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Uups! - et orbi Wie die Vorhölle abgeschafft wurde

2. Teil: Gnade schlägt Dogma

Auf experimentellem Weg kommt man nicht weit. Also wurden die Schriften der Kirchenväter studiert. Es wurde bei Hilarius von Poitiers nachgeschlagen (315 bis 367 nach Christus), im "De infantibus praemature abreptis libellum" des Gregor von Nyssa, und natürlich in den Tagungsprotokollen des Trienter Konzils, insbesondere denen der sechsten Sitzung vom 13. Januar 1547: "Lehrentscheidung über die Rechtfertigung".

In "La Civiltà Cattolica", dem "Kursbuch" der Jesuiten, wird diese Woche das 41-seitige Ergebnis des höllischen Nachdenkens veröffentlicht werden (eine englische Version ist bereits im Online-Quellendienst "origins" erschienen): "Das Prinzip, wonach Gott die Rettung aller Menschen wünscht, gibt Grund zur Hoffnung, dass es einen Pfad der Erlösung für Neugeborene gibt, die ohne Taufe sterben." Gnade schlägt Dogma.

"Dringend" hätte der Eiertanz ums Limbo beendet werden müssen, denn "im gegenwärtigen Umfeld von Kulturrelativismus und religiösem Pluralismus" gebe es immer mehr ungetauft verstorbene Kinder: "Eltern erfahren großen Kummer und Schuldgefühle, wenn sie nicht die moralische Gewissheit haben, dass ihre Kinder gerettet sind."

Alsdann werden in bester scholastischer Tradition die Glaubenssätze gegeneinander abgewogen. Der Erlösungswillen Gottes mit der Ausschließlichkeit der Erlösung durch Christus und das Sakrament der Taufe. Die Gnade mit der Erbsünde. Leider, so heißt es, "sagt das Wort Gottes wenig oder nichts" zum Thema. Nur dass die Kindlein zu ihm kommen sollten (Mk 10:14). Auch die Schriften der Väter hätten "möglicherweise" das Problem "nicht voll verstanden".

Nach 103 Paragrafen und 135 Fußnoten (zum Beispiel Nummer 93: "Trienter Konzil, Fünfte Sitzung, Dekret über die Erbsünde, DS 1514; ND 511. Im Kanon hallt wieder den zweiten Kanon des Konzils von Karthago") kommt man zum Ergebnis: "Gnade ist völlig umsonst, weil sie immer ein reines Geschenk Gottes ist. Verdammnis dagegen ist verdient, weil allein die Folge menschlicher Wahl. Das Kind, welches ungetauft stirbt, ist gerettet durch die Gnade Christi und durch die Vermittlung der Kirche, auch ohne seine oder ihre Mitwirkung."

Irgendwie hätte man sich das auch ohne Theologenkommission so gedacht. Aber es ist immer gut, noch mal nachgelesen zu haben.

No limbo, no cry. Würden die "Limbo Fantasy Girls" gesagt haben.

