Tirana - Zunächst war von mindestens 150 Verletzten die Rede, nun befürchten die albanischen Behörden etliche Todesopfer: Bei einer gewaltigen Explosion, die am Mittag einen albanischen Militärstützpunkt vor den Toren der Hauptstadt Tirana erschüttert hat, sind möglicherweise Dutzende Menschen ums Leben gekommen.
Eine Sprecherin des albanischen Premierminister Sali Berisha sagte, drei Teams von jeweils 21 Personen hätten zum Zeitpunkt der Explosion am Ort der Katastrophe gearbeitet, darunter mehrere US-Bürger. "Wir haben keine genauen Opferzahlen. Aber wir befürchten das Schlimmste", sagte die Sprecherin. Die Menschen könnten getötet oder schwer verletzt worden sein. Berisha selbst sprach von einer "beträchtlichen" Zahl an Toten. Zuvor hatte Gesundheitsminister Nard Ndoka erklärt, es seien mindestens 155 Menschen verletzt worden. Die US-Botschaft konnte die Anwesenheit von US-Personal auf der Basis zunächst nicht bestätigen.
Die Explosion ereignete sich in der Ortschaft Gerdek, rund zehn Kilometer nördlich von Tirana, sie war auch in der Hauptstadt selbst, dem Seebad Durres und im benachbarten Mazedonien zu spüren. Über eine Stunde lang wurde das Waffendepot immer wieder von Detonationen erschüttert.
Auslöser sei vermutlich die Demontage von Munition gewesen, sagte Premier Berisha im albanischen Fernsehen. Hubschrauber seien auf dem Weg zu dem Stützpunkt nahe Tirana, um Anwohner aus der Gefahrenzone zu bringen. Die Lage sei "sehr ernst und sehr alarmierend". Hinweise auf einen Anschlag gibt es laut Polizei nicht.
Die Verletzten wurden in nahe liegenden Krankenhäusern behandelt. Medienberichten zufolge erlitten die meisten Betroffenen Verbrennungen, Gehirnerschütterungen, Knochenbrüche oder Verletzungen durch Glassplitter.
Ein Reuters-Kameramann berichtete, verängstigte Menschen seien zu Fuß auf der Autobahn vor den Explosionen geflohen. Autos mit zersplitterten Fenstern seien zurückgeblieben. Ein AFP-Korrespondent berichtete, viele Frauen und Kinder seien blutüberströmt in das Militärkrankenhaus von Tirana eingeliefert worden. Ein Arzt sprach von "Opferzahlen wie im Krieg".
Eine Sprecherin des Flughafens teilte mit, es seien mehrere Fenster zu Bruch gegangen. Passagiere seien in Sicherheit gebracht und Flüge kurzzeitig verschoben worden.
phw/Reuters/AP/dpa/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH