Rom - An diesem Tag geht alles schief. Erst streiken die römischen Taxifahrer ohne jede Vorankündigung. Auch die verabredete Adresse ist auf dem Michelin-Stadtplan nicht eingetragen. Dann ruft der Fotograf an und sagt, seine Kamera habe nicht ausgelöst. Er muss sie auseinanderbauen und reparieren. Es ist wie verhext. "Sie kommen eine Stunde zu spät”, ist der erste Satz von Padre Gabriele Amorth. Er lächelt nicht.
Don Gabriele ist der Chefexorzist der Diözese Rom und damit auch der zuständige Teufelsaustreiber für den Bischof von Rom, Papst Benedikt XVI. Der 82-jährige Priester trägt die Soutane mit den 33 Knöpfen. Sein Schädel ist bis auf einige weiße Stoppel nahezu kahl, das Doppelkinn hängt herunter, ein wenig wie bei einem Basset. Für Padre Amorth ist der Teufel keine Metapher sondern tägliche Praxis, in Sprechstunden von 9 bis 16.30 Uhr. "Ich bin der einzige Exorzist, der sieben Tage die Woche arbeitet, von morgens bis nachmittags, einschließlich Heiligabend und Ostern. Ich habe in 21 Jahren über 70.000 Exorzismen durchgeführt. Als ich noch jünger war, schaffte ich im Schnitt fünfzehn, sechzehn Austreibungen am Tag. Jetzt habe ich ein wenig nachgelassen."
Die Privatpraxis des Teufelsaustreibers sieht aus wie eine Teeküche. Sie ist zur Hälfte gekachelt, mit Spüle, einem kleinen Altar und in der Mitte einem Tischchen, auf dem Plastikbecher und eine Flasche Mineralwasser der Marke San Benedetto stehen. An den Wänden Bilder von Padre Pio, Johannes Paul II. und Amorths Lehrmeister Don Candido Amantini. Es ist nichts Unheimliches zu bemerken, kein Schwefelgeruch, keine Kohlebecken oder Streckbänke.
Amorth ist kein Spinner. Neben dem Theologie- hat er auch ein Jurastudium abgeschlossen. Seine Bücher sind in 21 Sprachen übersetzt, darunter ins Japanische. Der Pater gilt als Kapazität auf dem Gebiet der Mariologie, der Wissenschaft von der Muttergottes. 1990 gründete Amorth die "Internationale Gesellschaft der Exorzisten", deren Ehrenpräsident er bis heute ist. "Wir waren", sagt er, "neun Exorzisten hier in Rom. Einer ist krank, einer ist befördert worden und einer umgezogen." Innerhalb der vatikanischen Mauern sei ein Padre Davide tätig gewesen, doch der habe seine Arbeit aufgeben müssen. Aus Altersgründen, nicht weil es im Kirchenstaat für einen Exorzisten nichts zu tun gebe.
Im Gegenteil: "Der Teufel ist in Fatima tätig, in Lourdes, überall. Und ganz sicherlich ist er im Vatikan, dem Zentrum des Christentums." Padre Amorth meint mit der schwarzen Gefahr nicht etwa den Konvent der Jesuiten, die sich seit gestern, Montag, in Rom treffen, um ihren General neu zu wählen, den "Schwarzen Papst". Nein: "Im Vatikan gibt es satanische Sekten. Sie sind überall. Man sieht sie nicht. Aber es gibt sie."
