Von Alexander Smoltczyk, Rom
Auf experimentellem Weg kommt man nicht weit. Also wurden die Schriften der Kirchenväter studiert. Es wurde bei Hilarius von Poitiers nachgeschlagen (315 bis 367 nach Christus), im "De infantibus praemature abreptis libellum" des Gregor von Nyssa, und natürlich in den Tagungsprotokollen des Trienter Konzils, insbesondere denen der sechsten Sitzung vom 13. Januar 1547: "Lehrentscheidung über die Rechtfertigung".
In "La Civiltà Cattolica", dem "Kursbuch" der Jesuiten, wird diese Woche das 41-seitige Ergebnis des höllischen Nachdenkens veröffentlicht werden (eine englische Version ist bereits im Online-Quellendienst "origins" erschienen): "Das Prinzip, wonach Gott die Rettung aller Menschen wünscht, gibt Grund zur Hoffnung, dass es einen Pfad der Erlösung für Neugeborene gibt, die ohne Taufe sterben." Gnade schlägt Dogma.
"Dringend" hätte der Eiertanz ums Limbo beendet werden müssen, denn "im gegenwärtigen Umfeld von Kulturrelativismus und religiösem Pluralismus" gebe es immer mehr ungetauft verstorbene Kinder: "Eltern erfahren großen Kummer und Schuldgefühle, wenn sie nicht die moralische Gewissheit haben, dass ihre Kinder gerettet sind."
Alsdann werden in bester scholastischer Tradition die Glaubenssätze gegeneinander abgewogen. Der Erlösungswillen Gottes mit der Ausschließlichkeit der Erlösung durch Christus und das Sakrament der Taufe. Die Gnade mit der Erbsünde. Leider, so heißt es, "sagt das Wort Gottes wenig oder nichts" zum Thema. Nur dass die Kindlein zu ihm kommen sollten (Mk 10:14). Auch die Schriften der Väter hätten "möglicherweise" das Problem "nicht voll verstanden".
Nach 103 Paragrafen und 135 Fußnoten (zum Beispiel Nummer 93: "Trienter Konzil, Fünfte Sitzung, Dekret über die Erbsünde, DS 1514; ND 511. Im Kanon hallt wieder den zweiten Kanon des Konzils von Karthago") kommt man zum Ergebnis: "Gnade ist völlig umsonst, weil sie immer ein reines Geschenk Gottes ist. Verdammnis dagegen ist verdient, weil allein die Folge menschlicher Wahl. Das Kind, welches ungetauft stirbt, ist gerettet durch die Gnade Christi und durch die Vermittlung der Kirche, auch ohne seine oder ihre Mitwirkung."
Irgendwie hätte man sich das auch ohne Theologenkommission so gedacht. Aber es ist immer gut, noch mal nachgelesen zu haben.
No limbo, no cry. Würden die "Limbo Fantasy Girls" gesagt haben.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Uups! - et orbi | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH