Burma
Junta lässt westliche Diplomaten in die Todeszone
Neue Gefahr in Burmas Katastrophengebiet: Im Irrawaddy-Delta gibt es die ersten Cholera-Fälle. Selbst die Militär-Junta spricht mittlerweile von 78.000 Toten - und ist zu kleinen Zugeständnissen bereit. Die Generäle lassen erstmals westliche Regierungsvertreter in die verwüstete Zone.
Rangun - "Ausländische Diplomaten werden mit dem Hubschrauber in einige Regionen des Deltas gebracht", sagte ein Diplomat am Freitag in Rangun. Ein Sprecher der britischen Botschaft bestätigte die Information, machte dazu aber keine näheren Angaben.
Die Militärregierung in Burma steht weltweit massiv in der Kritik, weil sie internationale Helfer an der Versorgung der Sturmopfer hindert. Doch selbst die Junta muss nun zugestehen, dass die Opferzahlen viel höher sind als bislang verlautbart wurde: Durch den Wirbelsturm am 2. und 3. Mai sollen nach Angaben der burmesischen Behörden 78.000 Menschen ums Leben gekommen sein, knapp 56.000 würden noch vermisst.
Westliche Diplomaten und die Vereinten Nationen schätzen jedoch, dass mindestens 100.000 Menschen starben und bis zu zwei Millionen Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verloren.
Unterdessen wurde bekannt, dass im Katastrophengebiet erste Cholera-Fälle aufgetreten sind. Das berichteten Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes am Freitag aus der Küstenstadt Labutta im Irrawaddy-Delta. Cholera ist eine schwere lebensgefährliche Durchfallerkrankung, die von Bakterien verursacht wird. "Die Menschen konnten nur aus Brunnen trinken, in denen das Wasser durch die Flutwelle versalzen und stark verschmutzt ist", teilten die Helfer mit.
Über Fälle von Ruhr-Erkrankungen war bereits in den vergangenen Tagen berichtet worden.
SEUCHENGEFAHREN IN BURMAS KATASTROPHENGEBIETEN
In den vom Zyklon "Nargis" verwüsteten Gebieten in Burma drohen weitere Todesopfer durch Seuchen. Durch die Überschwemmungen verbreiten sich Durchfallerreger wie Salmonellen und Escherichia coli besonders gut, aber auch gefährlichere Krankheiten wie Typhus und Cholera. Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung sind vielerorts zusammengebrochen.
Besonders stark betroffen sind Kinder, weil sie ein schwächeres Abwehrsystem haben und ihr Körper besonders schnell austrocknet. Wichtig sind nach Ansicht von Ärzten deswegen chemische Wasserentkeimung, Antibiotika gegen die bakteriellen Krankheitserreger und einfache Infusionslösungen gegen Austrocknung.
In den kommenden Monaten werden sich wegen der massiven Überschwemmungen auch Mücken stark ausbreiten. Sie können Krankheitserreger in sich tragen und so zur Gefahr für die Bevölkerung werden. In Burma gibt es zum Beispiel Malaria, Denguefieber und die Hirnerkrankung Japanische B-Enzephalitis, deren Verbreitung durch die Mücken droht. In diesen Tagen beginnt die Regenzeit, die gewöhnlich bis Mitte Oktober dauert. Neben sauberem Trinkwasser brauchen die Menschen deswegen Notunterkünfte, damit sich Atemwegserkrankungen nicht weiter ausbreiten.
Die Uno meldete derweil, dass die Hilfe für die Zyklonopfer noch immer viel zu langsam und spärlich ankommt. Die Regierung habe nur sechs Helikopter im Einsatz, um das Katastrophengebiet von der Größe Österreichs zu beliefern, sagte Steve Marshall, Sprecher des Uno-Büros in Burma, in Bangkok.