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insgesamt 17 Beiträge
nowayjose 30.04.2007
Es ist doch klar, dass der katholische Klerus die Kinder lieber im Paradies weiss. Zumindest bis zu einem gewissen Alter. Stimmbruch, oder so.
Es ist doch klar, dass der katholische Klerus die Kinder lieber im Paradies weiss. Zumindest bis zu einem gewissen Alter. Stimmbruch, oder so.
Selvan 30.04.2007
Hoffentlich hat der Teufel Internet und bekommt diesen Beschluss auch mit. Nicht dass da noch Missverständnisse auftreten. Zur Sicherheit sollte Ratzi ihm aber auch noch ne SMS schicken oder so. Man kann ja nie wissen. Das [...]
Hoffentlich hat der Teufel Internet und bekommt diesen Beschluss auch mit. Nicht dass da noch Missverständnisse auftreten. Zur Sicherheit sollte Ratzi ihm aber auch noch ne SMS schicken oder so. Man kann ja nie wissen. Das könnte etliche Klagen und Prozesskosten verhindern helfen.
albertussecundus 30.04.2007
Scaut mal was ich auf dem Web gefunden habe: Karma und Reinkarnation wurden aus politischen Gründen, um dem römischen Kaiser zu gefallen und um das Christentum zur etablierten Staatsreligion zu erheben, von der katholischen [...]
Scaut mal was ich auf dem Web gefunden habe: Karma und Reinkarnation wurden aus politischen Gründen, um dem römischen Kaiser zu gefallen und um das Christentum zur etablierten Staatsreligion zu erheben, von der katholischen Kirche bei der Synode zu Konstantinopel 543 n. Chr. und beim Konzil von Konstantinopel 553 n. Chr. gestrichen und bald darauf mit dem machtpolitischen Dogma der ewigen Hölle ersetzt, welches dann zu einem Propagandawerkzeug dieser intellektuell korrupten "christlichen" Institution wurde. Im 11. Canon des Konzils findet sich der folgende Bannfluch: "Wer nicht verflucht... Origenes samt seinen gottlosen Schriften und alle anderen Häretiker, welche verflucht sind von der heiligen katholischen und apostolischen Kirche..., der sei verflucht." Diese Konzilsakte unterzeichnet der damalige Papst Vigilius noch im selben Jahr. In seiner Schrift "De principiis" vertritt der Priester Origenes von Alexandria 185-254 n. Chr., einer der grössten Gelehrten und Bibelkenner des Frühchristentum, ganz direkt die Prinzipien vom Karma und Reinkarnation. Nach Origenes Lehren besteht letztlich der Sinn und Zweck allen Lebens innerhalb der materiellen Welt darin, dass sich die Seelen durch viele Inkarnationen läutern und veredeln, bis alle durch Befolgen der Gebote Jesu und durch ihre Liebe und Hingabe zu Gott, schliesslich wieder in die ewige Gemeinschaft Gottes gelangen." Reinkarnation, Ronald Zürrer Eine scheinbar kleine Tat mit epochalen Folgen: Wie anders wohl wäre weltweit die Geschichte der letzten 1500 Jahre verlaufen, wenn dieses Verbrechen an der einstigen Säule des christlichen Glaubens und diese intellektuelle Korruption an der Ethik der Menschheit nicht begangen worden wäre? Dieses machtpolitische Dogma der ewigen Hölle ist eigentlich nichts anderes als ein Propagandawerkzeug einer wissenschaftlich korrupten "christlichen" Institution: "Wenn die Münze im Kasten kling - Die Seele aus dem Fegefeuer springt". Entweder du zahlst deinen Mitgliederbeitrag oder du kommst in die ewige Hölle. Zitat von ethikpartei.de
Keram 30.04.2007
Joseph Ratzinger hatte sich 1984 in einem Interview ketzerisch über die katholische Limbo-Lehre geäußert: "Limbo ist nie eine definierte Glaubenswahrheit gewesen. Ich würde es abschaffen, weil es nur eine theologische Annahme [...]
Joseph Ratzinger hatte sich 1984 in einem Interview ketzerisch über die katholische Limbo-Lehre geäußert: "Limbo ist nie eine definierte Glaubenswahrheit gewesen. Ich würde es abschaffen, weil es nur eine theologische Annahme gewesen ist." Der ganze Glauben ist eine theologische Annahme. :-)
Linus Haagedam 30.04.2007
...und zwar erstens an den Autor Alexander Smoltczyk für diesen ganz wunderbar geschriebenen Artikel. Und zweitens an Kommission für dieses schöne Ergebnis. Das zeigt, dass die katholische Kirche in der Lage ist, im Rahmen ihrer [...]
...und zwar erstens an den Autor Alexander Smoltczyk für diesen ganz wunderbar geschriebenen Artikel. Und zweitens an Kommission für dieses schöne Ergebnis. Das zeigt, dass die katholische Kirche in der Lage ist, im Rahmen ihrer vorhandenen Organisation Glaubensgrundsätze so auszulegen, dass sie menschlich und verständlich werden und mit einem Glauben übereinstimmen, der keine Verbiegungen braucht. Da kann man nur sagen: Weiter so. Dazu braucht die Kirche auch nicht dem Zeitgeist hinterher zu rennen, aber sie kann den ganzen alten Kram mal vom jahrtausende alten Dogmen-Dachboden runter holen und ihn vorbehaltlos einem kritischen Blick unterziehen. Mal sehen, was dann noch so alles auf den Sperrmüll kommt..
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