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04.03.2008
 

Beinahe-Crash in Hamburg

24-Jährige steuerte Airbus beim Landeanflug

Beim spektakulären Sturm-Landeversuch eines Airbus in Hamburg hat die junge Co-Pilotin die Maschine gesteuert. Das dramatische Durchstart-Manöver, das ein Unglück verhinderte, nahm dann der erfahrene Flugkapitän vor. Experten diskutieren nun, wer für den Beinahe-Crash verantwortlich ist.

Braunschweig - Warum Pilot Oliver A. seiner unerfahrenen Kollegin Maxi J. den Landeanflug während des Orkans "Emma" erlaubte, ist noch unklar. Ein Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach der 39-Jährige der jungen Kollegin die Landung überließ. Das anschließende Durchstart-Manöver, mit dem ein folgenschweres Unglück verhindert wurde, nahm dem Sprecher zufolge dann der Flugkapitän vor.

Der Rollentausch zwischen Pilot und Co-Pilot ist in einem Verkehrsflugzeug nicht außergewöhnlich. In der Regel übernimmt einer der beiden Piloten die Steuerung des Flugzeuges, der andere koordiniert den Funkverkehr. Für Co-Piloten gelten außerdem die gleichen Trainingsstandards wie für Kapitäne. Sie müssen alle Manöver genauso gut beherrschen. Ein Sprecher der Lufthansa wollte den Bericht mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.

Der mit 131 Passagieren besetzte Flieger aus München war am Samstag beim Landeanflug kurz vor dem Aufsetzen von einer starken Windböe erfasst worden und ins Schlingern geraten. Ein Flügel berührte mit der äußersten Spitze den Boden, ehe die Maschine durchstarten und auf einer anderen Piste des Flughafens sicher landen konnte. Die Passagiere blieben laut Lufthansa unverletzt, einige erlitten jedoch einen Schock.

Für die Beinahe-Katastrophe mit einem Airbus 320 sind nach Einschätzung der Vereinigung Cockpit weder die Piloten noch die Flugsicherung oder der Flughafen verantwortlich zu machen. "Ich sehe nach derzeitigem Kenntnisstand keinen, der eine Schuld hat", sagte deren Sprecher Markus Kirschneck. Damit wies er Spekulationen zurück, die Piloten hätten beim ersten Versuch die falsche Landebahn genutzt.

Nach Einschätzung Kirschnecks waren alle Bedingungen für den Landeanflug in Ordnung. Die angeflogene Landebahn 23 verfüge zudem über ein Instrumentenanflugsystem, das gerade bei starken Winden für eine Landung von Vorteil sei.

Nicht in der Verantwortung sieht sich die Deutsche Flugsicherung (DFS). "Der Pilot hatte die Wahl zwischen beiden Bahnen", bekräftigte DFS-Sprecher Axel Raab am Dienstag in Langen. Zwar sei die von dem Piloten genutzte Landebahn 23 zum Zeitpunkt des Vorfalls die Standardlandebahn gewesen. Mündlich sei dem Piloten aber auch die Nutzung der Landebahn 33 angeboten worden.

Nach Angaben der DFS waren zum Zeitpunkt des Landeversuchs die Seitenwindverhältnisse auf beiden Bahnen gleich. Den Angaben zufolge herrschten Seitenwinde von etwa 45 Kilometern pro Stunde. Der Airbus A320 sei für Landungen bei Seitenwinden bis zu 55 Stundenkilometern zugelassen.

Auch die Lufthansa bekräftigte am Dienstag, die Besatzung habe sich richtig verhalten. Die Landebahn werde in der zivilen Luftfahrt von der Flugsicherung zugewiesen, die Piloten hätten aber nach Abwägung aller Faktoren die letzte Entscheidung, ob sie die Landebahn auch nutzen, sagte ein Sprecher in Frankfurt.

han/AFP/dpa

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