Rangun - "Es ist skrupellos von Burmas Generälen, Sturmopfer in ihre zerstörte Heimat zurückzuzwingen", sagte Asien-Direktor Brad Adams von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Bangkok. "Ohne Obdach, Nahrung und sauberes Wasser ist der Vorschlag der Regierung das Gleiche, als wolle sie die Menschen in den Tod schicken und eine noch größere Katastrophe herbeiführen."
Am Freitag hatte die Militärjunta erklärt, die Flüchtlinge sollten in ihre Heimat zurückkehren und sich notfalls von Fröschen ernähren. Zahlreiche Menschen, die in Schulen oder buddhistischen Klöstern untergekommen waren, hatten in den vergangenen zwei Wochen berichtet, die Behörden wollten sie zur Rückkehr in ihre völlig zerstörten Dörfer im Irrawaddi-Delta zwingen.
Uno-Vertreter bestätigten die Berichte über die erzwungene Rückkehr der Opfer am Samstag nicht. Die Vereinten Nationen verurteilten jedoch jegliche Zwangsrückkehr, sagte der regionale Uno-Verantwortliche für Krisenhilfe, Terje Skavdal. Hilfsorganisationen berichten von großen Problemen, die Bevölkerung in dem Katastrophengebiet zu versorgen.
"Zum Preis von Zehntausenden Menschenleben"
Scharfe Kritik kommt derweil aus den Vereinigten Staaten: Verteidigungsminister Robert Gates hat die Militärjunta Burmas wegen der Behinderung internationaler Hilfe für die Opfer angeprangert. Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit für die Helfer koste Zehntausende Menschenleben, sagte Gates am Samstag auf einer regionalen Sicherheitskonferenz in Singapur.
"Unsere Schiffe und Flugzeuge warteten auf die Zustimmung des Landes, um umgehend zur Rettung tausender Leben einschreiten zu können", sagte Gates. Diese Zustimmung sei beispielsweise nach dem Tsunami 2004 in Indonesien und nach einem Zyklon in Bangladesch im November 2007 von den betroffenen Regierungen zügig gegeben worden.
"In Birma ist die Lage ganz anders - zum Preis von Zehntausenden Menschenleben", kritisierte Gates. Dennoch werde sein Land weiter Hilfe anbieten. Es wäre jedoch ein "gravierender Fehler", dabei auf Zwang zu setzen, sagte der US-Minister. Von dieser Linie rückten die USA nicht ab.
Nach dem Wirbelsturm "Nargis" am 2. und 3. Mai gelten in dem südostasiatischen Land rund 133.000 Menschen als tot oder vermisst. Zehntausende leben in Behelfsunterkünften, nachdem sie durch die Katastrophe alles verloren haben.
Die staatlichen Medien berichteten am Samstag, die Regierung habe südostasiatische Staaten gebeten, die Hilfsaktionen in Zusammenarbeit mit Vertretern der Vereinten Nationen und birmanischer Behörden zu koordinieren. Nach der Katastrophe hatte die Junta erst die Einreise internationaler Helfer verweigert, sich dann aber dem internationalen Druck gefügt und eine Öffnung für ausländische Helfer versprochen.
Offenbar kontrolliert die Regierung jedoch noch immer streng den Zutritt internationaler Helfer zu den Katastrophengebieten. Auf Hauptverkehrsstraßen im besonders schwer betroffenen Irrawaddi-Delta bezogen am Freitag bewaffnete Polizisten an mindestens zehn Posten Stellung, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP.
ala/AFP
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