Mianyang/Peking - China hat die offizielle Opferzahl des verheerenden Erdbebens heraufgesetzt. "Die Zahl der Toten wird auf über 50.000 geschätzt", erklärte das nationale Rettungszentrum laut Fernsehberichten. Regierungschef Wen bezeichnete das Erdbeben am Donnerstag als "das zerstörerischste" seit Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949. Kein anderes Beben habe in dieser Zeit so schweren Schaden angerichtet, sagte er im Hauptquartier der Rettungskräfte in Chengdu. Bei einem Erdbeben in Tangshan im Jahr 1976 waren 240.000 Menschen gestorben.
Wen richtete ermutigende Worte an die Rettungskräfte. "Leben zu retten, ist immer noch unser wichtigstes Anliegen, solange es noch Hoffnung auf Überleben gibt", sagte er.
Die internationale Hilfe für die Katastrophenopfer ist inzwischen angelaufen. Als erste ausländische Helfer trafen 31 Japaner in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, ein. Sie sollten in Guanzhuang nach Verschütteten suchen, in der Nähe des Epizentrums des Bebens von Montag, berichtete Xinhua. Weitere 29 weitere Einsatzkräfte mit Spürhunden sollten ebenfalls am Freitag eintreffen.
Auch Russland schickt Einsatzteams in das Erdbebengebiet im Südwesten des Landes. Aus Moskau brach ein Team von 49 Helfern nach Chengdu auf, darunter 13 Ärzte und drei Psychologen, wie das russische Katastrophenministerium nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax mitteilte. Ein weiteres Team soll folgen.
Südkorea kündigte für Freitag die Entsendung eines Rettungsteams in das Erdbebengebiet an. Die 44 Einsatzkräfte sollten nach Chengdu reisen, um nach Katastrophenopfern zu suchen, teilte das Außenministerium in Seoul mit. Aus Singapur sollten 55 Helfer starten. Die Nähe Singapurs,Südkoreas und Russlands könnten schnelle Hilfe ermöglichen, begründete ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums laut Xinhua das Eingehen auf die Hilfsangebote. Zuvor hatte die Regierung argumentiert, die Bedingungen vor Ort seien "noch nicht reif" für Expertenteams aus dem Ausland.
Präsident Hu forderte die Rettungshelfer auf, ihre Anstrengungen zu verstärken. "Wir müssen alle möglichen Mühen unternehmen, gegen die Zeit arbeiten und alle Schwierigkeiten überwinden. Die Rettungsarbeiten sind in ihre entscheidende Phase getreten." Mit jeder Stunde, die vergeht, schwindet die Hoffnung, Überlebende unter den Trümmern zu finden. In Yingxiu konnte jedoch 68 Stunden nach dem Erdbeben ein elfjähriges Mädchen lebend aus den Trümmern befreit werden.
Angst vor Seuchen
Chinesischen Bergungsteams gelang es am Donnerstag zudem, die letzten Brocken zu sprengen, die die einzige Straße zum Epizentrum des Erdbebens blockierten. Damit bekommen die Retter endlich auf dem Landweg Zugang zu der am schwersten betroffenen Region Wenchuan.
Um die Seuchengefahr zu verringern, mahnte die Regierung, dass die Leichen möglichst schnell und abseits von Wasserquellen oder bewohnten Gebieten beerdigt werden sollen. Vizegesundheitsminister Gao Qiang sagte, die Rettung von Leben habe in der ersten Phase nach der Katastrophe Vorrang, doch müssten jetzt die hygienischen Bedingungen, die Seuchenkontrolle und Vorbeugung besondere Beachtung finden. Die Behörden wurden aufgerufen, die Lage genau zu beobachten, um sofort den möglichen Ausbruch von Seuchen festzustellen. Auch die mehr als 100.000 Soldaten, die bei den Bergungsarbeiten helfen, wurden zur Wachsamkeit aufgerufen.
Ein hoher Parteifunktionär der schwer betroffenen Präfektur Aba, Bai Licheng, sagte, die hohen Temperaturen beschleunigten die Zersetzung der Leichen. Nach einem Besuch in dem schwer zerstörten Ort Yingxiu sagte Bai Licheng, die Leichen lägen auf dem Boden, schlechter Geruch liege bereits in der Luft. "Wir brauchen dringend Leichensäcke."
als/AFP/dpa
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