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28.09.2008
 

Horn von Afrika

US-Kriegsschiff belagert gekaperten Waffentransporter

Russland und die USA üben den Schulterschluss: Mit Kriegsschiffen rücken sie den Entführern des ukrainischen Waffentransporters zu Leibe. Die haben zwar ihre Lösegeldforderung zurückgeschraubt - doch sie wollen sich jedem Befreiungsversuch energisch widersetzen.

Nairobi/Mogadischu - Das Horn von Afrika könnte möglicherweise zur Kulisse einer Seeschlacht werden. Mehrere ausländische Kriegsschiffe haben nach Angaben eines somalischen Regierungsvertreters und von Augenzeugen am Sonntag den von Piraten gekaperten ukrainischen Frachter umzingelt. Das mit Panzern beladene Schiff sei am Sonntag in der Nähe der Hafenstadt Harardhere im Nordosten Somalias von drei Kriegsschiffen eingekreist worden, sagte der Berater des Präsidenten der somalischen Provinz Puntland, Bile Mohamoud Qabowsade, am Telefon der Nachrichtenagentur AFP. Eines der Schiffe stamme aus den USA, zwei weitere aus Ländern der Europäischen Union, führte Qabowsade fort, ohne weitere Details zu nennen. Augenzeugen aus der Region um Haradhere bestätigten, dass mindestens zwei Schiffe den Frachter umzingelt hätten.

Einem Bericht des britischen Rundfunksenders BBC zufolge war der US-Zerstörer "USS Howard" am Samstag bis etwa 1000 Meter an die "Faina" herangefahren. Zunächst gab es aber keinen Hinweis darauf, dass ein Versuch geplant war, die "MS Faina" gewaltsam zu befreien. Aus US-Verteidigungskreisen verlautete, mit der Bewachung wollten die US-Streitkräfte sicherstellen, dass die Piraten nichts von Bord bringen. Die amerikanischen Truppen scheinen den Frachter so lange zu bewachen, bis eine russische Fregatte die Region erreicht hat.

Moskau hatte die Fregatte am Donnerstag losgeschickt, um die russischen Matrosen zu befreien. Die russische Nachrichten-Website Life.ru zitierte am Samstag aus einem Telefonat mit einem Besatzungsmitglied des entführten Frachters, bei dem es sich nach eigenen Angaben um den ranghöchsten Mitarbeiter des Kapitäns handelt. Die Piraten wollten mit den Schiffseignern über Lösegeld sprechen, zitierte die Website aus dem Telefonat. Er spreche von der Schiffsbrücke, die anderen 34 Mann an Bord würden in einem einzigen Raum festgehalten. Niemand sei verletzt. Das Schiff liege vor der somalischen Stadt Hobyo vor Anker.

Die "Faina" mit 33 Panzern sowie Granatwerfern für die kenianische Armee an Bord war am Donnerstagabend vor der Küste Somalias von Piraten gekapert worden. Zur Besatzung zählten neben 17 Ukrainern auch drei Russen und ein Lette. Nach Angaben eines Vertreters des internationalen Seefahrerverbandes in Kenia forderten die Piraten insgesamt 35 Millionen Dollar (rund 24 Millionen Euro) Lösegeld. Diese Summe sei den Erfahrungen zufolge jedoch verhandelbar und könne möglicherweise auf unter fünf Millionen Dollar gedrückt werden.

Die Piraten haben inzwischen vor einem militärischen Befreiungsversuch gewarnt. Sollten französische oder US-Marineeinheiten versuchen, das Schiff zu stürmen, seien sie "für alles verantwortlich, was dann passiert". Als Verhandlungspartner akzeptierten die Piraten allein die kenianische Regierung, sagte Ali Yare Abdulkadir am Samstag telefonisch der Nachrichtenagentur AP. Abdulkadir bezeichnete sich als Sprecher der Piraten.

Ihre Lösegeldforderung haben die Entführer indes von 35 Millionen Dollar auf fünf Millionen Dollar reduziert. Die Herkunft der entführten Seeleute aus Osteuropa und die Tatsache, dass die Panzer bereits gebraucht seien, hätten offenbar zu dem "Preisnachlass" geführt, sagte Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seefahrerprogramm in Mombasa. Zudem müssten die Piraten an Land gehen, um die Panzer zu entladen und hätten so ein höheres Risiko zu befürchten. Außer den Panzern und anderen Waffen, die unterwegs in den kenianischen Hafen Mombasa waren, sollen sich 20 Mann Besatzung in der Gewalt der Piraten befinden, unter ihnen auch ein 14 Jahre alter Junge.

Die somalische Küste gilt wegen der zahlreichen Piratenüberfälle als eines der gefährlichsten Gewässer für die internationale Schifffahrt. Derzeit befinden sich mehr als ein Dutzend Schiffe in der Gewalt von Seeräubern, die mit Schnellbooten und automatischen Waffen ausgerüstet sind. Die somalische Regierung unterhält keine Marine und ist gegen das Treiben der Piraten machtlos. UN-Schätzungen zufolge erpressen die Piraten jährlich etwa 100 Millionen Dollar Lösegeld.

Der UN-Sicherheitsrat hatte Anfang Juni alle Staaten ermächtigt, auch in somalischen Hoheitsgewässern gegen Piraten vorzugehen. Zuletzt überfielen Piraten auch einen Frachter einer Bremer Reederei sowie das Segelboot eines deutschen Paares. Die beiden Urlauber waren mehrere Tage in ihrer Gewalt.

mik/dpa/AFP/AP

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