere Stunden im Stau, wie das Lagezentrum im Innenministerium mitteilte. Das Technische Hilfswerk verteilte heißen Tee. In der Gegenrichtung entstand beim Kirchheimer Dreieck in Hessen ebenfalls auf Grund von Unfällen ein bis zu 20 Kilometer langer Stau.
Wegen liegen gebliebener Lkw kam der Winterdienst nur langsam voran. Auch einige Bundes- und Landstraßen waren zeitweise voll gesperrt, auch hier waren liegen gebliebene Lkw oder umgestürzte Bäume die Ursache. In manchen Orten fiel zudem der Strom aus, umgestürzte Bäume rissen die Stromleitung herunter. Polizei, Hilfs- und Winterdienst waren pausenlos im Einsatz.
"Die Bäume fallen immer wieder um, die Feuerwehr kommt kaum hinterher", sagte ein Polizeisprecher in Suhl. In Leipzig registrierte die Polizei gestern insgesamt 104 Verkehrsunfälle auf Grund des Schnees. Dabei wurden acht Menschen verletzt. Umgestürzte Bäume und viel Neuschnee brachten den Bahnverkehr auf zahlreichen Strecken in Thüringen zum Erliegen. In den frühen Morgenstunden kam es nach Angaben der Bahn zu erheblichen Störungen im Berufsverkehr. Reisende müssten mit erheblichen Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Auf mehreren Strecken wurde der Zugverkehr eingestellt. Erst am Mittag sei mit dem Ende der Aufräumarbeiten zu rechnen.
Autos bleiben an Steigungen liegen
Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits seit den Abendstunden vor starkem Schneefall in Thüringen, vor allem im Bergland oberhalb von 600 Metern, gewarnt. Erwartet wurden in einigen Landkreisen mehr als zehn Zentimeter Neuschnee. Am Morgen wurde die Warnung wieder aufgehoben. In Sachsen haben starke Schneefälle in der Nacht Hunderte Unfälle verursacht. Allein rund um Leipzig zählte die Polizei mehr als 100 Verkehrsunfälle bis zum Morgen. Auch im Chemnitzer Land kam es auf schneeglatten Straßen zu Behinderungen, weil immer wieder Autos und Lastwagen an Steigungen liegen blieben.
Bei winterlichen Straßenverhältnissen kam es am gestern Abend in Bayern auf der Autobahn 7 in Fahrtrichtung Würzburg zu einem Lkw-Unfall. Ein Kastenwagenfahrer geriet beim Überholvorgang ins Schleudern und touchierte den rechts neben ihm fahrenden Lkw mit Anhänger, wie die Polizei Mittelfranken mitteilte. Beide Fahrzeuge kamen von der Autobahn ab, durchbrachen die Leitplanken und landeten im Graben. Der Lkw hatte einen weiteren Lkw mit Anhänger geladen.
Die beiden Fahrer blieben unverletzt. Der Sachschaden ist noch nicht abschätzbar. Eine Bergung der Fahrzeuge war aufgrund der Witterungsverhältnisse und Dunkelheit bislang nicht möglich. Eine Spezialfirma sollte mit den Bergungsarbeiten am Freitagmorgen beginnen.
Der Norden bleibt vom Schneechaos verschont
In Baden-Württemberg führte der starke Schneefall hauptsächlich zu Unfällen mit Blechschäden. Die Polizei in Karlsruhe forderte Gefahrguttransporter auf, Parkplätze anzufahren und auf bessere Straßenverhältnisse zu warten. Bei Tuttlingen blieben mehrere Lastwagen liegen, auch im Hochsauerland und im Süden Bayerns hatten die Lkws mit dem Schnee zu kämpfen.
Der Norden blieb weitestgehend vom Schneechaos verschont . In Lübeck gab es allerdings durch den anhaltenden Ostwind Hochwasser. Nach einer Vorwarnung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrografie war in Lübeck mit Hochwasser von 75 Zentimeter über Normal zu rechnen. Ab 18 Uhr stieg das Wasser aber schnell auf eine Höhe von 125 Zentimeter über Normal an, wie die Feuerwehr der Hansestadt mitteilte.
Sie verstärkte vorsorglich die Einsatzkräfte in der Leitstelle und schickte ein Einsatzleitfahrzeug, einen Rettungswagen und eine Feuerwehr-Drehleiter auf die bei Hochwasser nicht mehr erreichbare Halbinsel Priwall. Zusätzlich wurden in der Altstadt gefährdete Straßenzüge gesperrt. Durch den Sturm wurden im Stadtgebiet außerdem mehrere Bäume umgeweht und Dachpfannen gelockert. Am späten Abend begann das Wasser wieder zu sinken.
jto/ddp/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH