Flugzeugunglück
Deutsche unter den Opfern von Madrid vermutet
Flammenhölle am Madrider Flughafen: Eine Maschine auf einem Gemeinschaftsflug von Spanair und Lufthansa fing beim Start Feuer. Rettern zufolge kamen in dem Inferno bis zu 148 Menschen ums Leben, 27 wurden verletzt - mehrere Deutsche hatten für den Unglücksflug eingecheckt.
Madrid - Das Flugzeug hatte gegen 14.23 Uhr gerade beschleunigt, da passierte es. Das linke Triebwerk der McDonnell Douglas fing Feuer, berichteten später Augenzeugen. Die Maschine geriet offenbar außer Kontrolle, schoss über die Landebahn hinaus und ging in Flammen auf.
Aus der Feuerhölle konnten einem Sprecher der Rettungskräfte zufolge nur 27 der 175 Menschen an Bord gerettet werden. Die anderen starben im Flugzeug oder wie ein gerettetes Mädchen auf den Weg ins Krankenhaus.
An Bord der verunglückten Spanair-Maschine befanden sich nach Angaben der Lufthansa offenbar auch mehrere Deutsche. Das Unternehmen teilte am Abend mit, insgesamt sieben Passagiere hätten mit einem Lufthansa-Ticket für den Flug JK 5022/LH 2554 eingecheckt. Vier von ihnen seien aus Deutschland gekommen. Ob sie sich auch tatsächlich an Bord befanden, stehe noch nicht fest - die spanischen Behörden hätten die Passagierlisten noch nicht freigegeben.
Viele Überlebenden haben schwere Verbrennungen, sind in einem kritischen Zustand. Über den Gesundheitszustand der mit Lufthansa-Flugschein eingecheckten Gäste konnte das Unternehmen keine Angaben machen. Man habe ein Team psychologisch geschulter Fachleute nach Madrid geschickt, um Spanair bei der Betreuung der betroffenen Gäste und deren Angehörigen zu unterstützen, teilte der Konzern mit.
"Das Flugzeug ist völlig zerstört, überall liegen Verletzte"
Eine große Rauchwolke stieg über der Unglückstelle auf, ein Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Aena berichtete: "Das Flugzeug ist völlig zerstört, überall liegen Verletzte." Erst kurz nach 17 Uhr konnten die Flammen gelöscht werden.
Die zweistrahlige Maschine sollte von Madrid nach Las Palmas auf Gran Canaria fliegen. An Bord waren mehr als 160 Passagiere und je nach Quelle sechs bis neun Besatzungsmitglieder.
Die Spanair-Maschine mit der Flugnummer JK 5022 war im Rahmen eines Codesharing-Gemeinschaftsfluges auch im Auftrag des "Star Alliance"-Partners Lufthansa unterwegs und hatte bei der deutschen Gesellschaft die Bezeichnung LH 2554.
Die deutsche Botschaft in Madrid ist in den Fall eingeschaltet. Zwei Mitarbeiter wurden zum Flughafen Barajas geschickt. Sie sollen bei der Aufklärung der Frage helfen, ob Deutsche unter den Passagieren waren.
Womöglich schon vorher technische Probleme
Die genaue Ursache des Unglücks ist noch unklar. Fest steht, dass die Maschine eine Stunde Verspätung hatte - angeblich wegen technischer Probleme bei einem ersten Startversuch. Spanische Medien berichten, die Maschine habe das Gate um 13 Uhr verlassen - sei aber rund 40 Minuten später zurückgekehrt. Dies wird auch vom Flugregister "amadeus" bestätigt.
Das linke Triebwerk fing nach übereinstimmenden Berichten kurz nach dem Abheben Feuer. Das Flugzeug soll in zwei Teile geborsten sein, schreibt "El Mundo".
Der Flugverkehr auf dem Madrider Flughafen Barajas wurde zeitweilig unterbrochen und gegen 16 Uhr wieder aufgenommen. Psychologen des Roten Kreuzes betreuen die Angehörigen. Der spanische Ministerpräsident Rodríguez Zapatero ist laut "El Mundo" auf dem Weg zur Unglücksstelle.
Die Unglücksmaschine ist seit 1999 Teil der Spanair-Flotte, flog aber zuvor bereits seit 1993 für Korean Air.
HINTERGRUND: MCDONNELL-DOUGLAS-82
Das Flugzeug mit dem Registrationscode EC-HFP hob 1993 erstmals für Korean Air ab, ging 1999 dann in den Besitz von Spanair über. Der Fluggesellschaft zufolge absolvierte die MD-82 ihren jährlichen Check am 24. Januar.
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Die MD-80-Baureihe gilt im Prinzip als zuverlässig, blieb allerdings von schweren Unfällen mit insgesamt Hunderten Toten nicht verschont (
Liste der Unglücke auf Airsafe.com...). Inzwischen haben viele Fluggesellschaften begonnen, Maschinen dieses Typs auszumustern und gegen moderne, spritsparendere von Airbus oder Boeing zu ersetzen. Vor Monaten musste American Airlines seine MD-80-Flotte zeitweise stilllegen, nachdem die US-Luftfahrtbehörde FAA Wartungsprobleme bei Verkabelungen bemängelt hatte.
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Länge: 41,26 Meter. Spannweite: 32,88 Meter. Die McDonnell-Douglas-82 bietet bis zu 172 Passagieren Platz, fliegt maximal 925 Kilometern pro Stunde und hat bis zu 4500 Kilometer Reichweite. Vor allem in den USA ist die MD-80-Familie noch stark im Einsatz.
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Zweistrahliges Düsenflugzeug. Die Triebwerke vom Typ Pratt and Whitney befinden sich am Heck. Die MD-82 gehört zu den vielen Varianten der MD-80-Familie, die 1977 konzipiert wurde und als erfolgreichste Variante der früheren DC-9-Reihe gilt. Zur MD-80-Familie gehören auch die Varianten MD-81, MD-83, MD-87, MD-88 und MD-90.
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Besonders Anfang der achtziger Jahre war die MD-80er-Baureihe sehr gefragt. Speziell die MD-82 machte der Boeing 727-200 Konkurrenz. 1997 wurden die McDonnell-Douglas-Werke in Long Beach in Kalifornien von Boeing übernommen.
Quelle: dpa mehr zur MD- 82 auf SPIEGEL WISSEN...
HINTERGRUND: SPANAIR
1986 gegründete spanische Tochter der SAS-Gruppe mit Sitz in Palma de Mallorca. Seit 2003 Mitglied in der "Star Alliance", zu der auch die Lufthansa gehört.
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Anfänge mit Charterflügen von mehr als hundert europäischen Flughäfen in spanische Feriengebiete. Linienflüge seit 1994; inzwischen machen sie nach Unternehmensangaben 17 Prozent des Flugverkehrs aus. In Deutschland werden Frankfurt am Main und München angesteuert.
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Zur Flotte gehören mehr als 20 Airbus A320- und A321-Maschinen, außerdem 23 Flugzeuge von McDonnell-Douglas. 2006 hatte Spanair nach eigenen Angaben 8,3 Millionen Fluggäste.
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Das Unternehmen ist in Turbulenzen und hat kürzlich ein Sparprogramm angekündigt. Wegen gestiegener Treibstoffpreise und wachsender Konkurrenz will es fast jede dritte der insgesamt 3800 Stellen abbauen und mehrere Strecken aus dem Flugplan streichen.
Quelle: AP mehr zum Unternehmen...
Flughafen Madrid-Barajas: Das Flugzeug startete auf der Bahn zwischen dem neuen Terminal 4 (l.) und dem Erweiterungsbau (r.) nach Norden, driftete nach dem Triebswerksbrand plötzlich nach rechts - und stürzte auf das freie Feld neben der Startbahn Größere Kartenansicht
han/jjc/Reuters/AP/dpa/AFP