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20.07.2007
 

Flugzeugkatastrophe von São Paulo

Airbus hob mit defekter Turbine ab

Mindestens 188 Menschen starben bei der Flugzeugkatastrophe von São Paulo. Jetzt gibt es erste Erkenntnisse über eine mögliche Unfallursache: Die Schubumkehr einer der Airbus-Turbinen soll nicht funktioniert haben. Ein Defekt, der offenbar schon Tage zuvor bekannt war.

São Paulo - Schon vor einer Woche sei das Turbinen-Problem am Airbus A320 der Fluggesellschaft TAM entdeckt worden, berichtete der brasilianische TV-Sender Globo. Die Maschine sei allerdings weiterhin eingesetzt worden, weil dies laut Airbus-Handbuch bis zu zehn Tage nach Entdeckung des Defekts möglich sei.

Der Technikchef von TAM, Ruy Amparo, hat diese Darstellung in einer Reaktion auf den Fernsehbeitrag bereits bestätigt. Die Fluggesellschaft versicherte jedoch, der Schubumkehr-Mechanismus könne beim Auftreten von Problemen an einem Triebwerk ausgeschaltet werden. Nur bei sehr starkem Regen könne solch ein Problem das Landemanöver beeinträchtigen. Man wiederhole deshalb, dass die Maschine am Unglückstag "in der Praxis" keine technischen Probleme gehabt habe, hieß es.

Globo berichtete allerdings, dass die Unglücksmaschine genau einen Tag vor dem Unfall bereits Probleme bei der Landung in Congonhas gehabt habe. Der Pilot habe sich darüber beklagt, dass die Runway "sehr rutschig" gewesen sei.

"Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen", sagte ein Airbus-Sprecher in Toulouse SPIEGEL ONLINE. Der Konzern habe fünf Experten an die Unfallstelle geschickt, die die Untersuchungen unterstützen und zur Aufklärung beitragen sollen. "Bis dahin kommentieren wir keinerlei Mutmaßungen."

Die TAM-Maschine war am Dienstag mitten in der Millionenmetropole São Paulo bei der Landung über die regennasse Landebahn des Flughafens Congonhas hinausgeschossen. Anschließend rutschte der Airbus über eine der meist befahrenen Straßen São Paulos in eine Tankstelle und dann in ein Gebäude, in dem sich ein für die Gepäckabfertigung zuständiges Büro der TAM befand.

Das Flugzeug und mehrere Häuser gingen in Flammen auf. Nach Schätzung der Feuerwehr kamen bei dem Unfall rund 200 Menschen an Bord und am Boden ums Leben. Bislang konnten am Unfallort 184 Leichen geborgen werden. Vier weitere Opfer erlagen in Krankenhäusern ihren Verletzungen. Die Feuerwehr will die Bergungsarbeiten heute beenden.

Die Staatsanwaltschaft forderte in Brasilien die Schließung des Flughafens Congonhas, "bis einwandfreie Sicherheitsbedingungen bestätigt" seien. Nach Angaben der Behörden werden die Untersuchungen zur Ermittlung der Unfallursache vermutlich zehn Monate in Anspruch nehmen. Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva will heute Maßnahmen für den Luftverkehrssektor bekannt geben und wies die Bundespolizei an, bei den Ermittlungen besonders die Landebahn unter die Lupe zu nehmen.

pad/dpa

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