Rom - "In 24 Stunden werden wir so weit sein, der Situation auf radikale Weise zu begegnen", kündigte ein Sprecher des italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi heute laut Medienberichten nach einer Sondersitzung auf Ministerebene an. Konkret wurde der Sprecher nicht. Für Dienstag wurde ein weiteres Treffen angesetzt. Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio forderte, die Armee zum Einsammeln des Mülls einzusetzen.
Am Morgen war der Streit um die Mülldeponie in Neapels Vorort
Die Deponie war vor elf Jahren wegen Gesundheitsgefahren
geschlossen worden, wurde aber inzwischen offiziell wieder in
Betrieb genommen. Nach dem Willen der Behörden sollen dort weitere Zehntausende Tonnen Müll gelagert werden. Anwohner wehren sich dagegen, weil sie Gestank und Gesundheitsrisiken befürchten.
Neapel und die gesamte Region leiden seit mehr als einem Jahrzehnt unter einem Entsorgungsproblem. Deponien und
Wiederaufbereitungsanlagen sind chronisch überlastet, außerdem wurden von der örtlichen Mafia betriebene Müllhalden geschlossen.
Das Geschäft mit der Müllentsorgung ist nach Ansicht von Experten nach dem Drogenschmuggel die wichtigste Einnahmequelle der Camorra, die öffentliche Gebühren für die Entsorgung unterbietet und illegale Deponien betreibt. Seit 1994 herrscht in Kampanien daher ein "Dauer-Müllnotstand". Der Staat gab bereits mehr als eine Milliarde Euro aus und ernannte acht Kommissare in Folge, um die Krise zu beizulegen - bislang jedoch ohne Erfolg.
kai/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH