Rangun - Die Helfer arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, die Menschen vor den erwarteten heftigen Regenfällen in Sicherheit zu bringen. Nach Schätzungen der Hilfsorganisationen haben Hunderttausende Obdachlose noch keine Unterkunft gefunden. In abgelegenen Dörfern kam auch zwei Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" keine Hilfe an.
Das Regime hingegen vertraut auch in der Not allein auf erbarmungslose Härte. Wie das Online-Magazin "Irrawaddy News" berichtet, haben die Behörden in Rangun inzwischen begonnen, Überlebende, die sich in Klöster und Schulen geflüchtet hatten, nach Hause zu schicken. "Wo sollen sie hin?" fragte ein Augenzeuge fassungslos. "Ihre Häuser sind zerstört."
Die Opfer seien daraufhin in staatliche Flüchtlingslager dirigiert worden, doch reichten die Zelte bei weitem nicht. In der zerstörten Hafenstadt Labutta sollen 10.000 Leute in ein Fußballstadion umziehen, berichtete das Magazin. Dort stünden aber nur 60 Zelte für tausend Menschen bereit.
Derweil verschärfen tropische Regenfälle die Lage in den zerstörten Regionen weiter. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen weisen darauf hin, dass weitere Niederschläge die Gefahr von Seuchen erhöhen könnten.
Die Militärjunta warnte in staatlichen Zeitungen die Bevölkerung davor, Hilfslieferungen beiseitezuschaffen oder zu verkaufen. Derartige Vergehen würden juristisch verfolgt und bestraft. Die Ankündigung kam nach Gerüchten, dass einige örtliche Militärangehörige Lastwagen mit Lebensmitteln, Decken und Wasser verschwinden ließen.
Nach Einschätzung der Uno reichen die Hilfslieferungen bei weitem nicht aus. In seiner jüngsten Lagebeurteilung geht das Welternährungsprogramm (WFP) davon aus, dass täglich 390 Tonnen Lebensmittel für die rund 750.000 Opfer eingeführt werden müssen. Derzeit seien aber nicht einmal 300 Tonnen seit dem Wüten des Zyklons am 2. und 3. Mai verteilt worden.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon will deshalb den Koordinator für humanitäre Einsätze, John Holmes, zur Erkundung der Lage nach Burma entsenden. Holmes habe am Mittwoch ein Visum beantragt und warte nun auf die Erteilung der Einreisegenehmigung, sagte eine Uno-Sprecherin in New York.
Die Vereinten Nationen haben die mangelnde Bereitschaft der burmesischen Militärregierung beklagt, zur Versorgung der Opfer der verheerenden Unwetterkatastrophe ausländische Experten ins Land zu lassen.
Das Rote Kreuz schätzt die Zahl der Todesopfer in den vom Zyklon betroffenen Regionen in Burma auf 68.000 bis 128.000. Die Militärjunta erhöhte dagegen die offizielle Zahl der Todesopfer am Donnerstag auf 43.318. Weitere 27.900 Menschen würden noch vermisst.
jdl/dpa/Reuters/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Zyklon "Nargis" in Burma | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH