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Tagesbruch Fachsimpelei am Kraterrand

Einfamilienhäuser mit Teich und Schaukel im Garten. Kinder, die als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen. Eine ganz unscheinbare Wohngegend in den ersten Januartagen könnte Wattenscheid-Höntrop sein - wenn sich dort nicht an Neujahr ein riesiger Krater aufgetan hätte. Seitdem führt die Emilstraße bei Hausnummer 41 in einen etwa 30 Meter tiefen Abgrund.

Das Loch in Bochum-Wattenscheid - mit Beton ist der Krater zunächst stabilisiert
DPA

Das Loch in Bochum-Wattenscheid - mit Beton ist der Krater zunächst stabilisiert

Höntrop - "Parken nur für Mieter!" steht an einem der Häuser, und das "nur" ist dabei noch einmal unterstrichen. Doch am Tag nach dem spektakulären Tagesbruch gelten andere Umstände: Polizei, Feuerwehr und zahlreiche Kamerateams haben sich mit ihren Wagen in den engen Straßen postiert. Das Rumoren von Betonmischern sorgt für eine monotone Geräuschkulisse. Vor allem ältere Leute wohnen im Stadtteil Höntrop. Die würden sich schnell beschweren, wenn es mal laut würde - erzählt ein umstehender Mann. Und nun sähen sie sich sogar dem Krach von Hubschraubern ausgesetzt, als wenn das Loch in der Erde nicht schon schlimm genug wäre. Auch von Schaulustigen haben die Anwohner inzwischen genug. Mittlerweile ist die Gegend von der Polizei abgesperrt, Ausweiskontrolle. Am Tag des Einsturzes sei dies noch anders gewesen, meint einer der anwesenden Kameramänner: "Da durften die Omas mit ihren Pocketkameras noch von 20 Metern Entfernung aus in die Tiefe blinzeln". Nun sehen nur noch die Anwohner den Einsatzkräften bei der Arbeit zu, stehen in kleinen Gruppen und beraten sich.

Nein, eigentlich wolle er lieber nichts sagen, auch wenn er schon von so vielen Leuten gefragt worden wäre. Der junge Mann hatte die Garage angemietet, die als erste in der Tiefe verschwand, mitsamt seinem Cabrio Baujahr '95. Mit 80 Sachen sei dessen Freundin damit immer um die Kurve gefahren, meint einer der Nachbarn scherzend. Doch der Angesprochenen ist überhaupt nicht zum Lachen zumute. Auch der Autobesitzer selbst hat andere Sorgen als die Frage, "ob und wie ich gegen diese Sache versichert bin". Als sein Vater ihm am Sonntagmorgen gesagt habe, dass die Garage weg sei, habe er zunächst gedacht, der wolle ihn auf den Arm nehmen. Doch von der Terrasse aus konnte er dann selbst beobachten, wie das Loch in der Erde größer wurde. Ein Teil des Gartens sei versunken, mitsamt einer mehrere Meter hohen Tanne. "Die ist aber nicht umgeknickt, sondern gerade abgesackt." Den Rummel um den Einsturz findet er "schlecht".

Auch ein älterer Herr aus der Nachbarschaft hält die Aufmerksamkeit, die dem Krater in der Öffentlichkeit gewidmet wird, für "dumm". Weil er aber etwa fünfzig Meter von der Unglücksstelle entfernt wohnt, kann er etwas mehr Gelassenheit an den Tag legen. "Noch steht unser Haus", ruft er einer erkälteten Polizistin entgegen. "Aber wenn Sie niesen, wackeln ja die Pfannen." Man müsse das Ganze eben mit Humor nehmen. Angst habe er nicht. Seit 1945 wohnt der gelernte Bauingenieur in Höntrop, einer Gegend, die bisher nicht für Bergschäden bekannt war. Risse an den Häusern habe es nie gegeben. Um so größer fiel die Überraschung über den Tagesbruch aus. Und noch immer ist die Sorge um zwei Häuser, die direkt am Krater stehen, nicht ausgestanden. Deren Bewohner wurden längst evakuiert. Niemand darf sich direkt am Rand aufhalten, rote Schilder warnen vor Lebensgefahr an der Einsatzstelle.

Wer einen Blick auf das Loch werfen will, kann sich höchstens bis auf 50 Metern nähern. Und wer außerdem zu einer Gruppe Journalisten gehört, die vom Polizeisprecher stündlich an die Stelle des Interesses geführt wird. Mancher Kollege hat diese Tour schon mehrfach mitgemacht. Und so beginnt eine Fachsimpelei am Kraterrand: "Dort im Mauersims ist ein neuer Riss"; "Dieser Teil des Rasens ist wohl erst vor ein paar Stunden eingestürzt." Auf den Boden der Einsturzstelle dürfen auch Journalisten nicht sehen. Doch die schiefe weiße Gartenbank, die jede Minute in die Tiefe zu stürzen droht, gibt ebenfalls ein gutes Motiv ab. Und auch das Auto, das mit einem Hinterrad über dem Abgrund hängt. Dessen Kofferraum ist auf, was zu Spekulationen herausfordert: "Ob da wohl noch jemand gegen Ihre Anweisungen was herausholen wollte?" Doch dazu kann Polizeisprecher Bloch keine Aussagen machen, oder: "Ich bin nicht zuständig." Erst recht nicht für die Dauer der Arbeiten, die noch nicht abzusehen ist.

Die Anwohner der Emilstraße wünschen sich ein möglichst schnelles Ende. Das Gleiche gilt für Zug-Pendler auf der Strecke Dortmund-Bochum. Bis auf weiteres muss die S-Bahn im Schritttempo an Wattenscheid vorbeifahren. Die Strecke liegt etwa hundert Meter vom Einsturzloch entfernt.

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