Hamburg - "Er lebt, was er predigt: Mitgefühl und Liebe. Er ist authentisch, strahlt Ruhe und innere Zufriedenheit aus", sagt Carola Christiansen. Sie ist einer von über 10.000 Besuchern im Hamburger Tennisstadion, in dem der Dalai Lama seit dem Wochenende Vorträge über Frieden und Menschlichkeit hält. "Wir sind hier, weil wir diesen Mann sehr bewundern", sagt eine Familie, die aus Hannover nach Hamburg kam, um den 72-Jährigen zu erleben.
Das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter war bereits drei Mal in Hamburg, aber noch nie so lange und noch nie mit so einem großen Programm. Gleich am ersten Tag seiner einwöchigen Vortragsreihe hängen über 10.000 Menschen aus aller Welt in der Arena förmlich an seinen Lippen. Insgesamt werden etwa 30.000 Besucher erwartet. Der 72-Jährige spricht über Mitgefühl und die Stärkung menschlicher Werte, fordert eine Harmonie der Religionen. "Das ist mir sehr wichtig." Glück sei eine Frage der inneren Haltung. Von großer Bedeutung seien positiven Gefühle wie Toleranz und Mitgefühl.
"Humor ist seine Stärke"
Der Träger des Friedensnobelpreises sitzt in ein rotes Gewand gehüllt auf einem breiten Sessel. Gegen das Licht von Sonne und Scheinwerfern schützt er sich mit einer Kappe. Während er zu seinen Anhängern spricht, hebt er immer wieder den Zeigefinger, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen. Oft unterbricht er seine Sätze, um herzhaft zu lachen.
Dieses Lachen kennen in Deutschland schon viele. Die Bedeutung der Religion, die er vertritt, ist eher unbekannt. "Humor ist eine große Stärke des Dalai Lama. Er ist authentisch. Das spüren und mögen die Menschen. Aber er missioniert nicht", sagt Oliver Petersen, buddhistischer Lehrer des tibetischen Zentrums in Hamburg. Der Dalai Lama sei durch seine Art sehr glaubhaft.
"Ich bin kein Buddhist, aber ich lasse mich gerne von diesem Mann inspirieren. Er strahlt die Gelassenheit aus, die uns allen mal ganz gut tun würde", sagt ein Besucher aus Hamburg: "Ich hänge im Job den ganzen Tag am Telefon, bin gestresst. Der Dalai Lama tut mir gut. Durch ihn komme ich auf andere Gedanken." So geht es wohl vielen Besuchern auf dem Gelände des Hamburger Tennisstadions. Dort haben die Veranstalter eine kleine tibetische Zeltstadt aufgebaut. Nach den Vorträgen sitzen Tausende auf dem Rasen, essen asiatische Spezialitäten und diskutieren. Manche Familien haben kleine Kinder mitgebracht.
Die Menschen mögen den Dalai Lama: "Er ist gerade hier in Deutschland so beliebt, weil er das hat, was vielen von uns im Tagesgeschäft ein wenig fehlt: Gelassenheit, Ruhe, innere Kultur", sagt Experte Petersen. Er sieht den Buddhismus in Deutschland nicht als Modebewegung, sondern in einer stabilen Entwicklung.
In den kommenden Tagen mehr zum Buddhismus
Der 72-jährige Gast genießt seine Popularität: Ob bei seiner Ankunft am Flughafen oder im Rathaus der Hansestadt: Der Dalai Lama nimmt sich Zeit für seine Anhänger, schüttelt Hände, gibt sogar Autogramme - eifrig flitzt er mit seinen Flip-Flops aus Plastik von Zuschauer zu Zuschauer.
Und er nutzt seine Bekanntheit auch für politische Forderungen. In Hamburg erinnert er die reichen Industrienationen an ihre Verantwortung für den Kampf gegen Armut. Die Kluft zwischen armen und reichen Menschen dürfe nicht größer werden. Diese sei "nicht nur moralisch falsch, sondern auch der Ursprung vieler gesellschaftlicher Probleme".
In den kommenden Tagen will sich der Dalai Lama mehr mit der buddhistischen Philosophie und Lehre beschäftigen. "Das Politische wird dann weniger", sagt ein Sprecher des tibetischen Zentrums. Am kommenden Samstag reist der Dalai Lama weiter nach Freiburg. Auch dort dürften ihm die Sympathien sicher sein.
Gregor Haake, AP
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