Bangkok - Die burmesische Botschaft ist schon von weitem gut zu erkennen. Gut hundert Menschen haben sich an diesem Mittwochmorgen vor dem schmucklosen Gebäude versammelt - schon eine Stunde vor Öffnung des grauen Stahltors. Sie fächeln sich mit ihren Papieren Luft zu und warten geduldig, bis das weitgehend abgeschottete Land wenigstens einmal eine Tür öffnet - und sei es nur die zu seiner diplomatischen Vertretung hier in Bangkok.
Unter den Wartenden finden sich nicht wie sonst hauptsächlich Touristen. Die meisten tragen offizielle Papiere von Hilfsorganisationen bei sich, vom Roten Kreuz, von SOS International oder dem World Food Program (WFP). Alle brauchen ein Visum, um endlich den Opfern des Zyklons in Burma helfen zu können. Weltweite Hilfe, das wird hier deutlich, steht bereit - doch Burma weigert sich weiter, seine Grenzen zu öffnen.
Als sich die Pforte gegen 9 Uhr endlich aufschiebt, bricht Chaos aus. Dicht aneinander stürmen die Antragsteller in den kleinen Vorraum der Botschaft, greifen nach den Formularen, die auf dem Tresen vor einem vergitterten Fenster mit vier Schaltern liegen. Nichts zeugt hier von der Katastrophe in Burma. Noch immer schillern auf Postern traumhafte Touristenziele und werben für einen Ausflug ins Nachbarland.
Die Botschaftsangestellten lassen keine Eile erkennen. Mit nur drei Mitarbeitern, die sich immer wieder von den Schaltern zurückziehen, nehmen sie die Anträge entgegen, sortieren Journalisten mit einschlägigen Medienvisa dritter Länder sofort aus. Wem bei der Antragstellung ein Papier oder ein Passfoto fehlt, wird ebenfalls wieder zurück ans Ende der Schlange geschickt.
Kaum Bilder aus Burma, nur wenige Reporter im Land
Besonders die Einreise von Journalisten versucht das burmesische Regime, mit allen Mitteln zu verhindern. Jeder Antragsteller wird noch bei Abgabe der Papiere an einem Nebentisch über Google gescannt. Wer als Schreiberling in der Suchmaschine auftaucht, bekommt seine Papiere sofort samt eines Zettels mit der Telefonnummer des Informationsministeriums zurück.
Die restriktive Politik hatte bisher aus Sicht des Regimes einen zynisch anmutenden Erfolg - es gibt kaum Bilder aus Burma und nur sehr wenige Reporter im Land, die das Ausmaß der Katastrophe beschreiben können. Das, so scheint das Kalkül zu sein, soll spätestens bis Anfang der Woche so bleiben. Am Samstag führt die Junta ein Referendum über eine neue Verfassung durch - zusehen soll dabei niemand.
So stark wie Burma haben sich bisher nur wenige autokratische Regime nach einer Katastrophe abgeschirmt. Selbst in Iran, sonst nicht gerade ein offenes Land für Reporter, öffnete die Regierung nach dem schweren Erdbeben in Bam im Jahr 2003 die Grenzen, um Berichterstatter hineinzulassen. Das Prinzip, dass Berichterstattung auch Spenden und Hilfe bringt, scheint für Burma jedoch nicht zu zählen.
"Wir stehen bereit, wollen helfen - und müssen warten"
Mehr als 22.000 Tote in Burma selber, Zehntausende Vermisste und ein vollkommen zerstörtes, ausgehungertes Land: All das scheint die Militär-Junta noch immer nicht dazu zu bewegen, die Grenzen wenigstens für die internationale Hilfe endlich zu öffnen. Zwar gehen seit zwei Tagen wieder regelmäßig Flüge von Bangkok nach Rangun, doch die meisten Helfer haben bis heute kein Visum erhalten.
"Es ist frustrierend", klagt ein Mitarbeiter von SOS International. Zwei Stunden hat er in der Botschaft diskutiert, um Nachsicht gebeten und am Ende geflucht. "Wir stehen hier bereit, wollen helfen und haben unsere Hilfsgüter schon gepackt", berichtet der erfahrene Katastrophenhelfer, "doch wir müssen weiter warten". Sowas, knurrt er, sei ihm in all den Jahren als Krisenhelfer noch nie passiert.
Doch das Fluchen und Betteln nützt nichts. Stur weigerten sich die Botschaftsmitarbeiter, bei der Visavergabe etwas zügiger zu arbeiten. Teilweise beschieden sie den Helfern vor den Schaltern, sie müssten Faxe ihrer Organisationen und Genehmigungen aus Burma vorlegen. Da dort jedoch so gut wie kein Stromnetz mehr funktioniert, ist dies unmöglich.
So absurd es sich anhört: Die Beamten in der Botschaft verfahren nach dem Prinzip "Dienst nach Vorschrift". Freundlich aber bestimmt versichern sie allen Antragstellern, dass sie vor Montag keine Visa ausstellen könnten. Angeblich, so einer der Männer, habe man am Mittwoch eine besondere Anweisung des Außenministeriums bekommen, die dies festgelegt habe.
Sollte die Aussage der Botschaft stimmen, würde sich die internationale Hilfe für Burma eklatant verspäten. Zwar verteilen lokale Helfer bereits Essen aus Lagern und die Ladung von zwei Flugzeugen aus Thailand - doch für Millionen Menschen, die von dem Zyklon betroffen sind, wird diese Hilfe nicht ausreichen.
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