Washington - Als der rote Teppich für den hohen Besuch ausgerollt wurde, stand George W. Bush schon auf der US-Luftwaffenbasis Andrews nahe Washington und wartete. Mit einer Allitalia-Maschine landete Papst Benedikt XVI. auf dem Flughafen, am Cockpit flatterten die Fahnen der USA und des Vatikan.
Es dauerte, bis der Papst aus der Maschine trat - als er die Stufen herunterlief, wurde der Papst von lautem Jubel vieler Anhänger begleitet. Dann begrüßten US-Präsident Bush, dessen Frau Laura und Tochter Jenna den Gast. Bei der Begrüßung wurden keine Reden gehalten. Anschließend fuhr der Papst in einer geschlossenen Limousine zur Nuntiatur, wo er die Nacht verbringen wollte.
Zum Auftakt seines USA-Besuchs wird Papst Benedikt XVI. am Mittwoch mit militärischen Ehren im Weißen Haus empfangen. Zu der Willkommenszeremonie von Präsident George W. Bush im Garten des Amtssitzes sind etwa 10.000 Menschen geladen, zu Ehren des Kirchenoberhaupts sollen 21 Salutschüsse abgefeuert werden. Vorgesehen ist, dass sich der Papst und der Präsident nach der Zeremonie zu Beratungen zurückziehen.
Unklar war zunächst, ob der Papst dabei kontroverse Themen wie den Irakkrieg oder die Todesstrafe offen ansprechen wird: Der Vatikan lehnt den Irakkrieg strikt ab und hat sich auch immer wieder gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Kurienkardinal Raffaele Renato Martino hatte noch kürzlich klargestellt, dass der US-Besuch Benedikts keinesfalls als Rückendeckung des Vatikans für Bushs Irakpolitik missverstanden werden dürfe.
Es ist erst der zweite Besuch eines Papstes im Weißen Haus. Vorgänger Johannes Paul II. war 1979 von Präsident Jimmy Carter empfangen worden. Am Nachmittag will Benedikt XVI. in der US-Hauptstadt vor 50.000 Gläubigen eine Freiluftmesse zelebrieren. Am Freitag reist Benedikt nach New York weiter, wo er unter anderem vor den Vereinten Nationen reden wird. Außerdem wird der Papst am "Ground Zero" in New York für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 beten.
Es ist der erste US-Besuch von Benedikt XVI. seit Beginn seines Pontifikats. Schon kurz vor seiner Ankunft bezog der Papst deutliche Position zum wohl schwierigsten Thema der Reise: An Bord der päpstlichen Maschine äußerte sich Benedikt XVI. zu Missbrauchsfällen, die in der Vergangenheit die katholische Kirche in den USA erschüttert haben. "Wir empfinden tiefe Scham", sagte das Kirchenoberhaupt laut einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Die Kirche werde ihr Möglichstes tun, um die von pädophilen Priestern verursachten Wunden zu heilen, sagte der Papst. Zudem solle dafür gesorgt werden, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholten. "Wir werden Pädophile vom Priesterdienst absolut ausschließen", sagte der Papst.
Pädophilie sei vollkommen unverträglich mit dem Priesteramt, sagte der Papst demnach weiter. Es sei besser, gute Priester zu haben, als viele Priester zu haben. Im Verlauf des sechstägigen Besuchs in den USA will der Papst auch zu den Missbrauchskandalen Stellung nehmen, die die katholische Kirche in dem Land in eine tiefe Krise gestürzt hatten. Den Opfern wurden Entschädigungen in Höhe von mehr als drei Milliarden Dollar gezahlt.
hen/AFP/dpa
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