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07.01.2008
 

Müllkrise in Neapel

Regierung zu allem entschlossen

Mehr als 110.000 Tonnen Müll stapeln sich in Neapel und Umgebung - nun will Italiens Regierung entschlossen gegen die Abfallmisere vorgehen. Gegen Demonstranten vor einer Deponie zeigte die Polizei zumindest schon Härte.

Rom - "In 24 Stunden werden wir so weit sein, der Situation auf radikale Weise zu begegnen", kündigte ein Sprecher des italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi heute laut Medienberichten nach einer Sondersitzung auf Ministerebene an. Konkret wurde der Sprecher nicht. Für Dienstag wurde ein weiteres Treffen angesetzt. Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio forderte, die Armee zum Einsammeln des Mülls einzusetzen.

Streit um Müll eskaliert: Polizei und Demonstranten in Neapel
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DPA

Streit um Müll eskaliert: Polizei und Demonstranten in Neapel

Am Morgen war der Streit um die Mülldeponie in Neapels Vorort
Pianura nach tagelangen Protesten eskaliert. Hunderte Demonstranten versuchten, Müllwagen mit Straßensperren die Zufahrt zu der Kippe verwehren. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein, Demonstranten warfen Steine. Es gab drei Verletzte. Am Abend zog sich die Polizei aus Pianura zurück. Gegner der Deponie feierten das als Sieg. Ein Polizeisprecher sagte jedoch, die Anlage werde keineswegs aufgegeben.

Die Deponie war vor elf Jahren wegen Gesundheitsgefahren
geschlossen worden, wurde aber inzwischen offiziell wieder in
Betrieb genommen. Nach dem Willen der Behörden sollen dort weitere Zehntausende Tonnen Müll gelagert werden. Anwohner wehren sich dagegen, weil sie Gestank und Gesundheitsrisiken befürchten.

Neapel und die gesamte Region leiden seit mehr als einem Jahrzehnt unter einem Entsorgungsproblem. Deponien und
Wiederaufbereitungsanlagen sind chronisch überlastet, außerdem wurden von der örtlichen Mafia betriebene Müllhalden geschlossen. Das Geschäft mit der Müllentsorgung ist nach Ansicht von Experten nach dem Drogenschmuggel die wichtigste Einnahmequelle der Camorra, die öffentliche Gebühren für die Entsorgung unterbietet und illegale Deponien betreibt. Seit 1994 herrscht in Kampanien daher ein "Dauer-Müllnotstand". Der Staat gab bereits mehr als eine Milliarde Euro aus und ernannte acht Kommissare in Folge, um die Krise zu beizulegen - bislang jedoch ohne Erfolg.

kai/AFP

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