Houston/Washington - An der texanischen Golfküste ist in die größte Such- und Rettungsaktion in der Geschichte des US-Südstaates angelaufen. Einsatzkräfte hätten bis zum späten Samstagnachmittag (Ortszeit) 950 Menschen in den teils hüfthoch überfluteten Gebieten in Sicherheit gebracht, sagte der Gouverneur von Texas, Rick Perry. "Leben zu retten hat oberste Priorität", betonte der Chef der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, David Paulison. Die Zahl der Todesopfer durch den Sturm stieg auf mindestens vier. US-Präsident George W. Bush erklärte 29 Landkreise zum Katastrophengebiet.
Das US-Fernsehen zeigte Bilder von Feuerwehr- und Polizeiwagen, die in Kolonnen in die verwüsteten Landstriche südöstlich der Millionenmetropole Houston vordrangen. Mehr als 50 Hubschrauber und Flugzeuge von Küstenwache und Streitkräften überflogen die Region.
Besonderes Augenmerk gilt nach den Worten Paulisons der Gegend um die Inselstadt Galveston, wo nach Schätzungen der Behörden rund 23.000 Einwohner in ihren Häusern geblieben waren. Insgesamt hätten in der gesamten Region schätzungsweise 100.000 Menschen die Evakuierungsanordnung der Behörden ignoriert, berichtete die Zeitung "Houston Chronicle" auf ihrer Internet-Seite.
Rund um Houston habe es "schwere Schäden an der Infrastruktur" gegeben, sagte Perry. In der Millionenmetropole selbst, mit zwei Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt der USA, ließ die Gewalt des Sturms zahllose Fenster von Hochhäusern bersten und auf die Straße regnen. Die Straßen waren von Scherben, Ästen und Unrat übersät.
Galveston, rund 30 Kilometer südöstlich von Houston gelegen, wurde in weiten Teilen überflutet. Auch in anderen Küstenabschnitten standen Tausende Häuser unter Wasser, zahlreiche Dächer wurden weggerissen. 4,5 Millionen Menschen im Großraum Houston waren am Samstag ohne Strom. Es könne Wochen dauern, bis die Lichter wieder angingen, sagten Behördensprecher. Während seines Zuges über Houston schwächte sich der Sturm ab. Am Nachmittag stufte das Nationale Hurrikan-Zentrum "Ike" zu einem Tropensturm mit Windgeschwindigkeiten von 95 Stundenkilometern herab. Die Sturmflut fiel mit etwa fünf Metern in der Spitze geringer aus als befürchtet.
In Texas hatten nach Angaben von US-Heimatschutzminister Michael Chertoff vor der Ankunft des Hurrikans 2,2 Millionen Menschen die Flucht ergriffen, im benachbarten Louisiana 130.000. Die Behörden befürchten Schäden in Höhe von 15,3 Milliarden US-Dollar (11 Milliarden Euro) durch den Sturm, der auch die Raffinerieindustrie traf. Rund die Hälfte der 26 Raffinerien in Texas hatten den Betrieb eingestellt.
Präsident Bush sagte den betroffenen Menschen in seinem Heimatstaat Texas und den anderen Landesteilen rasche Hilfe zu. Vorrang habe die Trinkwasserversorgung. Heimatschutzminister Chertoff will im Lauf des Tages in das Katastrophengebiet reisen.
Dem Hurrikan-Zentrum in Miami zufolge hatte "Ike" als Hurrikan der Kategorie zwei auf der fünfteiligen Skala Samstagnacht um 2.10 Uhr (Ortszeit) die Inselstadt Galveston erreicht. Der Sturm erreichte dort Windgeschwindigkeiten von bis zu 175 Stundenkilometern. Die östlichen und westlichen Teile der Insel wurden nach Medienberichten überflutet, als mächtige Wellen über die Uferwälle brachen. Sintflutartige Regenfälle verschlimmerten die Lage.
Experten wiesen darauf hin, dass die Gefahr durch den Hurrikan weniger in der Stärke gelegen habe als in seinem Umfang. "Ike" sei von der Größe her vergleichbar mit "Katrina" oder "Wilma", die vor drei Jahren eine ähnliche Größe erreicht hätten, sagte Hurrikan-Experte Thomas Sävert vom Wetterdienst meteomedia.
ler/dpa
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