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Brandherde in Europa Wenn Feuer so effektiv wie Bomben sind

2. Teil: Feuer werden gelegt, um Bauland zu gewinnen

Dass er keine Panikmache betreibt, zeigen die nackten Zahlen. Der WWF-Studie zufolge hat die Zahl der Großbrände sich im Mittelmeerraum seit 1960 vervierfacht - in Spanien ist sie sogar um das zehnfache angestiegen. Von pro Jahr durchschnittlich 1920 Bränden auf jährlich rund 21.516 Feuer. Im Mittelmeerraum könne man jedes Jahr "schon die Uhr danach stellen, wann es wieder brennen wird", erklärte WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer bei der Präsentation der Studie. Das Alarmierende: Die Feuer werden immer größer.

Nur ein Bruchteil der Brände entsteht der Untersuchung zufolge durch Blitze oder andere natürliche Ursachen. Der Großteil: Absichtliche oder fahrlässige Brandstiftung. Feuer werde etwa gelegt, damit die verkohlten Gebiete danach in Bauland umgewandelt werden, so die Umweltschützer.

Die Mafia wird für die Feuersbrünste von den Abruzzen bis Apulien verdächtigt

Umweltschützer wie González vermuten sogar Unternehmen hinter den Bränden, die mit der Wiederaufforstung oder gar der Brandbekämpfung Geld verdienen. "Davon lebt schließlich eine ganze Industrie."

In Italien erklärten so auch die zuständigen Behörden unumwunden, dass hinter den Bränden Kriminelle steckten, vielleicht sogar die Mafia. Die wird schon seit Jahren verdächtigt, so die Umwandlung etwa von Olivenhainen in Bauland zu erzwingen. Von den Abruzzen bis Apulien, von Latium bis nach Kalabrien waren der Zeitung "La Repubblica" zufolge nun in nur einer Woche 750 Feuer entstanden.

Allerdings können Brandstifter nur deshalb so effektiv vorgehen, weil die Flammen sich so ungehindert ausbreiten können. Folgen unter anderem der Landflucht - und der falschen Bewirtschaftung. Die Politik der EU fördere den Anbau von Monokulturen zu sehr, monieren die Wissenschaftler vom WWF. In vielen Gegenden Spaniens und Portugals seien weite Flächen mit Eukalyptus- und Kiefernbäumen zugepflanzt worden, die mit ihren ätherischen Ölen besonders gut brennen. Auf La Palma werden hauptsächlich Bananenstauden gepflanzt, die die ganze Insel in riesigen Feldern überziehen. "Nur noch ein paar Verrückte kümmern sich um andere Sachen", sagt González.

"Es fehlt ein umfassendes Konzept zur Feuerbekämpfung", findet der Geograf. Die einzelnen Maßnahmen, die die Regierung der Kanaren und der Inselrat von Teneriffa nun vorschlagen, reichen seiner Meinung nach längst nicht. Bis der Brandschutz wie vom WWF gefordert als eine politische Leitlinie gilt, müsse noch einiges getan werden. Auch in den Wäldern müssten viel mehr strategische Feuerschneisen angelegt werden, über die ein Brand nicht hinauskommt, sagt González. "Aber das sieht eben nicht besonders schön aus." Und die Frage der Ästhetik bestimme wegen der vielen Touristen auf den Kanaren oft die Politik. Angefangen bei den Palmen. "Eine Palme zu fällen ist verboten", sagt González. Doch wenn die gelben Blätter nicht regelmäßig in einer teuren Prozedur entfernt werden, brennt der Baum beim kleinsten Funken wie eine Fackel.

"Dann können weder Feuerwehr noch Hubschrauber etwas ausrichten"

Auch die Bevölkerung werde viel zu wenig in die Vorsorge einbezogen, glaubt González. Dem kleinen Dörfchen Masca etwa hätte einiger Schaden erspart werden können. Der 100-Einwohnerort war mit seinen engen Gässchen und den hübschen Steinhäusern ein ursprüngliches Überbleibsel im verbauten Teneriffa - und wurde schwer getroffen von den Bränden. "Da gab es überhaupt kein System zur Selbsthilfe", sagt González. "Die haben dort nur ihre Gartenschläuche." So passierte kaum etwas, bis die Feuerwehr sich von der nächst gelegenen Station über die unendlich langen Serpentinen durchgekämpft hatte. Auch der WWF fordert, die Vorsorgemaßnahmen in Europa zwischen den zuständigen Stellen besser zu koordinieren. Vielfach existierte nicht einmal verlässliches Datenmaterial.

Diesmal seien Teneriffa und Gran Canaria noch einmal glimpflich davon gekommen, sagt González. Der Schaden ist mit einigen tausend Hektar verbranntem Wald längst nicht so schlimm wie angenommen. "Aber das der Brand sich legte war allein dem Wetterumschwung zu verdanken", ist González überzeugt. "Wenn ein Feuer einmal so groß ist, können weder Hubschrauber noch die Feuerwehr etwas ausrichten."

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