Berlin - Die Passagiere hätten es nicht mehr geschafft, das in Brand geratene Fahrzeug rechtzeitig zu verlassen, sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei. Der Busfahrer habe rechts angehalten. Es sei aber lediglich etwa zehn Menschen gelungen, sich aus dem brennenden Bus zu retten.
Polizeiangaben zufolge kamen bei dem Unglück 20 Menschen ums Leben, 12 bis 13 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.
Nach Angaben der Feuerwehr könnte sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen, weil man nicht wisse, wieviele Menschen sich noch unter den Trümmern des völlig ausgebrannten Wracks verbergen. Bei den Opfern handle es sich vermutlich überwiegend um Rentner.
Ein Augenzeuge berichtete, Einsatzkräfte hätten aus dem Wrack einige Gehhilfen getragen - möglicherweise handele es sich bei den Toten um ältere Menschen, die nicht schnell genug dem Feuerinferno entkommen konnten. Die Gruppe soll auf einer Kaffeefahrt gewesen sein.
Von den Verletzten hätten drei schwerste Brandverletzungen erlitten, die übrigen leichte Verletzungen oder Schocks, sagte Feuerwehrsprecher Jörg Segreff SPIEGEL ONLINE.
Die Brandursache war zunächst völlig unklar. Dem Feuerwehrsprecher handelte es sich aber definitiv nicht um einen Unfall. Spät am Abend erklärte die Polizei, der Brand sei möglicherweise durch einen Fahrgast ausgelöst worden, der heimlich auf der Bustoilette geraucht habe.
"Dies ist allerdings nur eine Annahme", sagte Polizeisprecher Stefan Wittke. Ein technischer Defekt könne eher ausgeschlossen werden. "Die Reifen sind intakt, der Motor ist intakt."
Das Unglück ereignete sich gegen 20.42 Uhr auf der Spur in Richtung Berlin bei der Ausfahrt Garbsen. Die Autobahn wurde ab der Ausfahrt Luthe voll gesperrt.
Der aus dem Ruhrgebiet kommende Bus stammte den Angaben zufolge aus Hannover.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) äußerte sich tief erschüttert über das Busunglück. "Es muss jetzt sehr sorgfältig untersucht werden, wie es zu diesem Unglück kommen konnte", sagte der Minister laut einer Mitteilung am Dienstagabend. "Falls erste Berichte zutreffen, nach denen nur wenige Passagiere wegen des Brandes den Flammen entkommen und den Bus verlassen konnten, muss geprüft werden, ob Sicherheitsbestimmungen eingehalten wurden, und ob diese verschärft werden müssen."
Bei dem Busunglück handelt es sich um das schwerste seit über 15 Jahren. 1992 waren auf einem Autobahnzubringer in der Nähe von Donaueschingen im Schwarzwald 20 Menschen gestorben, 35 wurden verletzt. Im vergangenen Jahr kamen auf der A14 in Sachsen-Anhalt 13 Mitglieder einer Reisegruppe aus Nordrhein-Westfalen ums Leben, als ihr Bus auf der Fahrt nach Dresden von der Fahrbahn abkam und mehrere Meter die Böschung hinabstürzte.
Die A2 zwischen Hannover und Berlin gilt als eine der unfallträchtigsten Autobahnstrecken Deutschlands. Immer wieder kommt es dort zu folgenreichen Unglücken. Im Januar starben drei Menschen durch einen Unfall mit einem voll beladenen Lastwagen, ein Jahr zuvor kamen bei einem Busunfall zwei Menschen aus Polen ums Leben.
hen/jjc/Reuters/AFP/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH