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15.05.2008
 

Korruption in Burma

Menschenrechtler prangern Hehlerei mit Hilfsgütern an

Unsägliches Elend im Land - und eine Regierung, die beim Krisenmanagement jämmerlich versagt: In Burma ist erst ein Viertel der Zyklon-Opfer notdürftig versorgt. Die Militärjunta gesteht erstmals indirekt ein, dass illegal mit Hilfsgütern gehandelt wird - sie droht mit empfindlichen Strafen.

Rangun/Bangkok - Die Militärregierung in Burma hat erstmals indirekt Probleme mit der Verteilung von Hilfsgütern nach dem Zyklon "Nargis" eingeräumt. Im staatlichen Radio wurde all denen Strafe angedroht, die mit Hilfsgütern handelten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte zuvor erklärt, Soldaten hätten Energieriegel beschlagnahmt und stattdessen Kekse aus heimischer Produktion von minderer Qualität verteilt.

Das staatliche Radio wies den Vorwurf zurück: "Die Regierung hat systematisch Spenden angenommen und Hilfsgüter umgehend und direkt an die Opfer verteilt", hieß es. In der Radioerklärung wurde die Bevölkerung aufgefordert, die Behörden zu informieren, wenn Hilfsgüter in "unehrlicher Absicht" verkauft oder gehortet würden.

Mehr als zehn Tage nach der Sturmkatastrophe in Burma wird die Lage in den betroffenen Gebieten immer dramatischer.

Viele Opfer leiden nach Angaben von Hilfsorganisationen an Durchfällen und Hautkrankheiten, stillenden Müttern fehlt es wegen der traumatischen Erlebnisse an Muttermilch für ihre Säuglinge.

In dem am schwersten betroffenen Irrawaddy-Delta müssen die Menschen Flusswasser trinken, in dem noch immer die Leichen schwämmen, wie das Johanniter-Hilfswerk berichtete.

Nach Angaben des Malteser-Hilfswerks leben allein innerhalb der Stadtgrenzen von Labutta mehr als 100.000 Obdachlose in 58 Flüchtlingslagern. Neben Durchfall und Hautkrankheiten würden in einer Notklinik der Hilfsorganisation zunehmend auch Verbrennungen behandelt, die sich die Sturmopfer beim Kochen mit offenem Feuer im Freien zugezogen hätten, berichteten Mitarbeiter der Organisation.

Irrawaddy-Delta: Der Leichengeruch überlagert alles

"Es fehlt an absolut allem", betonte auch Johanniter-Mitarbeiter Alexander Richter: Lebensmittel, Zelte, Decken, Arzneimittel, medizinische Geräte und vor allem Wasser und entsprechende Aufbereitungsmittel würden dringend benötigt.

Bereits auf dem Weg in die Region des Deltas überlagere der Leichengeruch alles, sagte Richter. Der Ausbruch von Seuchen sei nur noch eine Frage der Zeit - sanitäre Anlagen gebe es faktisch nicht.

Die Opferzahlen werden auch von den burmesischen Behörden nach oben korrigiert: Der staatliche Rundfunk sprach am Donnerstag von mehr als 43.300 Toten und knapp 28.000 Vermissten. Das sind fast 5000 Tote mehr als zuletzt genannt.

Verfassungsreferendum: Eine "Beleidigung für das Volk"

Ausländische Beobachter befürchten, dass die tatsächliche Opferzahl deutlich höher liegt: Westliche Diplomaten und die Uno schätzen, dass mindestens 100.000 Menschen umkamen und bis zu zwei Millionen Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Sie warnen vor weiteren Opfern, sollte die internationale Hilfe nicht rasch zu den Bedürftigen gelangen.

Währenddessen feiert die Militärjunta einen überwältigenden Sieg beim Verfassungsreferendum vom vergangenen Samstag. 92,4 Prozent hätten für den Entwurf gestimmt, berichtete der staatliche Rundfunk. Die Wahlbeteiligung habe bei mehr als 99 Prozent gelegen.

Human Rights Watch bezeichnete das Ergebnis des Verfassungsreferendums als eine Beleidigung für das burmesische Volk. "Es ist einfach nicht möglich, dass 92 Prozent für ein Dokument stimmen, über das sie wenig wissen und das die meisten nicht gelesen haben", sagte ein Sprecher der Organisation in Bangkok, David Mathieson.

In den beiden vom Zyklon "Nargis" besonders betroffenen Regionen, dem Irrawaddy-Delta und dem Gebiet um Rangun, wurde die Abstimmung verschoben und soll am 24. Mai nachgeholt werden. Das dortige Ergebnis könne an der Billigung des Verfassungsentwurf rechnerisch nichts mehr ändern, hieß es im Rundfunk. Kritiker der Militärjunta haben den Verfassungsentwurf als undemokratisch und unfair zurückgewiesen. Er diene lediglich dazu, die Macht der Generäle zu festigen.

160 Helfer dürfen einreisen - westliche Experten nicht

Kleinere Zugeständnisse hat die Junta der Uno offenbar gemacht: Nach Angaben der US-Botschaft in Rangun wollen die Militärs in den nächsten Tagen die Einreise von 160 Uno-Experten ins Land erlauben - dies jedenfalls wurde der Uno vor Ort mitgeteilt.

Die Junta bestand allerdings darauf, dass nur Experten aus China, Thailand, Bangladesch und Indien ins Land dürften. Weiterhin aber sperrt sich das Land gegen die Einreise von westlichen Experten, die zwar dieser Tage in immer größerer Zahl in Rangun eintreffen, sich allerdings offiziell als Touristen ausgeben müssen.

Verwirrung herrschte am Donnerstagabend über einen angeblich von der Uno anberaumten Burma-Krisengipfel.

Während der britische Premierminister Gordon Brown zunächst erklärte, die Vereinten Nationen organisierten eine solchen Gipfel, was er begrüße, hieß es am Abend von Seiten der Uno, Generalsekretär Ban Ki Moon wolle mit John Holmes einen hochrangigen Vertreter nach Burma entsenden.

pad/AP

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