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16.04.2008
 

Papst in Washington

Hirte trifft Cowboy

Aus Washington berichtet Alexander Schwabe

2. Teil: Wie der Papst auf seiner ersten USA-Reise Politik macht

Nicht zuletzt um für diesen Konflikt gerüstet zu sein, umgibt sich Benedikt gerne mit konservativen Politikern. Er trifft sich lieber mit Berlusconi als mit Zapatero, lieber mit Bush als mit Lula. Auf das Geschäft der Tagespolitik nimmt er dabei in seinem Umfeld wenig Rücksicht. Etwa lud er zum Missmut vieler Italiener vor zwei Jahren mitten in der heißen Wahlkampfphase führende Mitte-rechts-Politiker zu sich ein. Neben Silvio Berlusconi den Senatspräsidenten und Forza-Italia-Spitzenpolitiker Marcello Pera, mit dem er das Buch "Ohne Wurzeln. Der Relativismus und die Krise der Europäischen Kultur" herausgebracht hatte. Im gerade beendeten Wahlkampf in Italien scheute sich Benedikt auch nicht, den (unterlegenen) Mitte-links-Kandidaten Walter Veltroni zu brüskieren, indem er den früheren Bürgermeister von Rom angesichts der Missstände in der Stadt öffentlich rügte.

Auch auf seinem sechstägigen USA-Besuch, seiner achten Auslandsreise seit Amtsantritt, macht Benedikt Politik - auch wenn sie der Vatikan als reinen Pastoralbesuch zu verkaufen sucht. Mit dieser Visite bricht der Heilige Stuhl mit einer Tradition, sich in Wahljahren fernzuhalten. Selbst wenn er nicht direkt in den Wahlkampf eingreifen wird - es gibt keine Treffen mit den möglichen Kandidaten Hillary Clinton, Barack Obama und John McCain - so wird er durch seine bloße Anwesenheit in Washington und New York (von seinen Reden zu schweigen) Werbung für den "pro life"-Republikaner McCain machen und dem Demokratenlager Wähler abspenstig machen, haben sich doch Clinton und Obama in der Abtreibungsdebatte für eine Wahlmöglichkeit der Frau ausgesprochen.

Der Vorliebe Benedikts zu rechten Politikern entspricht bei Bush die Zuneigung zum Pontifex - auch aus persönlichen Gründen. Denn Bush verdankt dem Mann in der weißen Robe nicht weniger als seine zweite Amtszeit. Der Pulitzerpreisträger Jack Miles ("Gott. Eine Biographie") hat bereits 2005 analysiert: Bush ist Präsident von Ratzingers Gnaden. Bei der letzten Präsidentschaftswahl trat der Methodist Bush gegen den Katholiken John Kerry an. Doch der damalige Vorsitzende der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, griff den Katholiken an, nicht den Protestanten.

Ratzinger hatte während des Wahlkampfs einen Brief an die amerikanischen Bischöfe geschrieben, in dem er sie aufforderte, jedem katholischen Kandidaten, der nicht für ein Abtreibungsverbot eintrat, die Kommunion zu verwehren. Und nicht nur der Kandidat Kerry, sondern jeder, der ihm seine Stimme gebe, mache sich der "förmlichen Mitwirkung am Bösen schuldig".

Geburtstagsparty im Weißen Haus

Das Ergebnis: "geringfügige Verschiebungen in der Wählerschaft" mit "enormen Konsequenzen", so schrieb Miles in der "FAZ". Diese Verschiebungen reichten aus, um die Wahl zu entscheiden: "Drei Staaten - Ohio, Iowa und New Mexico - stellten sich dank der Stimmen der katholischen 'Gläubigen' auf die Seite Bushs." Andernfalls hätte Kerry, so der politische Kommentator Sidney Blumenthal, "eine Mehrheit von einer Million Stimmen gehabt".

Insofern kann die gigantische Party mit 12.000 Geladenen, die Bush für Benedikt heute Nachmittag (MEZ) zu dessen 81. Geburtstag im Garten des Weißen Hauses schmeißt, durchaus als Dankesgeste gesehen werden. Bush weiß: Diesem Gast verdankt er in doppeltem Sinne, dass er der Gastgeber ist. Die unterschiedliche Haltung Washingtons und des Vatikan zum Irak-Krieg, zur Todesstrafe und zu einem fairen Umgang mit dem Milliardenheer der Armen auf dieser Welt sollte der vorzüglichen Stimmung keinen Abbruch tun.

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