Selbst Mutter Teresa wurde exorzisiert
Er erinnert an den Fall des Kurienprälaten Tommaso Stenico, der kürzlich von Dämonen dazu gebracht wurde, einen Strichjungen in den Räumen der ehemaligen Hl. Inquisition zu empfangen. Er sei Opfer eines "teuflischen Plans" geworden, gab der Geistliche damals zu seiner Verteidigung an. Padre Amorth sagt, es gebe eben keinen perfekten Schutz vor Beelzebub und Konsorten. Auch Rosenkränze seien nicht 100-prozentig sicher. Selbst Mutter Teresa sei in ihren letzten Lebensjahren exorzisiert worden:
"Es gibt Heiliggesprochene, die noch auf ihrem Totenbett von Dämonen förmlich überfallen wurden. Ihr Leben lang konnten sie sich zur Wehr setzen, aber am Ende des Lebens nutzt der Dämon die Schwäche aus." Das hieße, dass auch er selbst, Don Gabriele Amorth, nicht immun gegen den Teufel wäre? "Natürlich nicht. Aber Kardinal Poletti hat mich, als er mich zum Exorzisten ernannte, der Madonna empfohlen. Der Dämon hat mir oft gesagt, ich sei zu gut beschützt, bei mir sei nichts Außergewöhnliches zu bewerkstelligen. Aber die alltäglichen Versuchungen gibt es natürlich weiterhin."
Und der Heilige Vater ...? "Theoretisch kann auch ein Papst besessen sein. Allerdings verfügt der Heilige Vater über eine Formation von Schutzengeln. Selbst Alexander VI., der als schlechtester aller Päpste angesehen wird, war der Jungfrau sehr ergeben und hat die meisten seiner Irrtümer vor seiner Ernennung zum Papst begangen. Als Papst war er großenteils korrekt. Aber in der Theorie ist das möglich. Wenn Heilige besessen sein können, dann auch der Heilige Vater."
Er betreue, sagt Amorth, seit einigen Jahren zwei vom Dämon besessene Nonnen, die ihr Leben der Bekehrung der Sünder geweiht haben: "Gott hat ihnen die Besessenheit wie eine Art Sühne gestattet." Nicht immer kann ein Exorzismus eine Besessenheit vollständig beenden: "Aber man kommt zur Quasi-Befreiung. Die Leiden hören auf. Sie können wieder beten, können in die Kirche gehen, beichten, das Abendmahl einnehmen, ohne dass jemand ihnen etwas anmerken würde."
Der deutsche Papst stehe seinem Metier übrigens durchaus aufgeschlossen gegenüber, sagt der Exorzist: "Als Präsident der Glaubenskongregation hat Kardinal Ratzinger den neuen Katechismus maßgeblich mitgestaltet. Ich habe mehrmals mit ihm gesprochen und er hat mich auf den Audienzen immer sehr ermutigt. Allerdings glaube ich nicht, dass er jemals einen Exorzismus durchgeführt hat, anders als Wojtyla." Zum Abschluss des Besuchs wurde auch "Uups! - et orbi” auf etwaige Dämonen und Teufelchen getestet. Das Ergebnis war negativ. Die Besessenheit lag offenbar unterhalb der Nachweisgrenze.
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Liebe Forumsteilnehmer(innen), vor einiger Zeit habe ich einmal ein Buch gelesen, in dem sich ein Kapitel mit diesem Thema, das hier so die Gemüter erhitzt, befasste. Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, war ich sehr [...] mehr...
AFAIK ist die Geschichte eher als Legende zu sehen. Die später von einigen Gläubigen gerne "gepflegt" wurde. mehr...
Argument: Gabriele Amorth spricht die Wahrheit, denn das Buch, das er geschrieben hat, sagt das er die Wahrheit spricht. Oder, allgemein bloedsinnig: gott besteht, denn es steht so in der Bibel, und was da steht ist wahr weil gott [...] mehr...
Wenn unsere "grossen Köpfe" erstmal annähernd so lange an ihren Erfindungen herumgetüftelt haben (nämlich etliche Millionen Jahre), dann ist die IT-Branche sicher ein gutes Stück weiter als heute. Ausserdem ist die [...] mehr...
Darf ich sie daran erinnern, dass Martin Luther einmal mit dem Tintenfass nach dem Teufel geworfen hat. Und ist nicht von ihm das Kirchenlied, wodrin es heißt: "....und wenn die Welt voll Teufel wär.....!" mehr...
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