• Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.10.2007
 

Hoffnung nach Unglück in Südafrika

Mehr als 2500 Bergleute gerettet, 700 sitzen noch in Mine fest

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Rund 2500 Kumpel wurden aus einer Goldmine in Südafrika gerettet, die anderen Männer sitzen in 2000 Meter Tiefe fest. Ihnen droht nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen der Erstickungstod.

Carletonville - Mit einem Materialaufzug werden die eingeschlossenen Bergleute wieder an die Oberfläche gebracht. In dem Förderkorb haben nur 75 Kumpel Platz, so dass in einer Stunde rund 300 Menschen gerettet werden können. 2500 Kumpel seien bislang in Sicherheit gebracht worden, alle seien in guter Verfassung, hieß es von Seiten der Minenbetreiber und der Gewerkschaft.

Rund 700 Männer sind immer noch unter Tage eingeschlossen. Sanitäter wurden in die Tiefe geschickt, um sie zu versorgen. Auch sollten Sauerstoffflaschen unter Tage gebracht werden. Es wird aber noch Stunden dauern, bis alle Bergleute in Sicherheit gebracht seien, sagte Einsatzleiter Graham Briggs. Die in mehr als 2000 Metern Tiefe eingeschlossenen Männer hätten aber Wasser und Sauerstoff.

Das Minengelände der Gesellschaft Harmony Gold befindet sich am Stadtrand von Carletonville, rund hundert Kilometer südwestlich von Johannesburg.

Unglücksursache soll ein während der Frühschicht gerissenes Kabel am Hauptaufzug gewesen sein, hieß es. Es sei jedoch niemand verletzt worden. Vertreter der Bergarbeitergewerkschaft NUM vermuteten, der Unfall sei auf Nachlässigkeit bei den Arbeitsschutzbestimmungen zurückzuführen und darauf, dass in der Goldmine 24 Stunden am Tag geschürft würde.

Die Gewerkschaftsvertreter zeigten sich zudem besorgt angesichts der hohen Temperaturen in der Tiefe. "Diejenigen, die noch unten sind, haben große Angst und sind sehr müde und hungrig", sagte Peter Bailey, Sprecher der NUM, am Unglücksort. Es seien Gewerkschaftsvertreter mit den Rettungskräften nach unten gefahren, um die verängstigten Bergarbeiter zu beruhigen. Diese müssten nun darauf warten, in den drei Körben eines Materialaufzugs nach oben gefahren zu werden, die jeweils nur 25 Mann aufnehmen können. "Angst und Erschöpfung können zu Panikattacken und zu einem Ansturm auf die Körbe führen", fürchtete Bailey.

Ein anderer Gewerkschaftssprecher hatte sich ebenfalls besorgt über die Lage geäußert. "Es ist sehr gefährlich unter der Erde. Die Temperaturen sind sehr hoch, zwischen 30 und 40 Grad, und sie sind in 2150 Metern Tiefe. Sie könnten ersticken", sagte NUM-Sprecher Lesiba Seshoka.

Harmony Gold ist der fünftgrößte Goldproduzent der Welt und hatte Elandsrand im Jahr 2001 für rund 100 Millionen Euro zusammen mit einer Mine im nahegelegenen Deelkraal von seinem Rivalen AngloGold erworben. Seither werden in Elandsrand immer tiefere Schächte gebohrt, um die dortigen Reserven von mehreren hundert Tonnen Gold ans Tageslicht zu bringen. NUM-Sprecher Bailey nannte das Unglück in Elandsrand einen "Warnschuss". "Die Goldindustrie ist bei Sicherheitsmaßnahmen sehr nachlässig", kritisierte der Gewerkschafter.

als/ffr/AP/AFP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP