Las Palmas/Santa Cruz - Die Brandkatastrophe auf den kanarischen Inseln nimmt immer größere Ausmaße an. Inzwischen melden die Behörden Feuer auf Gran Canaria, Teneriffa, Gomera und auch auf La Palma. Nach Angaben von Einheimischen ist es das erste Mal, dass Großbrände auf allen vier Inseln zur gleichen Zeit wüten.
Teneriffa ist die am schlimmsten betroffene Insel. 8800 Menschen mussten sich in Sicherheit bringen, rund 15.000 Hektar Land sind verwüstet und 900 Häuser zerstört. Der Nationalpark rund um den Vulkan Teide - mit 3718 Metern Spaniens höchster Berg - wurde von den Flammen verschont.
Auf Gran Canaria flüchteten 5200 Menschen vor den Flammen, darunter auch 40 deutsche Urlauber. Die Touristen wurden aus ihrem Hotel in den Bergen nahe San Bartolomé de Tirajana in Sicherheit gebracht. Das Feuer hatte sich der Anlage bis auf einen Kilometer genähert, wie der Rundfunk berichtete. Die Deutschen wurden in einer anderen Herberge an der Küste untergebracht. Mindestens 10.000 Hektar Wald sind verbrannt. Das Feuer auf Gran Canaria hatte ein Forstarbeiter aus Wut über seine bevorstehende Entlassung gelegt. Der 37-Jährige sitzt in Haft, ihm drohen zehn Jahre Gefängnis.
Die Feuer auf Gomera und La Palma sind kleiner, haben aber ebenfalls große Zerstörungen angerichtet. Nach Angaben der Behörden wurden bislang auf allen Inseln insgesamt 35.000 Hektar Wald- und Buschland ein Raub der Flammen. Vor allem Pinienwälder wurden vernichtet.
Bei den Löscharbeiten wurden zwei Soldaten verletzt, als ihr Tankwagen umstürzte. Zudem erlitten dutzende Menschen Rauchvergiftungen und Nervenzusammenbrüche.
Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat seinen Urlaub abgebrochen und reist heute in die von Waldbränden betroffenen Gebiete auf den Kanarischen Inseln. Wie die Madrider Regierung mitteilte, will der Regierungschef sich ein Bild vom Ausmaß der verheerenden Feuersbrünste auf Gran Canaria und Teneriffa machen.
Die spanische Regierung kündigte die zusätzliche Entsendung von 150 Soldaten zur Brandbekämpfung an. "Die Lage ist sehr alarmierend", räumte Umweltministerin Cristina Narbona bei einem Besuch auf Gran Canaria ein. Sie sagte finanzielle Unterstützung für die Betroffenen zu. Umweltschützer kritisierten unterdessen, die Behörden hätten viel zu spät reagiert und nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt.
Der kanarische Regierungschef Paulino Rivero bezeichnete die Lage als "dramatisch". Bei den Löscharbeiten habe der Schutz besiedelter Gebiete Vorrang vor der Rettung des Waldes. Rivero hatte zuvor dem privaten Rundfunksender Cadena Ser gesagt, auch ein Teil des Naturschutzgebiets "Palmitos Park", das 150 verschiedene Vogelarten beheimatet, sei niedergebrannt. Zwar waren die Löschtrupps ununterbrochen im Einsatz, wegen des starken Windes und der großen Hitze konnten sie aber nur einige der Feuerfronten unter Kontrolle bringen. Zudem konnten die Löschhubschrauber nur bei Tageslicht eingesetzt werden.
ffr/dpa/AP/AFP
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