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12.05.2008
 

Burma

Uno-Generalsekretär zornig über schleppende Hilfe

Heute, zehn Tage nach dem tödlichen Wirbelsturm "Nargis", landeten die ersten Flugzeuge in Burma: Viel zu spät, echauffiert sich Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Zudem kritisiert er die strengen Auflagen der Junta, mit denen die Hilfsorganisationen zu kämpfen haben.

Rangun - Die regierende Militärjunta hat ihren Widerstand nur zum Teil aufgegeben: Sie ermöglicht ausländischen Hilfsorganisationen zwar die Einreise nach Rangun, Gesprächen mit den Vereinten Nationen in New York widersetzt sie sich jedoch weiterhin.

Wegen ihrer "inakzeptabel langsamen" Reaktion auf die Zyklon-Katastrophe hat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die Militärregierung in Birma scharf gerügt. Nun dürfe man "absolut keine Zeit mehr verlieren", sagte Ban. Ob die Vereinten Nationen die Junta zwingen sollten, mehr internationale Hilfe anzunehmen, liege in der Entscheidung des Weltsicherheitsrates. Nach Einschätzung der Uno sind rund zwei Millionen Menschen im Katastrophengebiet von tödlichen Krankheiten und vom Hungertod bedroht.

Ban sagte, er habe seit der vergangenen Woche mehrfach versucht, mit dem führenden General Than Swe zu sprechen. Dies sei nicht gelungen. Auch ein erster Brief an den obersten Machthaber blieb unbeantwortet. Er habe nun über diplomatische Kanäle ein zweites Schreiben geschickt, berichtete Ban. Gleichwohl lehnte er es ab, den Uno-Sicherheitsrat wegen der Verzögerungen bei der dringend benötigten Katastrophenhilfe einzuschalten.

Die Entscheidung darüber liege bei den Mitgliedern des Sicherheitsrats selbst, sagte Ban. Er wolle sich als Generalsekretär darauf konzentrieren, möglichst schnell humanitäre Hilfe ins Land zu bringen. "Ich möchte meine tiefe Sorge und gewaltige Frustration über die inakzeptabel langsame Antwort auf diese schwerwiegende humanitäre Krise zum Ausdruck bringen", erklärte er.

"Burmas Stunde der Not"

Die ersten Militärflugzeuge aus den USA erreichen in diesen Stunden das stark abgeschottete südostasiatische Land - mit Trinkwasser, Moskitonetzen und Decken an Bord. Die Lieferung wurde vom Oberkommandeur der burmesischen Marine in Rangun entgegengenommen.

Die USA gaben sich hoffnungsvoll, dass auch weitere Flüge erlaubt würden. "Das ist Burmas Stunde der Not und die Bedürfnisse sind dringend", sagte die Geschäftsführerin der US-Agentur für Internationale Entwicklung, Henrietta Fore, die den Flug begleitete.

Ein thailändischer Regierungssprecher sagte, die burmesische Militärjunta habe das Ausland darum gebeten, Schiffe mit Hilfsgütern - insbesondere Baumaterial - nach Rangun zu entsenden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte kurz vor seinem Abflug nach Russland, die burmesische Botschaft in Berlin habe deutschen Hilfsorganisationen grünes Licht für die Einreise gegeben. Ein Dutzend Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks würden noch heute die Reise antreten.

Morgen sollten vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen eingeflogen werden, mit denen täglich 40.000 Menschen versorgt werden könnten. An Bord der Maschine seien auch Hilfsgüter weiterer Organisationen wie etwa des Deutschen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes und der Johanniter.

"Wir werden uns weiterhin bemühen, weiteren Hilfsorganisationen aus Deutschland die Einreise in Myanmar (Burma) zu ermöglichen", sagte Steinmeier. Das Rote Kreuz teilte mit, bislang seien zehn Flugzeuge mit Hilfsgütern in Rangun angekommen. "Es freut mich einerseits, dass wir Hilfe ins Land bringen und auch an die betroffenen Menschen verteilen können. Anderseits ist es noch lange nicht genug", sagte der operative Leiter der internationalen Rotkreuzarbeit in Rangun, Bernd Schell.

Hilfsorganisationen kämpfen mit erheblichen Beschränkungen

Zahlreiche Organisationen gaben an, die Einsätze liefen derzeit nur eingeschränkt. Ein Sprecher des Welternährungsprogramms sagte, dass nur etwa 20 Prozent der für die Katastrophengebiete vorgesehenen Lebensmittel in das schwer abgeschottete Land kämen.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach von positiven Signalen. Dennoch sei es sehr schwierig, die dringend benötigten Lieferungen zu den am härtesten von der Katastrophe Betroffenen zu bringen.

Die Vereinten Nationen bemängelten, ihre Mitarbeiter in der thailändischen Hauptstadt Bangkok hätten bislang keine Visa für Burma erhalten und Mitarbeiter in Rangun dürften die Stadt nicht verlassen. Es gäbe Beschränkungen, wenn nicht gar Verbote für Uno-Mitarbeiter, was die Einreise in das vom Sturm schwer verwüstete Irrawaddy-Delta beträfe, sagte Uno-Vertreter Terje Skavdal.

Die Uno teilte mit, insgesamt seien bis zu 100.000 Personen bei dem Sturm ums Leben gekommen oder würden vermisst. Sie starteten zudem ihren Hilfsaufruf für Burma und erhoffen sich Finanzhilfen in Höhe von 187 Millionen Dollar.

Bislang hatte die Militärregierung ausländische Hilfe nur sehr restriktiv angenommen und vor allem keinerlei ausländische Helfer ins Land gelassen. Weltweit war dieses Verhalten auf massive Kritik gestoßen. Hilfsorganisationen warnen seit Tagen eindringlich vor einer zweiten Todeswelle, sollten nicht schnellstmöglich Helfer ins Land gelassen werden.

Ein Grund für den plötzlichen Gesinnungswechsel könnte das Ende des umstrittenen Verfassungsreferendums sein, das die Militärregierung trotz der katastrophalen Lage im Land am Samstag abhalten ließ: In einer intensiven Propagandakampagne hatte die Junta die Menschen dazu aufgerufen, der Verfassung zuzustimmen. Nur in den besonders schwer betroffenen Gebieten wurde das Referendum um zwei Wochen verschoben.

Thailand will die plötzliche Offenheit auf jeden Fall nutzen und vor allem Schiffe mit Baumaterial zum Wiederaufbau in den Hafen nach Rangun schicken. Außerdem werde man dem Nachbarland am Mittwoch über den Seeweg 480.000 Liter Treibstoff schicken, sagte ein Regierungssprecher.

Im besonders schwer betroffenen Irrawaddy-Delta haben inzwischen Hunderte Menschen in Klöstern Schutz gesucht, wo sie auf dem Fußboden schlafen. Andere übernachteten im Freien und tranken das schmutzige Wasser, das mit Fäkalien oder Kadavern verseucht ist. "Bisher haben wir genug Wasser, weil wir Regen aufgefangen haben", sagte der Abt eines Klosters in Pyapon, U Patanyale. "Aber wir haben nichts mehr zu essen."

jjc/Reuters/AP/AFP

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