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18.05.2008
 

Warnung der Uno

Hunderttausende Burmesen erhalten zu wenig Hilfe

Die Nahrung im Land wird knapp: Rund 750.000 Menschen sind in Burma dringend auf Hilfslieferungen angewiesen, doch bislang werden weniger als ein Drittel von ihnen versorgt. Die Junta schottet das Krisengebiet weiter ab - die Uno befürchtet eine humanitäre Katastrophe.

Rangun/Brüssel - Hunderttausende Überlebende der Wirbelsturmkatastrophe in Burma haben bisher nach Auffassung der Vereinten Nationen immer noch nicht ausreichend Hilfe erhalten. Das Welternährungsprogramm der Uno (WFP) erklärte, es sei bislang erst gelungen 212.000 der schätzungsweise 750.000 Menschen, die Hilfe am dringendsten benötigen, mit Reis und Bohnen zu versorgen. "Das reicht nicht", betonte ein Sprecher des WFP in Bangkok.

Mindestens 134.000 Menschen kamen durch die Katastrophe vom 2. Mai ums Leben oder werden seither vermisst. Ungeachtet der dramatischen Lage lässt die Militärregierung Burmas ausländische Helfer noch immer nicht in das am schwersten vom Zyklon "Nargis" betroffene Irrawaddy-Delta.

Zwar wurden am Samstag Diplomaten und Uno-Mitarbeiter von der Junta in das Krisengebiet geflogen, frei bewegen konnten sie sich jedoch nicht.

Nach seinem zweitägigen Besuch in Burma hat sich EU-Entwicklungskommissar Louis Michel für einen Dialog mit der dort herrschenden Militärjunta ausgesprochen. Wer diese umstimmen wolle, müsse das Gespräch mit ihr suchen, sagte Michel dem belgischen Fernsehsender RTBF. Michel kritisierte die Verlängerung der US-Sanktionen gegen Burma durch US-Präsident George W. Bush. Dadurch sei den Opfern der Wirbelsturmkatastrophe nicht geholfen, sagte der ehemalige belgische Außenminister.

Michel lobt Atmosphäre der Gespräche

Seine Gespräche mit den burmesischen Militärs seien "ziemlich hart" gewesen, hätten aber in recht guter Atmosphäre stattgefunden. Die Regierung in Rangun könne sich nicht vorstellen, dass die internationale Gemeinschaft "aus Großmut, aus humanitärem Pflichtgefühl" vor Ort helfen wolle. "Ich habe ihnen gesagt, dass kein Land, nicht einmal das größte der Welt, eine derartige Katastrophe allein bewältigen kann", sagte der EU-Entwicklungskommissar.

Bei der Wirbelsturm-Katastrophe in Burma sind nach offiziellen Angaben rund 78.000 Menschen ums Leben gekommen, fast 56.000 Menschen gelten als vermisst. Die Vereinten Nationen rechnen mit mehr als 100.000 Toten. Die Internationale Föderation vom Roten Kreuz und Roten Halbmond setzte die Zahl sogar bei 128.000 an.

Die burmesische Militärführung wurde weltweit scharf kritisiert, weil sie nach dem Durchzug des Zyklons am 2. und 3. Mai die Einreise internationaler Helfer blockierte und nur Hilfsgüter annehmen - jedoch selbst verteilen - wollte.

Debatte über politische Reaktion

Der britische Premierminister Gordon Brown verurteilte das Militärregime als "menschenverachtend", weil es keine internationalen Helfer zu den Opfern lassen will. Das Regime werde dafür zur Rechenschaft gezogen, dass es die Landsleute im Stich lasse, sagte Brown, ohne das näher auszuführen. Es habe aus einem Naturdesaster eine von Menschenhand verursachte Katastrophe gemacht.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, die Lage in Burma habe einen kritischen Punkt erreicht: "Wenn nicht schnell mehr Hilfe ins Land gelangt, stehen wir vor dem Ausbruch von Infektionskrankheiten, die die aktuelle Krise dramatisch verschlimmern könnten."

Die Junta behauptet, die erste Phase der Nothilfe sei erfolgreich abgeschlossen. Jetzt beginne der Wiederaufbau, zitiert die Staatspresse Regierungsvertreter. Zahlreiche Aufträge für den Wiederaufbau gingen nach Informationen des Online-Magazins "Irrawaddy" an enge Vertraute der Junta-Generäle, von denen viele auf internationalen Schwarzen Listen stehen.

Ein französisches Kriegsschiff mit 1500 Tonnen Lebensmitteln und Medikamenten an Bord wartete vor der Küste Burmas vergeblich auf die Erlaubnis zum Andocken. Die französische Regierung erklärte, die Lebensmittel reichten, um 100.000 Menschen 15 Tage zu ernähren. Zudem seien an Bord von "Le Mistral" Notunterkünfte für 15.000 Menschen. Auch die US-Marine ist mit mehreren Schiffen voller Hilfsgüter in Sichtweite der burmesischen Küste und wartet auf die Erlaubnis, den Zyklonopfern zu helfen.

han/Reuters/AFP

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