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12.05.2008
 

Burma bittet um Hilfe

Militärjunta öffnet Hafen für Hilfsgüter

Zehn Tage nach dem tödlichen Wirbelsturm "Nargis" lässt die Militärjunta in Burma erstmals im großen Stil ausländische Helfer ins Land. Der Hafen und Flughafen von Rangun wurde geöffnet. Die Uno warnt: Bisher erhalten die Sturmopfer nur ein Fünftel der benötigten Hilfsgüter.

Rangun - Über eine Woche, nachdem der Wirbelsturm "Nargis" das Land verwüstet hat, hat die Militär-Junta von Burma erstmals um Hilfe im großen Stil gebeten. Die Generäle hätten andere Länder darum gebeten, Schiffe mit Hilfsgütern nach Rangun zu schicken, sagte ein thailändischer Regierungssprecher am Montag. Dafür öffneten die Machthaber, die bisher jede Hilfe von außen abgelehnt haben, erstmals auch den Hafen der ehemaligen Hauptstadt Rangun.

Außerdem erlaubte die burmesische Regierung auch Hilfsflüge, am Montag landete erstmals ein US-Flugzeug mit Hilfsgütern für die Katastrophenopfer. Die Maschine, die von einem thailändischen Militärstützpunkt aus startete, hat Wasser, Moskitonetze und Decken geladen. Mindestens zwei weitere sollen im Laufe des Tages folgen.

Das allerdings ist immer noch viel zu wenig: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) geht davon aus, dass täglich bis zu 375 Tonnen an Lebensmitteln in den betroffenen Gebieten gebraucht würden. "Momentan schaffen wir aber noch nicht einmal 20 Prozent davon", sagte WFP-Sprecher Marcus Prior in Bangkok.

Grund für Gesinnungswechsel ist Verfassungsreferendum

Bislang hatte die Militärregierung ausländische Hilfe nur sehr restriktiv angenommen und vor allem keinerlei ausländische Helfer ins Land gelassen. Weltweit war dieses Verhalten auf massive Kritik gestoßen, da schätzungsweise 100.000 Menschen durch den Wirbelsturm ums Leben kamen. Außerdem wurden weit über eine Million Menschen obdachlos, im ganzen Land fehlt es an Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und Medikamenten. Hilfsorganisationen warnen seit Tagen eindringlich vor einer zweiten Todeswelle, sollten nicht schnellstmöglich Helfer ins Land gelassen werden.

Ein Grund für den plötzlichen Gesinnungswechsel könnte das Ende des umstrittenen Verfassungsreferendums sein, das die Militärregierung trotz der katastrophalen Lage im Land am Samstag abhalten ließ: In den meisten Landesteilen mussten die Menschen über das 194 Seiten umfassende Dokument abstimmen, mit dem die Junta ihre Macht zementieren will. Nur in den besonders schwer betroffenen Gebieten wurde das Referendum um zwei Wochen verschoben.

Tatsächlich hat auch der burmesische Minister für Planung und wirtschaftliche Entwicklung, Soe Tha, inzwischen eingeräumt, dass zehn Tage nach dem verheerenden Zyklon noch immer betroffene Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten seien. Es gebe noch immer "einige wenige Gegenden", in welche die Zuständigen nicht vordringen könnten, sagte er laut der staatlichen Zeitung "New Light of Myanmar" vor ausländischen Diplomaten. In überschwemmten Gebieten, wo Hubschrauber nicht hätten landen können, seien Hilfsgüter abgeworfen worden.

Regen wird zu Trinkwasser

Wie viele internationale Helfer ins Land dürfen, ist aber immer noch unklar. Einige Hilfskräfte seien auch in die am schwersten betroffenen Gebiete hineingelassen worden, sagte Alexander Richter vom Johanniter-Hilfswerk aus Rangun am Sonntag in einem Telefoninterview der AP. Auch deutsche Mitarbeiter der Johanniter hätten die Militärkontrollen passieren können.

Thailand will die plötzliche Offenheit auf jeden Fall nutzen und vor allem Schiffe mit Baumaterial zum Wiederaufbau in den Hafen nach Rangun schicken. Außerdem werde man dem Nachbarland am Mittwoch über den Seeweg 480.000 Liter Treibstoff schicken, sagte ein Regierungssprecher.

Im besonders schwer betroffenen Irrawaddy-Delta haben inzwischen Hunderte Menschen in Klöstern Schutz gesucht, wo sie auf dem Fußboden schlafen. Andere übernachteten im Freien und tranken das schmutzige Wasser, das mit Fäkalien oder Kadavern verseucht war. "Bisher haben wir genug Wasser, weil wir Regen aufgefangen haben", sagte der Abt eines Klosters in Pyapon, U Patanyale. "Aber wir haben nichts mehr zu essen."

Menschen mit gebrochenen Knochen, entzündeten Wunden

Das Delta an der Südküste gleicht einem riesigen Ödland aus Schlamm. "Die Situation ist völlig außer Kontrolle", berichtet der Arzt Saw Simon Tha in einem Krankenhaus, das versucht, Tausende Verzweifelte zu versorgen. Hunderte liegen dort dicht gedrängt und oft nur noch halb bei Bewusstsein auf dem Boden, wie heimlich gemachte Filmaufnahmen der BBC zeigen. Viele Menschen kommen mit gebrochenen Knochen und inzwischen schwer entzündeten Wunden. "Wir haben unzählig viele Patienten und keine Medikamente", erzählt der Arzt.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die schon seit 1992 in Burma hilft, ist mit rund hundert Mitarbeitern im Delta unterwegs und hat es geschafft, etwa 50.000 Opfer zu erreichen. Die Region ist schwer zugänglich. Erst werden Planen, Reis und medizinische Ausrüstung mit Lastern transportiert, dann müssen die Helfer auf Boote und schließlich auf Motorräder umsteigen. "Das muss alles so schnell wie möglich gehen", erklärt Vize-Programmkoordinatorin Juli Niebuhr in Rangun. Die Hilfsgüter kommen bei den Notleidenden im Delta an, versichert sie.

Rund um die Uhr werden in Rangun Planen zurechtgeschnitten, die ins Krisengebiet gebracht werden. Was Niebuhr bisher von ihren Kollegen aus dem Delta gehört hat, klingt verheerend. "Viele Dörfer sind völlig verschwunden", erzählt sie. Oft haben nur fünf bis zehn Bewohner überlebt. "In Gebieten, die nicht überschwemmt sind, ist der Sturmschaden groß." Bislang gebe es zwar keine Anzeichen für Epidemien, das Risiko bestehe aber.

sam/dpa/Reuters/AFP

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