Von Werner Theurich
Es musste immer Italien sein! Lange Zeit war es ein schier aussichtsloses Unterfangen, großstädtischen Freunden oder ausländischen Gästen zu deutschen Weinen zu überreden. Ob trockene Mosel-Rieslinge im Angebot waren oder süffige Pfälzer Weißburgunder: "Vielleicht doch lieber Pinot Grigio", verlangte die Runde der Zweifler. Prost und Wohlsein, denn die oft dürftige Plörre aus dem Veneto oder Friaul war zwar dauerhaft "in", aber meist nicht besonders aufregend. Billig und trocken, damit kam man vor 20 Jahren gut über die Party. Wer gab anno 1985 schon mehr als zehn D-Mark für eine Bouteille Weißwein aus?
In den letzten zehn Jahren allerdings schossen die deutschen Edelerzeugnisse aus der Rieslingtraube in der Gunst internationaler Weinfans rapide nach oben, nachdem auch in Deutschland einheimische Weine dank trockenen Ausbaus zu besserem Image und Qualität gelangten. Rieslinge sind von Tokio bis New York zum wahren Szene-Getränk avanciert, wie auch in deutschen Trend-Bars kein Keeper mehr ohne einen oder mehrere Rieslinge auskommt. Doch es gibt im Weinland Deutschland noch viel mehr Entdeckenswertes. Die Zukunft ist rot: Deutsche Spätburgunder schließen langsam aber sicher zu den Franzosen auf.
Mein Schlüsselerlebnis mit deutschem Rotwein gründete sich vor etlichen Jahren auf eine Empfehlung eines freundlichen Weinhändlers im Hamburger Univiertel, der mir ein feines Gewächs von der Ahr empfahl - leicht und dennoch komplex im Aroma, ein völlig unerwartetes Geschmackserlebnis und eine würdige Premiere in Sachen Spätburgunder. Zu dieser Zeit völlig gegen den Trend, denn die damals anrollende Wein-Modewelle überspülte den Markt mit wuchtigen, plakativen Frucht- und Beerenbomben, Marke Shiraz (in Frankreich Syrah). Die überaus erfolgreichen und üppigen überseeischen Weine (Australien, Kalifornien) entzücken gerade Weinneulinge schnell. Dank der Promotion-Arbeit der rührigen US-Erzeuger um Robert Mondavi sowie des Weinpapstes Parker (der mit den "Parker-Punkten") spielten sich solche aufgebrezelten Traubensäfte in den neunziger Jahren als Nonplusultra des Rotweingeschmacks auf. Natürlich waren viele exzellente Gewächse dabei, aber es gerieten andersartige, filigranere Weine unverdient ins Hintertreffen.
Konkurrenz für Frankreich
Das war's dann für eine Weile, bis ich meine Liebe zu französischen Burgundern entdeckte: Weine, die man sich kraft exorbitanter Preise nur hin und wieder in einfacheren Ausführungen gönnen kann. Aber inzwischen muss man sich auch hier nicht mehr verschulden: Normale Qualitäten (z.B. "Passetoutgrain") sowie weniger namhafte Weingüter sind oft schon unter 20 Euro zu haben. Und dann kann man langsam vorantesten.
Nehmen Sie einen dieser "mittleren", schon ziemlich feinen Burgunder, zum Beispiel einen Givry, und lassen Sie ihn gegen ein gutes Gewächs aus Deutschland laufen. Toni Jost im Rheingau, Peth-Wetz in Rheinhessen oder Gies-Düppel (Pfalz) sind drei der vielen exquisiten Adressen, die mit ihrem Rotwein noch nicht so hochpreisig daherkommen. Es gibt immens viel zu entdecken, denn deutsche Winzer trauen sich immer häufiger an rote Sorten heran, sogar Cabernet Sauvignon ist keine Seltenheit mehr in unseren Weinbergen. Fragen Sie bei dem Weinhändler Ihres Vertrauens nach Spätburgundern und probieren Sie selbst - Sie werden überrascht sein, wie eigenwillig und vielgestaltig bei uns mit der Pinot-Noir-Traube umgegangen wird. Und wie blendend sich heimische Produkte gegen die vermeintlich übermächtige französische Konkurrenz behaupten.
Image-Problem überwunden
Dabei hat Spätburgunder in Deutschland durchaus seit Jahren seinen Platz. In Baden gehören der Traube traditionell zwei Drittel der Anbaufläche, in den anderen Gebieten allerdings meist derzeit noch unter zehn Prozent. Insgesamt ist der Spätburgunder meistangebauter Rotwein in Deutschland, laut Deutschem Weininstitut mit einem Anteil von rund elf Prozent der Gesamtrebfläche. Sein Problem war bisher nur das mangelnde Image im europäischen Vergleich zu Chianti, Bordeaux, Rioja und Co. - allesamt chic, teuer, renommiert und inzwischen flächendeckend international gefragt, was zu extrem gestiegenen Preisen bei oft nicht mehr angemessener Qualität führte. Wenn eine Traube so im Windschatten des Marktes segeln kann wie der Spätburgunder, bieten sich gute Möglichkeiten, anständige Qualität für normales Budget zu bekommen.
Hier dürfen Sie auch ruhig mal zu preiswerten Erzeugnissen von Winzergenossenschaften greifen: Produzentengemeinschaften wie etwa die aus Königsschaffhausen oder Sasbachwalden in Baden sind solide Adressen, die über die Jahre sehr anständige Weine unter zehn Euro die Flasche produzieren. Sogar in Supermärkten können Sie fündig werden, aber hier ist bessere Ware eher Glückssache. Große Qualität bei deutschen Weinen gibt es nach wie vor fast ausschließlich beim Fachhandel.
Jeder Weinhändler, der auf sich hält, hat "seine" speziellen Winzer im Angebot, die immer für Überraschungen gut sind. Aber ehrgeizige Winzer verlangen für ihre Spitzenweine auch durchaus Spitzenpreise. Wenn Sie aber 20 Euro für eine Flasche deutschen Rotweins ausgeben, sind Sie schon fast in der Champions League der Spätburgunder. Und die spielt - neben Baden - zum Beispiel auch in Franken: Das Weingut Fürst in Bürgstadt produziert neben erstklassigen Weißweinen eben auch einen berühmten roten Spätburgunder, der sein Geld wert ist. Aber das ist nur ein Beispiel - es gibt viel zu entdecken. Deutsche Rotweine sind immer einen Test wert.
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Auch ich habe leider zu viele Jahre damit verbracht, ausländische, besonders italienische Rotweine zu trinken. Übrig geblieben sind höchsten ein guter Ciro, Rosso conero oder ein Südtiroler Lagrein. Die Zahl hervorragender [...] mehr...
Das kenne ich. Die letzten Jahre hatte ich einige Stammwinzer aus Rheinhessen. Nach dem mir dort allerding der letzte Jahrgang nicht so gelegen war, stöberte ich mal in meinem näheren Umfeld. In Edesheim in der Pfalz fuhr ich [...] mehr...
Klar - Etikettenschwindel gehört verboten. Aber mir persönlich ist es einerlei, ob der samtige Abgang auf Holzbohlen des Fasses oder auf Holzspäne im Tank zurück zu führen ist. Wer da was anderes behauptet, der betreibt [...] mehr...
... Gerd Köster: Riesling ist cool, f**k Chardonnay... Es ist ein Hohelied auf den deutschen Wein aus kölschem Mund - und das hat schon was! mehr...
Deutscher Riesling ist Spitze, deutsche Rote kaum. Schliesslich sind nicht alle Preise die im Weingeschäft bezahlt werden, völlig hirnrissig und von der französischen Weinlobby reingedrückt. Deshalb sollte es schon zu denken [...] mehr...
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