Bogalay - Vor der Küste von Burma ist am Sonntag ein Schiff des Roten Kreuzes gesunken, das Reis und Trinkwasser in die Krisenregion liefern sollte. Es war der erste Schiffstransport, der eine Genehmigung erhalten hatte, Hilfsgüter auf dem Seeweg ins Land zu bringen.
"Das ist ein schwerer Verlust für das Rote Kreuz von Myanmar", sagte Aung Kyaw Htut, der die Hilfslieferungen der örtlichen Dependance koordiniert. Der internationale Koordinator des Roten Kreuzes, Michael Annear, bezeichnete die Havarie als "schweren Schlag": "Abgesehen von der Verzögerung, den Menschen die Hilfsgüter zukommen zu lassen, müssen wir nun erst einmal sehen, wie wir diese transportiert bekommen."
Das mit vier Katastrophenhelfern besetzte Boot, die sich alle retten konnten, war auf einer zwölfstündigen Fahrt von Yangon nach Mawlamyinegyun, als es kurz vor der Ankunft direkt vor der Küste auf einen unter der Wasseroberfläche treibenden Baum auffuhr. Das Boot schlug leck und sank.
Geladen hatte es hundert Säcke Reis, Trinkwasser und Wasser-Reinigungstabletten, die Ladung war als Notversorgung für tausend Menschen gedacht.
Trinkwasser, warnen alle Hilfsorganisationen, könnte in den nächsten Tagen zu einem echten Problem werden: Mehrere Organisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe, wenn Krankheiten beginnen, sich zu Seuchen auszubreiten. Am Sonntag erhöhte die Militärjunta von Burma die Schätzungen der Opferzahlen auf offiziell 28.458. Hilfsorganisationen gehen von einer weit höheren, eventuell bereits sechstelligen Zahl aus.
Seuchen könnten mehr Opfer fordern als der Sturm
Die britische Organisation Oxfam hält bis zu 1,5 Millionen Menschen für akut bedroht, wenn sich Durchfallerkrankungen, Dengue-Fieber, Malaria und andere Krankheiten verbreiten sollten. "Es ist von höchster Wichtigkeit", sagte Sarah Ireland, die Sprecherin von Oxfam in Thailand, "dass die Menschen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen bekommen, um unnötiges Leiden und Tote zu vermeiden."
Nach wie vor weigert sich das Militärregime, ausländische Hilfsorganisationen ins Land zu lassen. Die wenigen Hilfsgüter, die bisher ins Land geflogen wurden, will die Junta selbst verteilen lassen. Dazu aber, glauben Hilfsarbeiter, sei seien die Militärs gar nicht in der Lage, weil ihnen die nötige Infrastruktur fehle. Die britische Kinder-Hilfsorganisation Plan geht davon aus, dass jede Stunde ein Flug mit Hilfsgütern in Yangon landen müsste, um den Bedarf zu decken. Der dortige Flughafen habe aber nur die Kapazität, etwa fünf Flieger am Tag zu entladen.
"Was die Logistik angeht", heißt es in einem aktuellen Statement von Plan, "sieht die Lage düster aus. Zusammengefasst verfügen sie über einen verstopften Flughafen, der nicht dafür ausgerüstet ist, die hereinkommenden Güter abzuwickeln, keinen Hafen, rationiertes Benzin und keine Lastkraftwagen."
pat/AP
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