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Dampf-Explosion in Manhattan Schock in der Rushhour

2. Teil: Alle Fluchtwege verstopft

"Es könnte wegen kalten Regenwassers gebrochen sein, es könnte wegen eines Wasserrohrbruchs gebrochen sein, von dem wir noch nichts wissen. Auf jeden Fall ist das Dampfrohr gebrochen, und das ist es, was Sie gesehen haben", sagte Bloomberg lakonisch.

Eine Lappalie war die Sache dann aber doch nicht. Eine Frau starb an einem Herzschlag. Über 30 Menschen wurden verletzt, darunter eine Handvoll Feuerwehrleute. Ein 23-Jähriger erlitt Verbrühungen an über 75 Prozent seines Körpers.

Die logistischen Folgen waren ähnlich wie bei einem Terroranschlag - ein großstädtischer Alptraum. Ganz New York kam zum Stillstand. Der Rushhour-Verkehr in, nach und von Manhattan brach komplett zusammen. Die U-Bahnen auf der sowieso notorisch verstopften und überlasteten East Side von Manhattan stellten ihren Betrieb ein. Die gesamte Midtown wurde abgesperrt, ebenso Grand Central, Knotenpunkt für Zehntausende Pendler.

Die Queensboro Bridge, der nächste Fluchtweg über den East River, wurde zum Parkplatz. Auch die Telefongesellschaft Verizon meldete Netzausfälle. Bloomberg appellierte an die Bürger, der Midtown weiträumig fernzubleiben, weil die Explosion Asbest freigesetzt haben könnte.

"Alles übereinander gebaut"

Das Unglück warf ein Schlaglicht auf die marode Infrastruktur der Stadt, die sich gerne als hochmoderne Welthauptstadt der Kommunikation rühmt. Schon am Vormittag waren, nach schweren Regengüssen, etliche U-Bahnen stehengeblieben, weil Wasser in die Tunnel und die unterirdischen Bahnhöfe floss. So etwas passiert bei jedem Wolkenbruch.

"Mit alter Infrastruktur besteht immer eine Gefahr", sagte Bloomberg typisch nonchalant. "Deshalb müssen wir weiter darin investieren." Bitter nötig wäre das. Schon 1998 schätzte ein Bericht des New Yorker Rechnungsprüfer, dass es mindestens 90 Milliarden Dollar kosten würde, die städtische Infrastruktur in "einen systematisch guten Zustand" zu bringen.

Denn die wurde überwiegend "vor 100 Jahren entworfen, als die Stadt ein Bruchteil dessen war, was sie heute ist", sagt Kate Asher, die Autorin des Standardwerks "The Works: Anatomy of a City". Die New Yorker sorgten sich zu Recht, dass das mal "alles auf einen Schlag" zusammenbrechen könnte. "Es könnte überall passieren, vor allem in Lower Manhattan. Da ist alles übereinander gebaut."

Allein das Versorgungssystem unterhalb des New Yorker Straßenpflasters ist ein byzantinisches, in verschachtelten Etagen tief reichendes Labyrinth aus Strom-, Telefon-, Gas- und Dampfleitungen, viele über hundert Jahre alt. Die ersten New Yorker Gasleitungen wurden 1823 verlegt, Relikte finden sich immer noch. Das Rohr, das gestern platzte, stammte von 1924. Bereits im August 1989 hatte das alles zum Verhängnis geführt: Da explodierte ein Dampfrohr im Stadtteil Gramercy Park. Drei Menschen kamen damals ums Leben.

Klapprige Ventilatoren in der Subway

Die 172.000 Kilometer unterirdischen Stromkabel von Con Edison, die sich über dreieinhalb Mal um die Erde schlingen könnten, bilden das größte Versorgungsnetz der Welt - und eines der ältesten. Hinzu kommen 67.000 Kilometer Oberlandleitungen.

Voriges Jahr gab es mehrere größere Blackouts. Im August 2003 saß die ganze Stadt im Dunkeln, Teil eines massiven Blackouts im gesamten Nordosten der USA und Kanadas - der größte Ausfall sei dem historischen Mega-Blackout von 1977.

Sorge gilt nicht nur den Rohren und Leitungen, sondern auch dem Trinkwassersystem. So bekommt New York derzeit nur über zwei alte, anfällige Tunnel Wasser aus den Reservoirs im Norden zugeführt. Der eine stammt von 1917, der andere von 1936. Ein dritter ist im Bau. Geplantes Fertigstellungsdatum: 2020.

Auch ein Drittel der New Yorker Brücken sind nach einer Analyse der American Society of Civil Engineers "strukturell mangelhaft" und "funktionell obsolet". Und die Subway ist sowieso berüchtigt für ihren maroden Zustand. Die Bahnhöfe haben keine Klimaanlagen und werden in diesen Tagen schnell zu Saunen, die auch vereinzelte, klapprige Ventilatoren nicht kühlen können. Viele Wagen, Weichen, Gleise und Ampelanlagen sind veraltet, Brände, Kurzschlüsse und Unfälle an der Tagesordnung. Eine seit Jahrzehnten geplante, überfällige U-Bahn-Strecke auf der East Side Manhattans ist gerade erst in die Gänge gekommen.

Doch immer wieder führen die Spuren zu Con Edison, dem Milliardenkonzern, der auch für die gestrige Dampfexplosion die Verantwortung tragen muss. In der Zentrale hielt man sich bedeckt. "Wir forschen nach der Ursache", hieß es in einer Erklärung nur.

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