Das Kinderhilfswerk Unicef sorgt sich um die eine Million Kinder im Katastrophengebiet. Immer mehr litten neben Durchfall auch an Haut- und Atemwegserkrankungen. Die Helfer vor Ort arbeiteten mit Hochdruck daran, mehr Flüchtlinge vor den schweren Regenfällen in Sicherheit zu bringen. Nach Schätzung der Hilfsorganisationen sitzen noch Hunderttausende Menschen im Freien.
Auf den schlechten Straßen in das verwüstete Irrawaddy-Delta können nach Angaben von Marshall nur Sechs-Tonnen-Laster verkehren. Zusätzlich seien einige Boote im Einsatz. "Wir sind vor Ort und wir arbeiten, aber wir brauchen mehr Hilfe und mehr Unterstützung durch die Regierung", sagte er. Nach Angaben der Welthungerhilfe versuchen immer mehr Verzweifelte aus abgelegenen Ortschaften, auf der Suche nach Nahrungsmitteln mit Booten die größeren Städte zu erreichen.
Dringend werden Reissamen und Dünger benötigt, um die Versorgung der Bevölkerung für den Rest des Jahres sicherzustellen. Darauf hat die Welternährungsorganisation FAO aufmerksam gemacht. Die Bauern hätten ihre gesamten Vorräte aus der Ernte in März und April verloren, ebenso die Samen für die neue Aussaat, sagte FAO-Sprecher Diderik de Vleschauwer. "Es ist ein Wettlauf mit der Zeit", betonte er. Wenn die zerstörten Felder im Irrawaddy-Delta nicht rehabilitiert und der Reis bis Ende Juni gepflanzt werde, drohe schwerer Reismangel.
Nach Angaben der Hilfsorganisationen kommen die Spenden für die Zyklonopfer trotz der massiven Behinderung durch die Militärjunta bei den Betroffenen an. Angesichts der bevorstehenden Monsunregen rief die "Aktion Deutschland hilft" am Freitag in Berlin zu noch größerer Spendenbereitschaft auf. Bislang habe man 1,95 Millionen Euro Spenden erhalten. "Aber angesichts der Tatsache, dass so vielen Menschen geholfen werden muss, wird das nicht ausreichen", sagte Geschäftsführerin Manuela Roßbach.
jdl/dpa/AP/AFP
BURMA -SPENDENKONTEN
Stichwort "Burma/Myanmar", Konto 300 000, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ: 370 205 00
Stichwort "Nothilfe Myanmar/Birma", Konto 1115, Sparkasse KölnBonn, BLZ: 370 501 98
Stichwort "Zyklon", Konto 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
Stichwort "Zyklon Myanmar", Konto 10 10 10, Paxbank, BLZ 370 601 93
Stichwort "Zyklon Birma/Myanmar", Konto 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ: 370 205 00
Stichwort "Zyklon Birma", Konto 51 51, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ: 370 205 00
Stichwort "Zyklon Birma", Konto 502 707, Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70
Stichwort, "Zyklon Birma", Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00
Christoffel-Blindenmission (CBM): Stichwort «Birma»
Konto 2020, Bank für Sozialwirtschaft BLZ 370 205 00
Kindernothilfe: Stichwort «Zyklon Birma»
Konto 45 45 40, KD-Bank Duisburg BLZ: 350 601 90
Stichwort "Nothilfe Myanmar", Konto 47 47, Sparkasse Kaufbeuren, BLZ: 734 500 00,
Stichwort "Birma", Konto 2020, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
Stichwort "Zyklon Birma", Konto 45 45 40, KD-Bank Duisburg, BLZ: 350 601 90
Stichwort "Zyklon Nargis", Konto 120 120 120, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ: 370 20 500
Stichwort "Myanmar", Konto: 929, Bank für Sozialwirtschaft Berlin, Bankleitzahl 100 205 00
Stichwort: "Myanmar u.a." bzw. "Birma u.a.", Konto 97 0 97, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 20 500