Der heilige Colum Cille, lateinisch Columban, war eine ziemliche rührige Type mit einer ausgeprägten Vorliebe für rauhe Gegenden: In seiner Heimat Nordirland zog es ihn vorzugsweise an Unorte wie Glencolumbcille, wo bis heute vor allem der Wind pfeift, es schön einsam ist und nass. Später, als er der Legende nach im Alleingang die wilden Schotten bekehrte, hielt er es nicht anders. Der Toughie des Glaubens rang gar mit Ungeheuern, um die ungläubigen Pikten und Scoten auf den rechten Weg zu bringen, einmal sogar im Flusse Ness stehend: Das garstig Vieh verzog sich daraufhin hinab in den See - und Nessie war geboren.
Zumindest behaupten Nessie-Fans, dass diese unheimliche Begnung rund ums Jahr 565 die erste verbriefte Sichtung des Ungeheuer von Loch Ness gewesen sei, divergierenden Theorien zufolge mal eine Art Seeschlange, mal ein Plesiosaurus, mal ein monströs großer Fisch, mal ein veritables Hirngespinst.
Seit dem 19. Jahrhundert mehren sich die Sichtungen und - in direkter, vielleicht kausaler Folge - die Zahl der Besucher des Loch Ness, Schottlands zweitgrößtem See. Dort beginnt gerade die standesgemäß regnerische Sommersaison - und pünktlich kam es auch zu einer ersten Nessie-Sichtung.
Die wird schon jetzt wohl aufgrund der relativ hohen Videoqualität als eine der besten und beweiskräftigsten aller Zeiten gefeiert, obwohl man wie üblich so gut wie nichts sieht. BBC Schottland war der sofort wieder aufbrechenden Diskussion natürlich ein augenzwinkernder Bericht wert (siehe Video).
Zeuge und Hobbyfilmer Gordon Holmes jedenfalls beschwört die Echtheit seiner Aufnahmen. Er habe seinen Augen nicht getraut, als er das etwa 15 Meter lange Wesen im Wasser gesehen habe, behauptet er. Das Tier habe sich in dem schottischen See mit einer Geschwindigkeit von etwa zehn Kilometern pro Stunde vorwärts bewegt. "Zuerst dachte ich, es könnte ein sehr großer Aal sein", sagte Holmes, ein 55 Jahre alter Labortechniker.
Der Meeresbiologe Adrian Shine hofft, das Video in den kommenden Monaten vollständig zu analysieren. "Ohne Zweifel gehört das zu den besten Aufnahmen, die ich gesehen habe", sagte Shine. Die Bilder seien deswegen besonders brauchbar, weil Holmes das Ufer im Hintergrund mitaufgenommen hat.
Damit gilt eine Fälschung als ziemlich unwahrscheinlich, außerdem kann anhand der geographischen Informationen auf die Größe von "Nessie" und auf ihre Geschwindigkeit geschlossen werden. Seit dem ersten angeblichen Foto 1930 wollen Beobachter das Seeungeheuer bereits mehr als 4000 Mal gesichtet haben.
pat/AP
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