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16.04.2007
 

"Uups! - et orbi"

Die Ware Papst

Von Alexander Smoltczyk, Rom

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, aber wieso macht er auf Seite 368 oben einen Druckfehler? Zum 80. Geburtstag beschert SPIEGEL ONLINE Papst und Lesern eine regelmäßige Vatikankolumne. In der ersten Folge geht es ausgerechnet um den Teufel. Den Fehlerteufel.

Rom - Wie nur kam es zu dem Druckfehler? Und wieso steht im achten Kapitel auf Seite 316 auch noch "Kronz" statt "Kranz"? Fragen, auf die auch Benedikt XVI. keine Antwort hatte, als er sein eigenes Buch zum ersten Mal in die Hände bekam: "Jesus von Nazareth". 448 extra für ihn in weißes Leder gebundene Seiten. Und als Extra noch eine Faksimile-Seite des Manuskripts.

Werbeplakat für Papst-Buch: Ein Foto des Autors, davor Exemplare seines Jesus-Bestsellers
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DPA

Werbeplakat für Papst-Buch: Ein Foto des Autors, davor Exemplare seines Jesus-Bestsellers

"Oh, das ist ja mein Gekrickele..." Das war die Reaktion angesichts der unschönen, mit Steno- und sonstigen Kürzeln gespickten Fieberkurven, geduckt und winzig. Dennoch war der Papst zufrieden: "Das werde ich heute Nacht noch lesen", hatte er gesagt, und so saßen seine Lektoren und der Verleger Manuel Herder vergangenen Mittwoch nachts auf der Terrasse der "Residenza Paolo VI." und starrten auf zwei hell erleuchtete Fenster gegenüber, jenseits des Petersplatzes. Das Licht wollte nicht ausgehen.

Normalerweise geht der Papst spätestens um 23 Uhr schlafen. Aber jetzt war es schon nach Mitternacht: "Der liest das wirklich", sagte einer der Lektoren, und alle fürchteten sich vor dem Moment, an dem der Papst die vermaledeite Seite 368 aufschlagen würde, wo das Initial zu dicht am nächsten Buchstaben geklebt und irgendein Satanas der Software den Trennstrich in "ge heimnisvolle Figur" weggehext hatte. "Vielleicht sieht er's ja nicht." - "Vielleicht geht er doch vorher schlafen." Aber das Licht im Arbeitszimmer blieb an, noch bis um halb zwei.

Am nächsten Morgen kam vom Privatsekretär Georg "Don Giorgio" Gänswein die Nachricht, der Heilige Vater sei hochzufrieden mit seinem "Jesus", habe Register, Anhang, Typographie und Seitenband durchaus gelobt, wobei er nicht verschweigen wolle, dass dem Pontifex an zwei Stellen im hinteren Teil Druckfehler aufgefallen seien...

In der teutonischen Enklave im Kirchenstaat, dem "Campo Santo" standen dann am Freitagabend alle zusammen, bei Wein und Fingerfood, die Ratzingers "Jesus"-Buch geschaffen hatten. Es fehlte nur der Autor. Der saß gerade mit seinem älteren Bruder zusammen und schaute womöglich lieber fern - jedenfalls würde Georg Ratzinger wenig später von den traditionellen "Kommissar Rex"-Fernsehabenden in den päpstlichen Gemächern berichten.

Im Campo Santo also stand der Wiener Kardinal Schönborn, trank Wasser und predigte sanft gegen den Fundamentalismus seiner atheistischen Gegner, der Götzendiener Darwins. Ein höherer Funktionär des Kapuzinerordens machte den party-pooper und forderte auch für Befreiungstheologen jene Gedankenfreiheit, die "Joseph Ratzinger - Benedikt XVI." auf Seite 22 seines Buches anbot ("Es steht daher jedermann frei, mir zu widersprechen").

Neben ihm, im feinplissierten braunen Rock, wehrte die Ex-Stargambistin und Jetzt-Haushälterin Prof. Ingrid Stampa, von manchem ihrer Nähe zu Ratzinger wegen auch "Die Päpstin" genannt, die üblichen Fragen ab, kokett und in spitzen Fingern ein Espressotässchen balancierend.

Zu diesem Zeitpunkt war Benedikts Buch zwar noch nicht in den Läden, aber angesichts der Vorbestellungen schon auf dem Weg an den Platz 1 der Bestsellerlisten. "Noch nie in der Kirchengeschichte hat ein Papst ein Jesus-Buch geschrieben", erklärte Manuel Herder, der Verleger, während sein Programmleiter Burkhard Menke, der Ratzinger seit Jahren lektoriert, sich mit Prosecco über die Seite 368 oben hinwegzutrösten versuchte: "In der zweiten Auflage wird das behoben."

Am Eingang hatten einige dunkle Herren gestanden, sehr im Abseits, und waren nach dem ersten Toast wieder verschwunden. Das war die "Libreria Editrice Vaticana". Es herrscht nämlich ein heftiger Disput. Es stehen Ratzinger-Verleger gegen Papst-Editoren. Von "Erpressung" ist die Rede, von frommer Gier nach Geld und Macht. Per Dekret hatte die Kurie sich die Urheberrechte an allen Ratzinger-Werken zugesprochen. Das hatte sie bei Karol Wojtyla zwar auch schon so gemacht, aber dessen vorpäpstliche Schriften waren auch nur von irgendwelchen polnischen Untergrundverlagen verbreitert worden. Der Vielschreiber J.R. dagegen ist vermutlich der meistgedruckte Kardinal der Kirchengeschichte.

Kein Wunder, dass sich seine bisherigen Verleger gegen die Expropriation wehren. Sie müssen jetzt um die Lizenzrechte bitten, und wer die alten Rechte nicht freiwillig rausrückt, der bekommt auch keine neuen. Zumal im heute erscheinenden "Jesus von Nazareth" auf Seite 129 wieder eindringlich vor der "Gottheit Mammon" gewarnt wird: Sind uns doch die Gefährdungen des Reichtums aufgegangen, "angesichts des Missbrauchs ökonomischer Macht, angesichts der Grausamkeiten eines Kapitalismus, der den Menschen zur Ware degradiert" - den Menschen, und manchmal auch den Papst.

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16.04.2007 von DJ Doena: Papst im All.

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16.04.2007 von Hartmut Dresia: Dank und Anerkennung

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