Aus Santa Cruz La Palma berichtet Anne Seith
Santa Cruz La Palma - Juan Jesús González ringt kurz nach Worten, um seine Sorge zu beschreiben: "Wenn jemand die Kanarischen Inseln wirklich bedrohen will, legt er am besten an den richtigen Stellen Feuer, das ist leichter, als Bomben zu zünden. Aber genauso effektiv", sagt er dann. "Brandstiftung kann leicht eine Form des Terrorismus werden." Die Kanarischen Inseln seien inzwischen leicht entflammbares Terrain.
Der Lehrer, der seit Jahren Umweltsünden an seinem Wohnort Teneriffa auf einer Internetseite dokumentiert, hat zu einer Rundfahrt auf die kleine Kanaren-Insel La Palma eingeladen, wo er eigentlich Urlaub macht. Doch jetzt will er zeigen, dass es kein Zufall war, dass sich diesen Sommer auf Teneriffa und Gran Canaria Großbrände in Windeseile ausbreiten konnten. Immerhin sind die Warnzeichen nicht mehr zu übersehen: Nach Rekordtemperaturen schien halb Europa während der Hitzewelle in Flammenaufzugehen. In Griechenland tobten gewaltige Brände, auch in Mazedonien und Italien brannte es gewaltig. Auch La Palma könnte jederzeit heimgesucht werden, sagt González.
Auf der Insel lässt sich erschreckend plastisch an vielen Ecken beobachten, was die Umweltschützer von WWF in einer kürzlich veröffentlichten Studie als Zusammenbruch des "traditionellen ländlichen sozioökonomischen Systems" bezeichneten - und als eine Hauptursache dafür ausmachten, dass sich Feuersbrünste inzwischen so ungehindert ausbreiten können in Mitteleuropa.
"Hier waren überall einmal kleine Felder", erklärt González und zeigt Abhänge, die über hunderte Quadratmeter mit einem stacheligen, hohen Dorngestrüpp überwuchert sind. Dann reißt er plötzlich das Lenkrad nach rechts und hält vor einem kleinen Bauernhaus, vor dem ein Wagen mit meterhoch gestapelten Ästen auf der Ladefläche steht. "Das gibt es nicht mehr oft, dass die Leute das einsammeln. Dabei ist das die beste Stallunterlage."
Wie leicht entflammbar ihre Umgebung ist, ist auch der Bevölkerung bewusst. "Heute wird höchstens noch ein Viertel von früher bewirtschaftet", sagt ein Bauer und zeigt ein zurückhaltendes, zahnloses Lächeln, als wollte er sich entschuldigen. Eine Frau, die gerade Ziegen in einem kleinen Stall füttert, sagt, in den vergangenen Wochen sei sie sicher gewesen, dass es bald brennen würde. Da stiegen die Temperaturen auf über 40 Grad. Und das Feuerholz in den riesigen Waldflächen sammle ja schon lange niemand mehr zum Verkauf wie früher. "Da reicht doch eine klitzekleine Scherbe, durch die die Sonne scheint, und schon brennt es lichterloh."
So geht es während der gesamten Rundfahrt. González zeigt Wiesenflächen mit riesigen, gelben, ausgetrockneten Flecken auf La Palma. "Als ich Kind war, gab es das gar nicht. Da wurden diese Gräser massenweise als Ziegenfutter geschnitten." Ein Streichholz reiche, und das alles stünde sofort in Flammen.
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