Rom - Es war ein Sturz, der keine Rettung mehr erlaubte: Karl Unterkircher fiel am Nanga Parbat in Pakistan auf etwa 6400 Metern Höhe in eine Gletscherspalte. Das berichteten italienische Rettungskräfte in Rom. Er sei zusammen mit zwei Begleitern auf dem neunthöchsten Gipfel der Erde unterwegs gewesen, als das Unglück passierte.
Die beiden haben nach eigenen Angaben noch versucht, Unterkircher aus dem Schnee zu befreien - doch sie hätten ihm nur das Telefon abnehmen können und über ein Satellitentelefon Hilfe gerufen. Dann mussten sie weitergehen, um aus der Wand zu steigen.
Es gilt als ausgeschlossen, dass Unterkircher noch gerettet werden kann. Die Tragödie sei eine traurige Realität, sagte sein Manager Herbert Mussner. "Es gibt keine Hoffnung mehr." Rettungskräfte, die von Mailand aus zur Betreuung der beiden anderen Alpinisten fliegen sollten, sagten, in dem Gelände sei es völlig unmöglich, Unterkircher zu bergen. Die Gletscherspalte sei nicht zu erreichen.
Die beiden Begleiter sollen sich inzwischen wieder auf dem Abstieg befinden, erst nach drei Tagen wird ihre Rückkehr ins Basislager erwartet. Das Unglück geschah schon am Mittwochmorgen, wurde aber erst jetzt bekannt.
Der 37-jährige Unterkircher, der seine Frau Silke und drei Kleinkinder hinterlässt, hatte 2004 als erster Alpinist die beiden höchsten Gipfel der Welt - den Mount Everest und den K2 - in derselben Saison ohne Sauerstoffflasche bestiegen. Bergsteigen sei gewesen, was ihr Mann geliebt habe, sagte Silke Unterkircher im italienischen Fernsehen und nahm seine Begleiter in Schutz: "Sie haben bestimmt alles getan, um ihn zu retten."
Seine Gruppe wollte eine neue Route auf den 8125 Meter hohen Gipfel eröffnen. Der Nanga Parbat (mehr auf SPIEGEL WISSEN...) gilt als als einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge der Erde. Schon im Jahr 1970 war dort Günther Messner, der Bruder Reinhold Messners, tödlich verunglückt. Später wurden Vorwürfe gegen Messner laut, er habe seinem Bruder nicht geholfen, was er vehement zurückweist.
Messner sagte jetzt, er hoffe, dass Unterkirchers Kameraden nun nicht mit denselben Vorwürfen konfrontiert würden. "Karl ist tot. Er ist im Schnee begraben. Was können da seine Kletterpartner tun?", sagte er der Zeitung "Corriere della Sera". "Sie haben das Recht und die Pflicht, ihr eigenes Leben zu retten."
Der Nanga Parbat wurde zuerst von Herman Buhl 1953 bestiegen, nachdem 31 Kletterer die Versuche mit ihrem Leben bezahlt hatten. Der Berg gilt unter Alpinisten als einer der anspruchsvollsten Achttausender. Außerdem wurde der Nanga Parbat oft als "Schicksalsberg der Deutschen" bezeichnet, weil sich zahlreiche deutsche Expeditionen vergeblich an der Besteigung versuchten. Darunter fällt auch die Expedition von 1937 unter Beteiligung Heinrich Harrers, die Vorbild für den Film "Sieben Jahre in Tibet" war.
jjc/AP
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