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13.02.2008
 

Carla-Bruni-Interview

Eklat am Hofe Sarkozy

Von Stefan Simons, Paris

Es schien ein Glücksfall für den angeschlagenen Präsidenten zu sein: Seine frisch Angetraute Carla Bruni-Sarkozy schüttet im "L'Express" ihr Herz aus - um das der Franzosen zu erobern. Doch schon wenige Stunden nach Erscheinen musste sie sich für verfängliche Äußerungen entschuldigen.

Nein, das kann kein Zufall sein, es muss sich um ein Zeichen wahrer Liebe handeln. Vielleicht nicht ganz so privat wie ein Ring oder eine teure Armbanduhr, aber eben ein Bekenntnis zum Schatz im Élysée, der gerade noch in Übersee unterwegs ist: Denn pünktlich zum Valentinstag, dem umsatzfördernden Fest der Zweisamkeit, offenbart sich Frankreichs neue First Lady - gerade frisch verheiratet - dem Volk. Die Einblicke ins Seelenleben gewährt "L'Express", und der Zeitungsverkäufer neben der Kirche St. Roch, unweit des Louvre, hat schon mal die doppelte Zahl von Heften ausgelegt.

Denn erstmals, exklusiv und intim, erzählt Carla Bruni, jetzt Bruni-Sarkozy, von ihrem "neuen Leben" an der Seite des Hyper-Präsidenten, von ihrem Wunsch, es allen Franzosen und "ihm" recht zu machen: "Ich werde mein Bestes tun." Fünf Jahre lang im Élysée und als "Ehefrau bis zu seinem Tod".

Das Ex-Mannequin aus bestem italienischem Haus, in der Vergangenheit ebenso aufgefallen durch eine professionelle Karriere als Chansons-Sängerin wie durch wiederholte Verbindungen mit den Reichen, Männlichen und Mächtigen, versucht vor allem, sich von dem unerträglichen Ruf der Leichtigkeit abzusetzen. Deswegen erscheinen die Bekenntnisse der Carla B.-S. auch nicht in der Glamour-Postille "Gala" oder in "Paris-Match", dem wöchentlichen Fotoroman der französischen Promis - nein, die "Première dame de France" hat sich für ihre Geständnisse den ebenso seriösen wie linken "L'Express" ausgesucht.

Und ziert dort natürlich die Titelseite: Ein weichgezeichneter Bambi-Blick in das Herz der Leser, der Männer, nein, der Franzosen schlechthin. Und eine Fotostrecke, die sie im keuschen Strickjäckchen zeigt mit schwarzer Hose, dazu ein bisschen Modell-Schick im schwarzen Einteiler. Vergessen die Fotos, die sie gerade noch unbekleidet-räkelnd auf einem Ledersofa zeigten. Nein, die neue Bruni wird prachtvoll aussehen an der Seite des Präsidenten, das ist sicher. Jetzt bedarf es noch ein bisschen intellektueller Nachhilfe und dann hat das Paar Nicolas/Carla die Herzen erobert - pünktlich zum Valentinstag.

Brunis Liebesbotschaft - Flankenschutz für taumelnden Sarko

Der Adressat der Liebesbotschaft hat den publizistischen Flankenschutz denkbar nötig. Steigende Staatsverschuldung und galoppierende Teuerung, Streit unter Ministern und Streik bei den Fluglotsen, dazu ein verpatzter Fernsehauftritt, bevor der Präsident zum Besuch nach Guyana aufbrach. Neun Monate nach seiner Wahl hat Präsident Sarkozy an Strahlkraft eingebüßt, in den Umfragen dieser Woche ist er erneut abgerutscht. Nun läuft ihm ausgerechnet die eigene Regierungspartei aus dem Ruder. Und vier Wochen vor den Kommunalwahlen gab es dann auch noch Hauen und Stechen um die Kandidatenkür für Neuilly - jenem Pariser Nobelvorort, wo Sarkozy mehr als ein Jahrzehnt als Bürgermeister regierte.

Nein, das wollen wir nicht wissen, was uns interessiert, sind auch nicht die abgrundtiefe Kluft der Handelsbilanz oder die sprunghaft gestiegenen Einkommen in den Führungsetagen der französischen Aktienunternehmen. Nein, Vorhang auf für Carla und, so "L'Express", die "mit Ungeduld, von manchen gar mit ein bisschen Angst erwarteten Äußerungen".

Es sind tiefe Einblicke in den Kosmos aus Kunst und Politik, "eine Welt, in der man sich mit den wesentlichen Dingen befasst, die das Leben der Menschen beeinflusst". Die Politik "weckt primitive Triebe", wo Kunst und Bild "subtiler, raffinierter und zivilisierter" wirken. Nein, keine Gefahr für die Zweisamkeit: "Ich hänge mich an eine stärkende, wunderbare Intimität, so wunderbar, wie der Rest manchmal grausam ist."

Die Liebe besiegt alles. Deshalb ging auch alles ein bisschen schnell, "unmittelbar": "Die Liebenden haben ihr eigene Zeit. Unsere ist 'up tempo'". Und deshalb haben sie sich das Ja-Wort gegeben, im Élysée. "Egal wie das Dekor war, es war eine richtige Hochzeit, eine Hochzeit für uns. Wir haben uns das Ja-Wort gegeben und alles war sonnig."

Freimütiges Geplauder, zerknirschte Entschuldigung

Ja, und dann sind da noch die Medien, die alles verderben. Die Internet-Seite des "Nouvel Observateur" verbreitete, Sarkozy habe noch eine Woche zuvor seiner Ex-Frau Cécilia per SMS-Botschaft die Rückkehr angeboten. Das sind die "neuen Mittel der Desinformation". Da ist ein historischer Vergleich geboten: "Wenn diese Art von Web-Seiten schon während des Krieges existiert hätten, wohin wäre es dann mit den Denunzierungen gegen die Juden gekommen?"

Schon heute musste sich Bruni öffentlich für diese Bemerkung entschuldigen - offenbar verfügte sie nicht über die nötige diplomatische Sensibilität, um abzusehen, welche empörte Reaktionen dieser Vergleich französischer Medien mit der "Kollaborationspresse" hervorrufen würde. "Wenn ich jemanden verletzt habe, dann tut es mir sehr leid", teilte Burni zerknirscht mit. "Ich wollte nur alles Schlechte zum Ausdruck bringen, das ich über diese Angriffe auf Menschen denke, durch welche die Berichterstattung beschädigt wird. Und zur Gefahr, die sie für die Republik darstellen."

Ihre neue Rolle - "das große Abenteuer, den Mann zu begleiten, der Frankreich dirigiert" -, hat sich Bruni vorgenommen wie ein Drehbuch: Denn sie ist zwar "nicht besonders mutig", aber "fleißig" und natürlich "ernsthaft". Daneben arbeitet Carla natürlich weiter an ihrer neuen CD, die demnächst auf den Markt kommen wird - mit ein paar Auftritten in Paris, allerdings ohne Tournee und die Profite aus dem Album sollen einem guten Zweck zugutekommen.

Immerhin, der Élysée gefällt ihr, "heimelig wie ein Kokon" empfindet sie die Pracht - da hilft es wohl, dass Carla selbst in nicht ganz schlichtem Ambiente aufgewachsen ist. Und außerdem ist es ja ihr neues gemeinsames Heim mit Nicolas. Der ist innerhalb seiner vier Regierungswände natürlich ganz anders, "einzigartig und nicht reduzierbar auf sein Bild", "unkonventionell wie François Mitterrand". Ein Mann eben mit "geistiger Geschmeidigkeit", der zuhören kann und in seinen Meinungen beeinflussbar ist. "Er ist ein bewegter Mann, der nur nach vorne gehen will, das Leben an seiner Seite steuert immer auf ein bestimmtes Ziel und wird nach seinem Mandat sicher noch schöner sein."

Was nun nicht heißen soll, dass Nicolas sich wegen seiner neuen Liebe nicht mehr den Regierungsgeschäften widmet. Nein, Nicolas kann beides gleichzeitig: Arbeiten "rund um die Uhr", das kann Carla bestätigen. Aber bitteschön - "ich glaube nicht, dass das Glück eines Mannes seiner Effizient schadet".

Und nun ist ja auch noch Carla da, um zu helfen, Carla, in ihrer schlichten Selbsteinschätzung: "Ich bin 40, normal, ernsthaft, bewusst, einfach, selbst wenn ich ein bisschen privilegiert bin." Carla, die von sich sagt, dass sie "stolz" ist, Nicolas geheiratet zu haben. "Und ich bin auch stolz und glücklich, die First Lady Frankreichs zu sein."

Ja, natürlich. Das Medium ist die Botschaft. Und sie fällt punktgenau auf den 14. Februar, den Valentinstag. So jedenfalls war es geplant. Aber dann haben die Journalisten vom "L'Express", wohl nur um richtig von ihrem Scoop zu profitieren, das Heft doch glatt schon 24 Stunden früher ausgeliefert. Für Nicolas keinen Tag zu spät.

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03.04.2008 von Crossmember:

An den Taten wird man sie erkennen... Es wird ohnehin viel zu viel gelabert und viel zu wenig getan - ist ganz so wie bei uns zuhause. Ich meine, soll er doch - und wenn er sie auch noch so beglückt, wie es in einigen [...] mehr...

31.03.2008 von Diogenius:

Hm. über Frau Merkels Gatten (kennt jemand zufällig den Namen?) gibt es wohl nichts Interessantes zu berichten? Klatsch ist doch ganz nett, warum nicht. Vielleicht war der ja mal im Doping-Programm der Sportelite. Oder mit Jerry [...] mehr...

27.03.2008 von blue_plasma: Selbstdarsteller...

Ich finde es schon recht "amüsant" (eigentlich lächerlich) zu sehen wie Sarkozy sich durch die internationale Politik strampelt. Er biedert sich an (kann mir nicht helfen, aber bei ihm wirkt's wie ein Gebrauchtwagenhändler auffem [...] mehr...

27.03.2008 von britta:

Dr. Sommer würde sagen, tragen Sie Schuhe mit Absätzen und Ihre Frau am besten flache Schuhe, so wie es das besagte Präsidentenpaar auf ihrer England-Visite auch getan hat. So ist der kleine Unterschied zumindest optisch ein [...] mehr...

27.03.2008 von bico: Kurze und lange Beine

Die Frage sollte eigentlich lauten, ist Sarkozy ein Glücksfall oder ein Fehltritt für den Elyséepalast. Dies würde ich eher vom SPIEGEL erwarten Nun ist ihre Fragestellung halt anders und Britta hat eine schöne Diskussion [...] mehr...

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