• Drucken
  • Senden
  • Feedback
05.08.2008
 

Helgoland-Fähre

Wasserschutzpolizei ermittelt wegen Katamaran-Unfall

Auf dem Helgoland-Katamaran "MS Polarstern" bricht eine Reling, durchschlägt eine Scheibe. Mindestens 24 Menschen werden verletzt. Wie es dazu kommen konnte, untersucht jetzt die Wasserschutzpolizei.

Emden - Am Montagabend löste sich aufgrund des Welleneinschlags an der Steuerbordseite des Bugs der "MS Polarstern" eine Metallstrebe, die durch ein Panoramafenster schlug. Herumfliegende Glassplitter flogen ins Innere. Die Verletzten zogen sich den Behörden zufolge Prellungen und Schnittwunden zu.

Katamaran "Polarstern": Hohe Wellen und raue See
Zur Großansicht
DPA

Katamaran "Polarstern": Hohe Wellen und raue See

Nach Angaben der Wasserschutzpolizei Emden wurden dabei mindestens 24 Menschen verletzt. "Es könnte sein, dass die Zahl auf 26 ansteigt", sagte Polizeisprecher Jörg Lobeck SPIEGEL ONLINE. Drei von ihnen seien schwer verletzt worden. Sie würden gerade von Polizeibeamten befragt, so Lobeck.

Ein Passagier sei in einem "kritischen Zustand". Nach der Ankunft auf Borkum habe sich der Gesundheitszustand des Reisenden verschlechtert, teilte die Polizei mit.

"Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. An Bord des Katamarans finden technische Untersuchungen statt", sagte Lobeck. Details könne er derzeit keine nennen.

Der Katamaran der Emder Reederei AG Ems änderte nach dem Unfall den Kurs Richtung Borkum. Dem Kapitän sei es sinnvoller erschienen, nicht weiter durch die raue See zu steuern, so Lobeck. Drei Stunden später habe das Boot Borkum erreicht.

Ebenso wie die anderen Rettungsdienste erreichte der Alarm kurz nach 20 Uhr den ADAC-Rettungshubschrauber "Christoph 26" im friesischen Sanderbusch bei Wilhelmshaven. "Weil wir nicht genau wussten, wie weit der Katamaran noch auf See war, sind wir mit Winde gestartet, um notfalls Verletzte über ein Seil an Bord ziehen zu können", sagte Notarzt Matthias Ruppert, 40. Als die Maschine vom Typ BK 117 eine gute halbe Stunde später vor Borkum eintraf, war die "Polarstern" nur noch zehn Minuten vom Hafen entfernt.

"Dadurch hatten wir etwas Zeit, zusammen mit den anderen Rettungskräften den Einsatz vorzubereiten", sagte Ruppert. "Alles lief sehr präzise und ruhig ab. Auch drei Ärztekollegen von der Insel kamen zur Unterstützung." Nachdem das Schiff angelegt hatte, wurden zunächst die unverletzten Passagiere von Bord geleitet. "Danach hatten wir einen besseren Überblick über die Situation", so Ruppert.

Die Leichtverletzten wurden in einem bereitgestellten Bus des Roten Kreuzes behandelt. "Viele von ihnen hatten Schnittwunden und leichte Kopfverletzungen, bei einigen bestand Verdacht auf Knochenbrüche." Die drei Schwerverletzten wurden per Hubschrauber in Krankenhäuser gebracht.

Die Ermittlungen müssten nun zeigen, ob zum Beispiel ein Materialfehler, ein Fehler des Kapitäns oder Wartungsversäumnisse schuld an dem Unfall gewesen seien, sagte Lobeck. Am Montagabend hatten nach seinen Angaben Windstärken von 5 bis 6 geherrscht. Die Wellen dürften laut Lobeck etwa 2,50 Meter hoch gewesen sein.

Wartungsfehler scheiden nach Ansicht der Sprecherin der Reederei des Katamarans, der AG Ems, als Unglücksursache aus. Das Schiff sei vorschriftsmäßig jährlich in der Werft. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass da was war", sagte Corina Habben. Denkbar sei höhere Gewalt. Die Schiffe würden von erfahrenen Nautikern geführt. Die Reederei wolle vor öffentlichen Stellungnahmen aber zunächst intern den Hergang der Ereignisse recherchieren.

Nach Angaben der Reederei ist der Katamaran sieben Jahre alt. Er erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 42 Knoten (77,8 km/h). Maximal kann er 402 Fahrgäste befördern.

jjc/jdl/dpa/AP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP