Im März 2008 wurde ein Zementbauteil, das die Asche des mit 93 Jahren verstorbenen Bert Kilbride enthielt, dreieinhalb Meilen vor Key Biscayne im Atlantik versenkt. Taucher befestigten Kilbrides seltsame Urne oben auf dem Haupttor eines noch seltsameren Ortes: Das Neptune Memorial Reef ist wohl der eigentümlichste Friedhof der Welt.
Bereits seit November 2007 finden dort, in einer Tiefe von rund 15 Metern, Beerdigungen statt - wenn man das so nennen will. Die Neptune Society, ein US-amerikanisches, auf Einäscherungen spezialisiertes Beerdigungsunternehmen, baut unter Wasser das größte künstliche Riff der Welt - und hat bereits jetzt einen verwunschen wirkenden Ort geschaffen.
Teil des Konzeptes ist, unter Wasser einen richtigen Friedhof mit Toren, Bänken, Gebäuden, Grabmalen, Statuen und Ornamenten zu erschaffen. Ein halbes Jahr nach Eröffnung, meldet das Unternehmen, ziehe der Ort bereits zahlreiche Fische an - und viele Hobbytaucher.
Auch das ist Teil des Konzeptes. Das Unternehmen besteht darauf, mit dem Unterwasser-Friedhof einen wirklichen Ort des Gedenkens schaffen zu wollen - aber einen, den man gern besucht. Alles geschehe in Würde, das Memorial sei ungewöhnlich, aber ein Friedhof. In der ersten Bauphase bietet das Memorial Platz für 850 Bestattungen. Irgendwann einmal sollen dort aber bis zu 125.000 Menschen ihre letzte Ruhe finden.
Ungewöhnlich viel Zustimmung
Zu 90 Prozent entstehen die Bauteile des Friedhofs aus mit Asche vermengten Beton. Akzente setzen die Macher mit Skulpturen aus Bronze. Billig ist das alles nicht, Bestattungen kosten zwischen 1000 und 6500 Dollar. Dafür bekommen die verblichenen eine Ruhestätte mit Ruhe- und Ewigkeitsgarantie: Die Konstruktion ist darauf ausgelegt, Jahrhunderte zu überdauern.
Nach anfänglichen Problemen, überhaupt eine Genehmigung für das Projekt zu bekommen, gibt es nun Beifall von Behörden, Umweltschützern, Tourismusverbänden und Tauchschulen - auch das eine Konstellation, die ihresgleichen suchen dürfte bei einem Bauprojekt dieser Größe.
Auch den Verbliebenen der bisher bestatteten scheint es zu gefallen. Der Nachrichtenagentur AP sagte Gary Kilbride, Sohn des im März versenkten Bert Kilbride, der einst als ältester Taucher der Welt einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde bekommen hatte: "Ich glaube, er würde sich geehrt fühlen. Er war jemand, der sich sein Leben lang mit dem Meer verbunden fühlte."
pat/AP
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