Hamburg - Besonders in Nord- und Ostdeutschland schlug das winterliche Straßenchaos kurz vor Heiligabend zu: Insgesamt starben dort seit gestern Abend sechs Menschen bei tödlichen Verkehrsunfällen. Am Vormittag entspannte sich die Lage nach Angaben der Polizei leicht.
Im niedersächsischen Buchholz bei Hamburg geriet ein 25-jähriger Autofahrer gestern gegen 22.45 Uhr ins Schleudern, prallte gegen einen Baum und blieb auf dem Dach liegen. Der Fahrer und seine 21-jährige Beifahrerin kamen ums Leben. In Worpswede bei Bremen verunglückte ein 51-jähriger Autofahrer aus Osterholz-Scharmbeck tödlich. Er war gestern gegen 23.10 Uhr bei extremer Eisglätte ins Schleudern geraten. Das Auto stieß mit der Fahrerseite gegen einen Baum - der Fahrer war nach Angaben der Polizei sofort tot.
In Sachsen-Anhalt starben zwei junge Männer, die gestern gegen 23.25 Uhr zwischen Roßlau und Klieken bei Dessau auf Raureif-Glätte ins Schleudern kamen und mit einem entgegenkommenden Auto zusammenstießen. Der 19- und der 20-Jährige aus Roßlau starben noch am Unfallort, wie die Polizei mitteilte. In dem anderen Auto wurden ein 41-jähriger Mann und eine 40-jährige Frau verletzt. In Thüringen kam heute Morgen ein Autofahrer im Wartburgkreis ums Leben.
Blitzeis, Nebel und überfrierende Nässe machten den Autofahrern vor allem in Hamburg und Schleswig-Holstein zu schaffen. Bei zahlreichen Unfällen gab es Verletzte und Blechschäden. Am Morgen sagte ein Polizeisprecher der schleswig-holsteinischen Verkehrsleitstelle in Kiel: "Es gibt erhebliche Probleme im ganzen Land." In Lübeck waren gestern Abend zeitweise zwei Brücken wegen überfrierender Nässe gesperrt worden. In Hamburg waren Streufahrzeuge im Einsatz.
Für viele Deutschen keine weiße Weihnacht
Der Traum von einer weißen Weihnacht wird dagegen für viele Menschen in Deutschland nicht in Erfüllung gehen: Bereits zum Start zeigt sich der Heiligabend neblig und grau. Fast über ganz Deutschland ziehen dichte Nebel- und Hochnebelfelder über den Himmel, nur in der Mitte und im Bayerischen Wald fallen ein paar Schneeflocken.
Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, ist generell mit Schnee am ehesten in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Nordbayern und Westbrandenburg zu rechnen. In den Gebirgen und vor allem in den Alpen sind in diesem Jahr verschneite Landschaften gesichert.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es etwas mehr Wolken. Niederschläge fallen im Nordwesten und Norden als Regen, sonst als Schnee. In den folgenden Tagen wird das Wetter milder und wechselhaft. Anfangs besteht weiterhin Glättegefahr.
Schneewirren in den USA
Schlimm traf das Wetterchaos auch die USA: Im Mittleren Westen haben Schneestürme Fernstraßen nahezu unpassierbar gemacht und zahlreiche Massenkarambolagen ausgelöst. Rund 100.000 Haushalte in Teilen der Staaten Minnesota, Wisconsin und Michigan waren wenige Stunden vor dem Weihnachtsfest immer noch ohne Strom. Am Flughafen Chicago mussten bis gestern Abend mehr als 250 Flüge gestrichen werden. Mindestens elf Menschen kamen in dem Winterchaos nach Behördenangaben ums Leben.
Im US-Staat Michigan entwurzelte die Wucht des Sturms Hunderte Bäume. Der Wind wehte in der Spitze mit bis zu 142 Stundenkilometern übers Land, in der Region Chicago maßen Meteorologen Böen von knapp 70 Stundenkilometern. In Michigan waren nach Angaben der Elektrizitätswerke gestern Abend etwa 75.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten, in Illinois saßen die Bewohner von etwa 24.000 Haushalten im Dunkeln.
Der Sturm brachte Teilen Wisconsins, die bereits eine 30 Zentimeter dicke Schneedecke hatten, gestern weitere 30 Zentimeter Schnee. Das Wetterradar zeigte, wie die Schneeschauer von Wisconsin nach Minnesota, Michigan und Indiana weiterzogen. Im Gebiet von Madison in Wisconsin folgte ein fast vier Stunden andauernder Eisregen. "Alles hier draußen ist eine Eisbahn", beschrieb ein Polizist im Rock County die Lage.
London im Flugchaos
In London mussten mehr als tausend Reisende die Nacht auf dem Flughafen London-Heathrow verbringen. Dort sowie auf mehreren anderen britischen Airports waren am Wochenende rund 140 Flüge gestrichen worden. Zehntausende Briten auf dem Weg in die Weihnachtsferien waren betroffen. Heute normalisierte sich die Lage nur langsam. Obwohl sich der Nebel lichtete, hätten am Flughafen Heathrow als Folge der gestrigen Verkehrsstörungen auch heute noch 29 Flüge gestrichen werden müssen, teilte eine Flughafensprecherin mit.
Betroffen seien vor allem Flüge der Gesellschaft British Airways nach Paris, Rom, Barcelona oder New York. An den Flughäfen Gatwick und London City verbesserte sich die Sicht ebenfalls, aber auch hier mussten insgesamt mehr als ein Dutzend Flüge abgesagt werden. In Stansted im Londoner Nordosten hatten viele Flüge Verspätung, Absagen gab es jedoch keine.
Passagiere, die von und nach London reisen wollen, wurden wie bereits gestern aufgerufen, vor der Fahrt zum Flughafen bei ihrer Fluggesellschaft nachzufragen.
flo/AP/dpa
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