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24.10.2007
 

Waldbrände in Kalifornien

"Es sieht aus wie das Ende der Welt"

Aus Los Angeles berichtet Mikaela Wolf

2. Teil: "Wir haben hier den perfekten Feuersturm"

Christy Jackson war auf dem Weg von Los Angeles zu ihrer Mutter in San Clemente, als sie in den Ascheregen bei Irvine geriet. Sie hielt kurz bei Freunden, um nach ihnen zu sehen. "Es war unglaublich, meine Augen brannten, als ich wieder ins Auto stieg", so die 33-Jährige. "Mein ganzes Gesicht war fast grau. Wir sahen aus, als wären wir im 'Desert Storm' gewesen." Sie fuhr weiter Richtung Süden. San Clemente liegt genau zwischen den Feuern in Irvine und San Diego und blieb von den Flammen bisher verschont.

Es ist die Küstenstadt San Diego, die es am härtesten getroffen hat. Wieder einmal. Schon 2003 verschlangen die Flammen hier Häuser, Bäume. Damals starben 23 Menschen - die Einsatzkräfte waren nicht auf das Ausmaß der Katastrophe vorbereitet. Auch heute können sie nichts gegen die Übermacht der Flammen ausrichten. "Wir haben hier den perfekten Feuersturm", sagte Ron Roberts, San Diego County Supervisor, der Zeitung "Daily Breeze". "Wir sind weit davon entfernt, ihn unter Kontrolle zu bekommen, wenn man sich die Winde anschaut."

Die Feuerwehr ist längst überfordert, hat Nachbarstaaten um Hilfe gebeten. "Es ist wie in einem nuklearen Winter. Wie Armageddon", sagte San-Diego-Feuerwehrmann Mitch Mendler der "Los Angeles Times", "es sieht aus wie das Ende der Welt". Sein Einsatzleiter John Tomson fürchtet, dass sich das Feuer durch San Diego bis an den Pazifik frisst, wenn der Wind nicht abflaut. "Wir werden das Feuer nicht stoppen", sagte er. "Ich hab keine Ahnung, wo der Hauptherd zurzeit ist. Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt jemand weiß."

Zurzeit brennen 17 Feuer in Südkalifornien. Von San Diego bis Malibu, 150 Meilen entlang der Pazifikküste. Über 900 Häuser wurden bereits völlig zerstört, über 90.000 Hektar Land. Allein in San Diego mussten mehr als eine halbe Million Menschen ihr Zuhause verlassen und in Notunterkünfte flüchten. Kliniken und Gefängnisse werden evakuiert. Wildpferde, Kojoten und Waschbären flüchten vor den Flammen immer näher an Wohngebiete.

"Es ist eine tragische Zeit für Kalifornien", sagte Governeur Arnold Schwarzenegger, der den Notstand ausgerufen hat und erst eine abgebrannte Kirche in Malibu besuchte, bevor er durch das Football-Stadion in San Diego stampfte und viele Hände schüttelte. 10.000 Evakuierte haben hier Unterschlupf gefunden. Viele sitzen draußen auf dem Parkplatz mit ihren Haustieren, die nicht ins Stadion dürfen.

Die Menschen versuchen, tapfer zu sein. Sie kennen diese Art von Gefahr. "Wir haben das schon mal durchgemacht", erzählt Karen Royer aus Foothill Ranch in Orange County, "Ich glaube an Gott, und ich weiß, dass alles gut wird." Minuten später zieht eine tiefschwarze Rauchwolke über das Gebiet. "Kann ich das zurücknehmen? Jetzt habe ich Angst."

Nicht kampflos aufgeben

Viele Bewohner der Krisengebiete wollen ihre Häuser aber nicht kampflos aufgeben, bewaffnen sich mit Gartenschläuchen und behindern so sogar die Arbeit der Feuerwehr. In Fallbrook schauten sich zahlreiche Anwohner das Feuer an, statt, wie von der Polizei aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Als die Flammen dann immer näher kamen, brach Panik aus. Statt den Brand zu bekämpfen, mussten die Feuerwehrmänner der fünf angerückten Löschfahrzeuge erst einmal die Menschen in Sicherheit bringen.

In der Promi-Metropole Malibu räumten Stars wie Mel Gibson, Victoria Principal und Kelsey Grammer ihre Villen. Nur wenige Kilometer weiter, in den anderen Stadtteilen von Los Angeles wie Hollywood, West Hollywood und Beverly Hills ist von der ganzen Katastrophe nichts zu spüren. Die Menschen gehen ihrem Alltag nach.

An der Kasse eines Supermarktes fragt ein Afroamerikaner im Basketball-Outfit den Kassierer, ob er das Feuer in den Nachrichten gesehen hätte. Ja, klar, antwortet er knapp. Dann scannt er weiter die Coladosen ein. Cool, gelassen, unerschrocken. Im Süden Kaliforniens können die Menschen nur eines tun - warten.

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