San Francisco - Die Ermittler haben Blut und einen Schuh in dem Gehege von Tigerdame Tatiana gefunden, berichtet der "San Francisco Chronicle" heute unter Berufung auf nicht näher identifizierte Kreise. Jetzt werde untersucht, ob eines der späteren Opfer womöglich sein Bein über den Graben vor dem Gehege hängen ließ und dem Tier so die Gelegenheit zum Ausbruch gab. Tatiana war am Dienstag entkommen und hatte einen 17-Jährigen getötet. Seine beiden 19 und 23 Jahre alten Begleiter wurden schwer verletzt, sie liegen im Krankenhaus.
In dem Graben wurden dem Bericht zufolge Kiefernzapfen und Stöcke gefunden, mit denen das Tier möglicherweise provoziert wurde. Die Gegenstände hätten nicht auf natürlichem Weg in den Schutzgraben gelangen können. "Jemand hat eine Situation geschaffen, die das Tier wirklich in Rage gebracht hat und ihm irgendwie die Möglichkeit zum Ausbruch gegeben", zitierte die Zeitung Zoodirektor Manuel Mollinedo.
"Es kann nicht sein, dass die Raubkatze mit einem einzigen Sprung entkam - ich würde vermuten, dass es da Hilfe gab", sagte er demnach. Die vierjährige Tatiana wurde nach dem tödlichen Angriff von Polizisten erschossen. Bereits vergangenes Jahr hatte das Tigerweibchen einem Pfleger den Arm zerfleischt.
Doch der Zoodirektor musste auch einräumen, dass die Mauer der Anlage niedriger war als empfohlen. So hatte der Sibirische Tiger bei seinem Ausbruch eine Mauer von 3,80 Metern Höhe zu überwinden. Die Zoo-Vereinigung der USA schreibt in seinen Richtlinien aber mindestens fünf Meter vor. Zoo-Direktor Manuel Mollinedo sagte, die Differenz von 1,20 Metern sei bei den Sicherheitsüberprüfungen der Anlage nie zur Sprache gekommen.
Die Eltern des getöteten Jugendlichen kritisierten unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen in dem Zoo: "Ich finde, der Zoo sollte beide Seiten schützen - die Menschen und die Tiere", sagte der Vater des Jungen dem Fernsehsender CNN. Die Mutter des Jugendlichen sagte, Weihnachten werde für sie nie mehr sein wie früher: "Das soll doch ein Tag des Gebens und nicht des Nehmens sein", klagte sie: "Und er wurde mir weggenommen."
jdl/AFP/AP
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