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25.09.2008
 

Flügelmann

Düsenflug des "Fusion Man" verschoben

Der "Fusion Man" muss weiter warten: Regenwolken haben am zweiten Tag in Folge Yves Rossys Vorhaben durchkreuzt. Wegen des schlechten Wetters musste der Schweizer Pilot seinen Plan verschieben, den Ärmelkanal mit düsenbetriebenen Flügeln zu überqueren.

Dover - Der "Fusion Man" muss sich in Geduld üben: Yves Rossy wollte eigentlich am Donnerstagmittag über Calais aus einem Flugzeug springen und binnen zwölf Minuten bei Dover die britische Küste erreichen. "Aber wegen der Wolken konnte ich das Meer nicht sehen", begründete der Abenteurer den Abbruch seines Versuches.

Da seine Gerätschaften nicht mit Navigationsgeräten ausgestattet sind, wäre ein Blindflug zu gefährlich gewesen. Am Freitag werde er einen neuen Anlauf nehmen, kündigte Rossy an.

Sein mit Kerosin betriebener Flugapparat mit einer Spannweite von zweieinhalb Metern wiegt 55 Kilogramm und erreicht Geschwindigkeiten bis 300 Kilometer pro Stunde. Der Apparat wird mit dem Körper gesteuert, Rossys einzige Instrumente sind der Gashebel und ein Höhenmesser. Im Mai hatte er seine Entwicklung erstmals präsentiert und Loopings über den Alpen gezogen.

Mit dem Flug über den Ärmelkanal will er in die Fußstapfen von Louis Bleriot treten. Der französische Luftfahrtpionier hatte vor 99 Jahren als erster Mensch mit einem Flugzeug das Meer von Frankreich nach Großbritannien überquert.

Seit 15 Jahren arbeitet der Abenteurer an seiner Vision, wie Ikarus in den Himmel aufzusteigen - eben nicht in einer klobigen Maschine zu sitzen, sondern den Flug am eigenen Leib zu erleben, die Geschwindigkeit zu spüren und wie ein Vogel auf die Landschaft unter ihm zu schauen.

Er hat mit Konstruktionen experimentiert, die wie aufblasbare Drachenflieger aussehen und verschiedene Flügelprofile und Antriebe getestet, bis er auf die Düsentriebwerke des deutschen Herstellers JetCat stieß. Der beliefert normalerweise Modellbauer mit seinen Miniturbinen. Rossy montierte vier davon auf einen starren Flügel aus Kohlefaser - Spannweite etwa 2,40 Meter - und dazu einen Tank für Kerosin. Schnallte sich die gut einen Zentner schwere Konstruktion auf den Rücken - und flog.

"Es ist die totale Freiheit", beschrieb der 49-Jährige das Gefühl nach seinen ersten Testflügen in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Fusion Man" nennt er sich selbst, halb Mensch, halb Maschine: "Ich bin quasi nackt, ich habe nur den Flügel, der mich trägt. Doch trotzdem mache ich das gleiche wie mit einem Flugzeug. Es ist wie ein Traum. Wo ich hinschaue, dorthin fliege ich auch."

han/AP

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